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Die Woken tun uns einen Gefallen

16. September 2025
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Ein Hauptanliegen des rechten Lagers fรผr die kommenden Jahre ist, dass das Machtgefรคlle zwischen Woken und Neocons/Westextremen erhalten bleibt und Letztere sich weiter vor Ersteren einscheiรŸen. Eine westextreme Front, die auch nur einigermaรŸen frei agieren kรถnnte, wรผrde uns in unserem momentanen Zustand auf Parteienebene binnen weniger Jahre rund machen, was ich recht wรถrtlich meine: der AfD die weltanschaulich verwurzelten Kanten abschmirgeln und das verbleibende flache Symptomdoktor-Kollektiv daraufhin zu Tode umarmen.

Ich habe ja schon mehrmals angesprochen, dass ein vorzeitiger Abriss der Brandmauer sich als Verlegung dieser in unsere Reihen entpuppen wรผrde: Ist die CDU noch annรคhernd auf Augenhรถhe, kann sie es also noch geordnet und kontrolliert machen, dann wird sie Bedingungen stellen, als wรคren wir diejenigen, die die Minuten zรคhlen, bis das Ding endlich weg ist โ€“ dabei sind sie das. Wir wachsen, sie schrumpfen und kรถnnen ihr Beschwichtigungsprogramm nicht im Ansatz auf die Beine stellen, weil sie hinter der Mauer mit einem Haufen Geisteskranker gefangen sind, die nicht einmal eine bedeutsame Abbremsung des Niedergangs aus strategischen Grรผnden unterschreiben wรผrden.

Besagte Bedingungen kรคmen einem Vorfeld- und Theoriebildungs-Verbot gleich: Jeder grรถรŸere Politiker, der Kontakte nach Schnellroda, zur IB et cetera unterhรคlt, mรผsste entmachtet oder rausgeschmissen werden. Medien wie โ€žNiusโ€œ wรผrden dies zeitgleich mit einer Kampagne, die innerhalb der rechten Basis Wirkung entfalten soll, befeuern, wie Reichelt es mit seinem Hรถcke-Kreuzzug vergangenen Herbst ja schon einmal angetestet hat.

Die tatsรคchliche Zusammenarbeit wรผrde dann unter folgendem vergifteten Kompromiss stattfinden: Die AfD akzeptiert die jetzt herrschenden demografischen Rahmenbedingungen (โ€žJetzt sind sie halt daโ€œ), kann dafรผr aber mit noch nie da gewesener Hรคrte inlรคndisch gegen deren Symptome vorgehen: Verschรคrfung des Strafrechts, Ausbau der รœberwachung und โ€žExtremismusbekรคmpfungโ€œ, also Repressionen, Umerziehung und Propaganda, die sich auch spezifisch gegen Islamisten und auslรคndische Nationalisten richtet.

Der dabei verwendete Extremismusbegriff kรคme jedoch aus der Feder der CDU: โ€žNicht liberalโ€œ, also gegen die Abschaffung traditioneller Werte und Normen sowie die Auflรถsung identitรคrer Separationslinien wie Herkunft und Geschlecht. Eine Definition, die uns natรผrlich mit einschlieรŸt und aus dem Vorfeld-Verbot eine Pflicht zur Kriminalisierung und Bekรคmpfung der eigenen Aktivisten, Medien sowie jeder rechten Ideenschmiede macht.

Um sich dagegen zu immunisieren, braucht die Rechte eine ideologische Feinddefinition, die die CDU/Axel-Springer-Achse des Liberalismus nicht mehr als eine zu woke-hรถrige abgeschwรคchte Form des eigentlichen Feindes sieht, sondern sie als eigenstรคndigen Pol der Beliebigkeits-Ideologie, die wir bekรคmpfen, begreift. Mein Konzept der โ€žWestextremenโ€œ versucht sich daran: Woke verarbeiten das Versagen der liberalen Gesellschaftsordnung in einem ethnomasochistischen Hass auf die indigene Bevรถlkerung, welche ihr Projekt mit ihrem โ€žRassismus, Sexismusโ€œ et cetera sabotiere. Der Westextreme wiederum ist gnรคdiger mit der inlรคndischen Population, die im globalen Vergleich ja bereits hochgradig liberalisiert ist, und blickt stattdessen mit heiligem Zorn auf die Teile der Welt, die sich seiner Werteordnung noch dezidiert widersetzen: Russland, die islamische Welt, China.

