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Lucassen paktiert mit „Bild“ gegen Parteiführung

19. November 2025
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Ich habe hier jetzt ja schon ein paarmal das Golem-Fass aufgemacht, weil sich aus meiner Sicht schon seit Spätsommer abzeichnete, dass wir um diesen Konflikt auch um der Wahrung des innerrechten Friedens willen leider nicht herumkommen. Die vergangenen Tage haben diese Vermutung bestätigt.

Pünktlich zur Zündung der nächsten Brennstufe in der kriechenden Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht hat Rüdiger Lucassen, der verteidigungspolitische Sprecher der AfD, zusammen mit MdB Hannes Gnauck einen Auftritt Chrupallas bei Lanz zum Anlass genommen, den Druck auf die Parteispitze erheblich zu intensivieren. Dabei überschritten sie eine rote Linie: Sie nutzten die Reichweite der „Bild“, um Chrupalla die Führungseignung abzusprechen, sollte er keinen NATO-freundlicheren Kurs annehmen.

Ich möchte voranschicken, dass das Angebot AfD-naher (oder zumindest nicht AfD-feindlicher) libertärer bis rechter Medien, die diese Botschaft mit Kusshand verbreitet hätten, reichhaltiger kaum sein könnte: „Junge Freiheit“, „Apollo“, „Tichy“, „Nius“: Während in der Wählerbasis Umfragen zufolge neun von zehn im Ukrainekrieg auf Neutralität bedacht sind, pochen genau genommen sogar alle finanz- und reichweitenstarken Medien rechts des Mainstreams auf eine außenpolitische Annäherung an den Nato-Kurs.

Max Mannhart, der Chef von „Apollo“, sprach im Juni sogar von einer bewussten Entscheidung seines Mediums zu einer einheitlich-transatlantischen Linie.

„JF“ und „Nius“ griffen in denselben Tagen mit unkritischen Interviews dem Lokalpolitiker Tim Schramm dabei unter die Arme, seinen freiwilligen Einsatz in der Ukraine in Druck auf die Parteiführung umzumünzen, in der Russlandfrage einzuschwenken: „Alles, was rollt und schießt, in die Ukraine“. Wir beobachten also ohnehin einen eigenartigen Graben zwischen der geopolitischen Ausrichtung massentauglich ausgestatteter Vorfeldmedien zu der der rechten Basis. Auch Schramm hielt das jedoch nicht davon ab, zusätzlich mit Frederik Schindler, der Höcke wegen seiner Bezeichnung von Tim Kellner als „altem Kämpfer“ NS-Nähe unterstellte, gemeinsame Sache zu machen.

Lucassen und Gnauck hatten folglich keinerlei Grund, ihren Zwist mit Chrupalla ausgerechnet Mainstream-Schreiberlingen zum Fraß vorzuwerfen, die beruflich an unserer Zerstörung arbeiten. Das Dreiergespann der „Bild“-Journalisten Peter Tiede, Josef Forster und Michael Deutschmann, dem sie Rede und Antwort standen, veröffentlichte direkt im Anschluss in derselben Konstellation mehrere Artikel mit Überschriften wie „Russland-Beben bei der Rechtsaußen-Partei: Diese AfD-Abgeordneten hat Putin am liebsten!, die wenig Raum für Zweifel an ihren feindseligen Absichten der Gesamtpartei gegenüber lassen.

Lucassen und Gnauck haben mit übermächtigen Kräften paktiert, deren erklärtes Ziel unsere Zerschlagung ist, um sich einen Vorteil im parteiinternen NATO-Streit zu verschaffen und größtmöglichen Schaden an Chrupallas Ansehen anzurichten. Das ist im allermindesten die Vorstufe zum Verrat. Inhaltlich nannte Lucassen etwa Chrupallas Darstellung der derzeitigen polnischen Führung als potenzielle Gefahr „abstrus“, da Polen NATO-Partner ist.

Ein NATO-Partner, dessen jetziger Außenminister die Zerstörung unserer wichtigsten Gas-Pipeline mit den Worten „Thank you, USA“ feierte…

… und der aktiv die Ermittlungen in diesem schwersten Anschlag auf deutsche Infrastruktur seit dem Zweiten Weltkrieg behindert, indem er Tatverdächtige nicht ausliefert. Aber eben NATO-Partner, da kann man die Parteiführung schon mal in der Axel-Springer-Presse als am Rande der Zurechnungsfähigkeit taumelnd hinstellen.

