Bundespolizisten wollen über dem Münchner Flughafen vergangene Woche zwei Ufos gesichtet haben, wobei die Abkürzung wörtlich zu nehmen ist: unbekannte Flugobjekte. Die als mutmaßliche Drohnen identifizierten Flugkörper verschwanden wenige Momente später wieder aus ihrem Blickfeld, sodass sie weder gefangen noch abgeschossen und als Trümmerteile inspiziert oder auch nur fotografiert werden konnten. Die Polizisten haben irgendetwas gesehen, das flog.
Das scheint inzwischen die Beweisschwelle zu sein, oberhalb derer Kanzler Merz und Verteidigungsminister Pistorius beinahe wortgleich einen Übergangszustand zwischen Frieden und Krieg mit Russland erklären („Wir sind nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im (Pistorius: ‚kompletten‘) Frieden“), Innenminister Dobrindt die Bundeswehr im Inland einsetzen und CDU-Sicherheitsexperte Kiesewetter den Spannungsfall ausrufen will: Jemand hat etwas Fliegendes gesehen.
Der Spannungsfall ist die Vorstufe zum Kriegsrecht. Er würde die allgemeine Wehrpflicht automatisch wiedereinsetzen sowie Regierungsbefugnisse in einem Ausmaß ausweiten, das dunkel an die Corona-Zeit erinnert: Der Staat könnte Familien aus ihren Wohnungen und Häusern werfen, um sie Soldaten zur Verfügung zu stellen. Er könnte Sperrzonen einrichten, die Reisefreiheit einschränken und etwa Lkw-Fahrer oder Leute, die im medizinischen Bereich tätig sind (oder waren) via „Pflichtdienstbescheid“ zwangsrekrutieren. Wohl am verlockendsten dürfte die Abschaffung der Versammlungsfreiheit sowie die Möglichkeit der Telekommunikations-, Post- und Digitalüberwachung jedes beliebigen Bürgers ohne richterliche Anordnung in den Ohren des Merz-Kabinetts klingen. Gegnern dieser Kriegssimulation könnte man also den Protest verbieten und sie totalüberwachen – und natürlich auch einfach Leute, die der Regierung aus anderen Gründen ein Dorn im Auge sind.
Während Corona sprach man oft vom Exekutivbonus, also dem Phänomen, dass eine Zeit der Krise und Gefahr (ganz gleich ob echt, aufgebauscht oder gänzlich vorgegaukelt) die Masse initial automatisch enger an ihre politische Führung schweißt; dass sie politische Gräben zugunsten der Herrscher verflacht und deren vorangegangenen Grenzüberschreitungen im kollektiven Bewusstsein verblassen lässt. Wenig könnte ihnen also gerade mehr zupasskommen als ein Krieg ohne Krieg, ein heißeres Konflikt-Schauspiel, als es die Realität hergibt.
Auch abseits von direkt aus dem Ausrufen eines vorkriegerischen Ausnahmezustands resultierenden Repressionen, für die sie uns geradeheraus zu russischen Agenten erklären müssten, erweitert jede Vertiefung des öffentlichen Bewusstseins um die Gefährlichkeit und unmittelbare Präsenz des äußeren Feindes ihren Handlungsspielraum im Umgang mit uns. Mikroparteienverbote wie im Falle der gestohlenen Wahl von Ludwigshafen sowie eingetretene Türen, beschlagnahmte Elektronik und saftige Geld- oder sogar Haftstrafen für Gesinnungsdelikte gehen reibungsfreier über die Bühne, je ferner der Masse der innere und je präsenter ihr der äußere Konflikt ist.
Und so wie die Grundrechtseinschränkungen, die mit einem Ausrufen des jetzt diskutierten Spannungsfalls einhergingen, gruselig an 2020 bis 2022 erinnern, erscheinen mir auch die Drohnensichtungen (beziehungsweise ihre mediale und politische Präsenz) als ein massenpsychologisches Werkzeug analog zur damaligen Corona-Inzidenz.
Der damalige Frame: Wir sind mit einer hochansteckenden, tödlichen Seuche konfrontiert, also brauchen wir Maskenpflicht, Impfpflicht, Ausgangssperren und Regeln, in welche Richtung man um einen See laufen darf. Der Beweisstandard: fehleranfällige Tests, durch deren astronomische Falsch-positiv-Rate man via Intensivierung des Testzwangs die Inzidenz-Karte beliebig rot anmalen konnte.
Der heutige Frame: Wir werden physisch angegriffen, also muss der Staat die Versammlungsfreiheit abschaffen, uns ohne Anordnung überwachen, zwangsverpflichten und enteignen können. Der Beweisstandard: Irgendwas fliegt durch die Luft. Nicht mal das, jemand will etwas gesehen haben, das durch die Luft flog. Wir müssen es nicht physisch untersuchen können, wir brauchen nicht einmal Bilder. Jemand erzählt, dass er was gesehen hat, das durch die Luft flog, also haben die Russen uns wieder hybrid angegriffen. Die Herangehensweise nächtlicher Trash-Sendungen auf Kabel Eins Doku an Besuche von Außerirdischen also. Der „Spiegel“ titelte jüngst: „Man muss die Drohnen nicht sehen, um sie zu fürchten“.
Diesem Versuch, die Stimmung, der man in der Sonntagsfrage dabei zugucken kann, wie sie ihnen wöchentlich weiter entgleitet, durch lähmende Angst vor der äußeren Gefahr zu stabilisieren sowie den Boden für einen Ausbau ihrer Macht und der Repressionen gegen uns zu bereiten, müssen wir mit beißendem Spott in die Parade fahren. Ihnen in den Mund legen: „Hey, ich weiß, ihr seid sauer, weil wir euer Land an Drittweltmigranten verschenkt und die Sexualgewalt verdreifacht haben, aber jetzt müssen wir als Gesellschaft zusammenkommen und uns um die russischen Ufos kümmern.“
Es braucht darüber hinaus das Mantra „das ist uns egal“, was den gesamten Russland-Konflikt betrifft. Es darf keine Schwelle der Eskalation geben, ab der wir Gräben zuschütten und mit jenen den Burgfrieden suchen, deren Großprojekt die Auflösung europäischer Völker in der Beliebigkeit ist. Das verbale Neocon-Entgegenkommen, das wir von Weidel nach dem Überflug eines estnischen Meeresstücks vernehmen mussten, ist genau der falsche Weg – es ist der Weg in die Zähmung, Einbindung und Melonisierung. Um mal selbst militaristisch zu sprechen: Ein möglichst tiefer Einbruch in die Mainstreamfront ist nicht unser Ziel. Es ist sogar in unserem Interesse, dass sie uns auch den letzten Acker unter Einsatz ihres rapide schwindenden Ansehens vorenthalten wollen, bis ihre Mittel so weit ausgedünnt sind, dass die Front als solche kollabiert.


Mal schaun, wie lange sich die Militaria-Fans in der rechten Opposition zurückhalten können. Schließlich bietet sich aktuell die Aussicht auf mehr Militär und Marschmusik und Verschieben von Bataillonen am großen Kartentisch. Wenigstens das, wenn man schon sonst nichts erreicht. Die Propaganda wird die rechte Seele schon noch streicheln.
Ich glaube ich habe heute Morgen in meinem Kakao eine Drohne gefunden…
Und letzte Nacht erst hat sich eine winzige Drohne auf meinen Hals gesetzt und mir mein Blut (vielleich für eine DNS-Probe) abgenommen. Sie sind einfach Überall! 😉