Hat man das verinnerlicht, begreift man also das antivรถlkische Beliebigkeitsprojekt als die Wurzel der Masseneinwanderung und die Neocons als einen Pol dieser Agenda, kann man kaum noch als unfreiwilliger Vollstrecker davon, der sich damit zufriedengibt, die unmittelbaren negativen Auswirkungen der รœberfremdung durch liberal-autoritรคres Durchgreifen zu unterdrรผcken, anstatt die gesamte Party zu beenden, vor ihren Karren gespannt werden. Ein solches Bewusstsein tief in die Partei zu tragen, kรถnnte allerdings noch Jahre dauern.

Wรคhrend dieser Jahre sind die Bรถhmermanns und Bosettis dieser Welt unser entscheidender Trumpf. Der einzige Grund, aus dem die CDU noch nicht รถffentlichkeitswirksam die gerade beschriebene Stรคrkung und Eingliederung weltanschaulich flacher, instrumentalisierbarer Teile der Rechten vorbereitet, ist, dass mรคchtige Organe wie die meisten Medien und Behรถrden sowie drรถlfzig Millionen von Letzteren finanzierte NGOs weiterhin fest in der Hand der Woken liegen. Diese sind zu einem Grad high von ihrem eigenen Stoff, an dem sie keinerlei Nuancen im Feindeslager mehr wahrnehmen kรถnnen und daher die Zusammenarbeit selbst mit opportunistischen Nรผtzlingen in der AfD fรผr die Wiederkehr des Faschismus halten und sich lieber in fruchtlosen Verbotsfantasien ergehen.

Ulf Poschardt, Herausgeber der โ€žWeltโ€œ, schrieb im Zuge von Krahs Dschihad gegen Martin Sellner und sein Konzept der Remigration einen Artikel namens โ€žDie Differenzierung der Rechtenโ€œ, in dem er ausbuchstabierte, dass er eine Zusammenarbeit mit besagten Nรผtzlingen fรผr die beste Chance hรคlt, eine AfD zu verhindern, die den Kurs des Landes substanziell รคndern wรผrde. Ich denke, das ist keine Einzelmeinung, sondern eine Mainstream-Ansicht in seinen Kreisen. Es ist also essenziell, dass die Woken mindestens bis zur nรคchsten Bundestagswahl sowohl mรคchtig als auch zu selbstschรคdigend extremistisch-verblendet bleiben, um die Weisheit und Alternativlosigkeit dieser Strategie zu erkennen und ihrem liberalen Gegenpol die Anwendung dieser Strategie zu erlauben.

5 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Politik hat, vereinfacht gesprochen, drei Pole, drei fundamentale Grundwerte, nicht zwei: Gleichheit, Freiheit und Stabilitรคt. Die Woken bedienen Gleichheit, die Libertรคren Freiheit und die Rechten lehnen Richtung Stabilitรคt. Die Westextremen bedienen vor allem Freiheit, aber auch etwas Gleichheit.
    Sie sind deutlich weiter von uns entfernt als von den Woken.

    • Ergรคnzend dazu: Jeder der drei Grundwerte kann – wenn er รผber alle anderen gestellt und verabsolutiert wird – in den Totalitarismus fรผhren. Das gilt auch fรผr die Stabilitรคt, die im harmlosesten Fall zur Erstarrung fรผhrt.

  2. Unsere Interessen sind diesseits des groรŸen trennenden Teiches, nicht an fremden Ufern.
    In diesem Sinne kann eine maximaltransatlantistische C-Partei niemals mit heimattreuen Krรคften den SchulterschluรŸ finden solange Letztere sich nicht selbst verleugnen wollen.

    Der Begriff „Westextreme“ ist treffend fรผr diese Nische, daรŸ ein Oxymoron wie „liberal-autoritรคr“ seinen Weg in den Text gefunden hat zeigt aber daรŸ auch aufmerksame Beobachter nicht vor der neuzeitlichen Sprachverwirrung gefeit sind.

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