Lucassen und Gnauck sprachen unisono davon, Chrupalla gefährde die Regierungsfähigkeit der AfD bis 2029. Während dem ein unmissverständlicher „Er muss einknicken oder weg“-Subtext innewohnte, offenbarte die Aussage auch den Kamikaze-Kurs einer vorzeitigen Annäherung an die CDU, der das Golemlager zurzeit zu der größten inneren Bedrohung für das rechte Projekt macht: Wenn baldestmögliche Regierungsbeteiligung das Ziel und die nächsten drei Jahre lang inhaltliche Gräben zur CDU zuschütten der Weg ist, bleibt am Verhandlungstisch dann nur noch die Aufgabe der letzten Substanz, namentlich Remigration. Ein Verhandlungstisch, an dem wir sowieso frühestens 2033 und ohne den Schweiß des Getriebenen Platz nehmen sollten, wenn andersherum die CDU mit der einzigen Alternative, sich einer letzten linksdominierten Anti-AfD-Koalition anzuschließen, vor dem Absturz in die Einstelligkeit steht.

Das Selbstbewusstsein, mit dem die CDU am Tisch einkehrt, muss durch nicht mehr schönzuredende Marginalisierung ihrer politischen Bedeutung vorab gebrochen werden. Ansonsten wird sie aus der Hybris des etablierten Seniorpartners heraus (die sie auch auf prozentualer Augenhöhe an den Tag legen würde) und mit Deepstate, Medien und Geld im Rücken unsere Biegbarkeit auf die Probe stellen. Ziel wäre, martialisch daherkommende „Gesetz und Ordnung“-Politik zur Symptomunterdrückung gegen die Abwendung der AfD von Remigration und die Absetzung weltanschaulich gefestigter Rechter einzutauschen.

Die Folge, sollte eine härtere Gangart tatsächlich spürbar die Kriminalität senken, wäre unsere Komplizenschaft als Mitvollstrecker einer autoritären Befriedung des nun geschaffenen Vielvölkerstaates sowie der Bekämpfung grundsätzlicher denkender Teile des eigenen Lagers unter demselben Extremismusbegriff, mit dem eine solche schwarz-blaue Regierung Islamisten zu Leibe rücken würde: gegen die Vielfalt, nicht liberal.

Und da sind wir im Herzen des Problems der Golemrechten angelangt: Sie haben keine ideologische Feinddefinition. Sie sind gedanklich in der „Freier Westen gegen kommunistischer Osten“-Welt vergangener Jahrzehnte hängen geblieben, blind dafür, dass die Freiheit, die das gesamte akzeptierte Spektrum zwischen Merz und Reichinnek meint, wenn es von „liberalen Demokratien“ spricht, die Freiheit von völkischer, religiöser, geschlechtlicher und familiärer Identität ist. Und dass die Freiheit der Gegner dieses Entwurzelungsprojekts im Libertas-Gewand im Zweifelsfall auf die neun Meter einer Gefängniszelle zusammenschrumpfen soll.

8 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Ich stimme dem Kommentar nicht zu. Das eine bedeutet nicht das andere. Chrupallas Auslassungen bei Lanz haben gezeigt, dass er auch nicht klüger ist als die Parteileute in der Einheitsfront. Man faselt nicht im Fernsehen über Länder, mit denen man eigentlich keinen offenen Streit hat und haben darf. Wir sind schwach und auf andere angewiesen. Polen erstarkt. Damit müssen wir umgehen. Aber nicht, indem man in den Dingen herumwühlt auf offener Bühne. Für mich hat sich die AfD mal wieder ein Stück erledigt. Und alles Geweint rechts, dass die AfD mainstreamig wird, ist vollkommen realitätsfern. Ich sehe da keine Strategie. Und auch eine völlige Überbewertung des Potentials von Parteien und Politik überhaupt. Wir werden Deutschland nicht politisch retten. Sondern nur, nur, nur religiös. Kult und Kultur hängen fundamental zusammen. Überlegt Euch, welche Religion und welcher Kult das sein kann. Ich wäre gespannt über einen Artikel zu DEM Thema. Alles andere ist Träumerei am Schreibtisch und fernab von echter Kultur. Die Kirche boomt (auf kleiner Basis). Zu viele Leute gehen nicht hin – und machen stattdessen solche Gedankenspielchen, als würde das irgendetwas ändern… Steht mal im richtigen, täglichen Leben auf. Besonders sonntags. Die Moslems sind Freitag in der Moschee… Und zwar zu tausenden (neulich sah ich in FF/O 200 Männer vor der Moschee stehen). Und wo seid Ihr???

    • Parteien sind Mittel zum Zweck. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.
      Nicht das Werkzeug ist die Lösung, sondern derjenige welcher das Werkzeug führt. Und das muß Parteibasis, deren Umfeld und letztlich das gesamte Volk, zumindest den Teil der diesen Namen noch verdient, sein.

  2. Auch wenn ich den „Golem“-Begriff nicht verstehe, da ich den entsprechenden Shlomo-Beitrag nicht gelesen habe, so bin ich wie er sehr dafür diese blödsinnig gefährliche Kriegsbegeisterung und deren Unterstützung durch ehemalige Stabsoffiziere mit AfD Parteibuch anzuprangern. Diese haben nicht begriffen, daß es hier nicht um Unterstützung eines „bösen“ Putin geht sondern darum, nicht in einen Krieg wie in die beiden letzten zu schlittern, der uns nun wirklich nichts angeht. Man höre sich als AfD-Mitglied oder Unterstützer dazu lieber mal den ausgezeichneten Bismarck-und Geschichts-Kenner Gauland an. Bei Lucassen & Co fällt mir nur ein, daß sie es offensichtlich genießen, daß ihre Bedeutung auf die alten Tage noch einmal steigt. Dabei hätte ich diese „Parteifreunde“ mehr geschätzt, wenn sie schon in ihrer aktiven Zeit – z.B. über BILD wahrnehmbar – gegen die Zerstörung unserer Wehr- (nicht unbedingt Kriegs-!) Fähigkeit „gekämpft“ hätten. Jetzt ist doch der diplomatisch wie taktisch dämlichste Zeitpunkt für Deutschland mal wieder gegen den Osten zu rüsten. Akzeptieren würde ich vielleicht noch wenn man die damals zur Zeit unserer wirklichen Bedrohung wehrdienstverweigernden aber heute großmäulig zum Angriff blasenden Politschranzen in gefleckter Tarnuniform unter den Kommandos von Helden wie Lucassen als unseren „westlichen“ Beitrag an die ukrainische Front senden würde. Als Geheimwaffe in einem solchen Aufzug könnte vermutlich auch die Dame Krach-Trümmermann wirken, bei der dann selbst der kampfbewußteste Russe die Flucht ergreift.
    Dem vorangegangen Kommentator mit der Religionsgläubigkeit kann ich nur empfehlen sich mal mit den Untaten aller Religionen in der Geschichte zu befassen. All diese Vereine mit ihrem Bodenpersonal dienten einzig und allein der Beherrschung des „gemeinen“ Volkes – und wenn es dazu blutiger Kriege bedarf, deren Waffen sie mit diversen Dumm-Sprüchen segneten…

  3. Der Text hätte genauso gut bei Compact stehen können und dieses ständige Mantra, die „rechte Basis“ sei zu 90 Prozent neutralistisch im Ukrainekrieg, ist schlicht falsch. Viele konservative und patriotische Wähler haben längst die Schnauze voll davon, von prorussischen AfD-Kollegen in Sippenhaft genommen zu werden…. für Kniefälle vor sowjetischen Denkmälern, geopolitische Romantik Richtung Moskau oder einen stillen Schulterschluss mit dem Kreml. Welchem deutschen Interesse soll das eigentlich dienen? Russland führt nicht erst seit gestern einen hybriden Krieg gegen Europa. 2021 hat Moskau über Belarus gezielt Migranten an die EU-Grenze geschoben, nach Polen und Deutschland, und sich im selben Atemzug moralisch überlegen aufgespielt, wir würden ja „Menschenrechte verraten“, wenn wir diese Waffe , denn nichts anderes waren diese Menschen in dem Moment nicht ins land lassen. Hallo?

    Und man sollte sich erinnern, was das russische Außenministerium über die Identitäre Bewegung sagt: „rassistisch, extremistisch, faschistisch“. Das ist das offizielle Wording Moskaus. Also wofür sollen wir uns eigentlich bedanken? Für den „Respekt“? Für die „Multipolarität“? Für gar nichts.

    Man kann die destruktiven Entwicklungen im Westen kritisieren zb Globalismus, Massenmigration, linksliberale Entgrenzungspolitik usw und trotzdem erkennen, dass Russland kein Verbündeter deutscher oder europäischer Interessen ist. Die Welt ist nicht binär: Es gibt nicht nur „den dekadenten Westen“ und den „heroischen Osten“.

    Dass die Krautzone ausgerechnet eine solche Kreml-relativierende Vision zum innerrechten Konflikt publiziert, ist absurd. Normalerweise kommentiere ich hier nichts, weil meistens Zustimmung keinen Kommentar braucht. Aber irgendwann reicht’s. Wer einen souveränen deutschen Weg will, darf nicht zwischen Brüsselhörigkeit und Moskauhörigkeit wählen. Und schon gar nicht sollte man Russland mit Samthandschuhen anfassen, während genau dieses Russland seit Jahren aktiv versucht, Europa zu destabilisieren.

    Man muss Russland nicht hassen. Aber man sollte sich endlich von dieser alten, sentimentalen Russlandverklärung lösen. Das ist kein „Realismus“. Das ist geopolitische Naivität. Natürlich muss sich ie AfD hier korrigieren, weil zwischen Russland und Deutschland liegen ein halbes Dutzend europäische Länder, die alle sich zu Recht von Russland bedrpht fühlen. Wären diese nicht und wir würden eine Grenze mit den Russen teilen, wäre es hier auch schnell vorbei mit dem Geschwafel vom Frieden, schlicht weil man uns den Krieg aufzwingt – von Moskau aus, das eben imperiale Interessen pflegt.

    • Was wäre ein Grund warum der Kreml-Kopf versucht das heutige West- und Mitteleuropa zu destabilisieren?
      Weil es derzeit kein Partner zum gegenseitigen Vorteil ist und als fester Diener der amerikanischen NATO-Dominanzausweitung bei Fuß sitzt. Mit einem souveränen Europa sähe das anders aus.

      Aber was hat man als besetztes Land schon zu sagen.

    • Ein gutes Verhältnis zu Russland gebietet einfach die ökonomische Sachlage. Ein Industrieland Deutschland das seinen Wohlstand halten will, benötigt günstige Energie. Genau dafür wurden die Nordstream Pipelines gebaut. Das hat nichts mit sentimentaler Russlandverklärung zu tun.

  4. Deutsches Interesse ist weder Russland seine Hybride Kriegsführung, insbesondere auf digitaler Ebene, gegen uns durchgehen zu lassen, noch ist es sich unter westlichem Denkmantel weiter liberalisieren(das heißt abbücken) zu lassen, noch ist es weitere Millionen sowie Kriegsgerät in die Ukraine zu schicken.

    Wir schulden niemanden dieser drei Parteien etwas. Nur uns selbst gilt eine Verantwortung. Und diese muss in eiskalter und opportuner Abwägung des eigenen Interesses und der Möglichkeiten manifestiert werden.

    Dann können wir auch endlich die „Russenstusser vs. West-cucks“-Debatte begraben und uns auf uns konzentrieren.
    Es ist wirklich nicht kompliziert, wenn der Wille dazu da ist. Und wenn dieser da ist, muss er auch kommuniziert und umgesetzt werden.

    Doch kommt es mir so vor als ergehe man sich an Mangel an praktischen Möglichkeiten(ob tatsächlich oder gefühlt sei dahingestellt) lieber in endloser Theorie.

  5. Sehr guter Artikel von Shlomo Finkelstein !
    Da ich der Meinung bin, dass die Nato seit dem Zusammenbruch der UDSSR
    sich erübrigt hat und faktisch nur noch ein Zusammenschluß ihrer Selbstwillen ist,
    müssten Leute wie Lucassen, die AFD verlassen und zu einer der Kriegsparteien
    CDU/CSU/SPD/GRÜNE/LINKE wechseln.
    Dieser Timm Schramm hat sowieso einen an der Waffel, der hat ja mit den
    Werten einer demokratischen und gerechten Politik, gar nichts am Hut.
    Hat dieser dummtreiste Spinner etwas über die Vorgeschichte des Ukraine-
    Krieges, gelesen ? Weiß der Idiot, dass er wegen eines
    lang nicht mehr im Amt stehenden Diktators und Betrügers sein Leben reskiert ?
    Man ist schon manchmal geschockt, welche Volltrottel, sich innerhalb einer
    patriotischen Partei befinden.
    Meinungsfreiheit muss sein, aber wenn solche Meinungen in der AFD überhand
    nehmen, hat diese Partei ihr Lebenselexier verloren !

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