„Korruption“ ist eines dieser Worte, das wohl jeder von uns mit einer dieser von Kindesbeinen an eingeprägten Vorstellung verbindet. Ich assoziiere den Begriff mit knisternden Geldscheinen, die von (osteuropäischen) Polizisten bei der Passkontrolle beiläufig in Brusttaschen geschoben werden („Spasiba, fahren Sie weiter, dawai“). Oder mit schmierigen Bauunternehmern, die in rot ausgeleuchteten und ordentlich beheizten Etablissements, in denen grazile (osteuropäische) Damen Gymnastikübungen vollziehen, dem Kommunalpolitiker ihrer Wahl den neuen Bebauungsplan vorstellen („Hör mal, Mike – ich sag einfach mal Mike – die Wiese an der B 301 ist ’ne Goldgrube“). Kurz: Korruption gibt es immer irgendwie und irgendwo. In Deutschland ist das aber eher ein Phänomen, das sich „unten“ abspielt. Oder?
Jeder, der das politische Geschehen der letzten zehn Jahre verfolgt hat, weiß natürlich, wie sehr der expandierende deutsche Staat die Korruption beflügelt hat. Man denke etwa an die Asylindustrie, in der sich jeder gewiefte Vermieter, private Deutschlehrer oder selige Integrationscoach einrichten konnte, um für seine „Leistung“ einen Haufen Steuergeld – Kollege Finkelstein würde sagen: Kartoffelcash – abzugreifen. Corona, Testcontainer, Maskendeals – auch so ein Massengrab für unzählige Milliarden von Euros, die der Staat zuvor den Bürgern abgepresst hat.
Deutschland genießt im Ausland immer noch den völlig unverständlichen Ruf, korrekt und eben nicht korrupt zu sein. Vielleicht stimmt das dahingehend, dass bei uns – zumindest noch! – die alltäglich wahrnehmbare Korruption sehr marginal ausfällt. Haben Sie, lieber Leser, schon mal in einer Verkehrskontrolle etwas anderes aus dem Portemonnaie geholt als ihren Ausweis? Ich jedenfalls nicht. Tatsächlich aber findet bei uns die Korruption in einem Ausmaß und auf einer Ebene statt, die das Vertrauen jedes Bürgers – ob naiv links oder rechts, ob demokratisch ergriffen oder patriotisch beseelt – stark erschüttern sollten. Aber das tun sie nicht. Linke stehen unverdrossen hinter ihrer Riege aus etablierten Parteien und Medien. Aufgedeckte Skandale werden überschwiegen oder schnell abgewickelt. Rechte hingegen erheben den Korruptionsvorwurf viel zu selten zum Kern ihrer Systemkritik.
Diese Verkrustung wird durch die Macht der etablierten Medien nur noch verstärkt: Statt Korruptionsskandale aufzudecken und anzuprangern, beteiligt sich die Presse lieber an räudiger und durchsichtiger Schadensbegrenzung. Das lässt sich zum Beispiel in der Affäre rund um Wolfram Weimer studieren. Diese begann wie folgt:
„Bevor Wolfram Weimer das Amt des Kulturstaatsministers unter Merz antrat, war er Geschäftsführer seines Medienhauses Weimer Media Group. Zu seinen Publikationen zählt unter anderem das Debattenmagazin ‚The European‘. Während Weimer gegenüber Werbekunden für sein Debattenmagazin mit der Zahl von über 2.000 Autoren warb, fand Alexander Wallasch durch Recherchen heraus, dass viele der angeblichen Autoren nichts von ihrer Tätigkeit für Weimer wussten.“
In jedem Land – wahrscheinlich auch in vielen osteuropäischen Ländern – hätte dieser dreiste Betrug zum sofortigen Rücktritt des Ministers führen müssen. Nicht aber in Deutschland, wo sich die etablierten Medien nicht einmal zu schade sind, sich schützend vor Weimer zu stellen. Die einstmals renommierte „FAZ“ titelte gegen die Kritik von Seiten der AfD:
„Die der Weimer Group gehörende Publikation ‚The European‘ habe gegen das Urheberrecht verstoßen, meint die Rechtspartei. Ist da etwas dran? Eher nicht. Den Hintergrund bildet etwas anderes.“
In der Zwischenzeit waren es oppositionelle, nicht etablierte Medien, die ihrer Pflicht nachkamen und den Sumpf rund um Weimer weiter ausgeleuchtet haben. Dabei kam unter anderem heraus, dass das von Weimer und seiner Frau geleitete Unternehmen als Veranstalter des „Ludwig-Erhard-Gipfels“ offensiv mit der Kontaktaufnahme der dort anwesenden Politiker warb. Ticketpreis: 3.000 Euro. Bisher bekannte staatliche Förderung des Events: 700.000 Euro. Möglichkeit zur direkten Beeinflussung deutscher Spitzenpolitiker: unbezahlbar.
Ob Weimer darüber stürzen wird, steht in den Sternen. Das hier ist nicht mehr das Deutschland von 1955, das ist die Späte Bundesrepublik. Hier kann sich der überaus unbeliebte Moderator Louis Klamroth, der es als Sohn des Schauspielers Peter Lohmeyer sicherlich bloß durch Talent und Ausstrahlung zum gutdotierten „Hart aber fair“-Posten gebracht hat, trotz fallender Quoten die nächsten öffentlich-rechtlichen Filetstücke unter den Nagel reißen. Drei, vielleicht sogar vier weitere Sendungen soll Klamroth in Zukunft moderieren dürfen. Natürlich nicht umsonst: 18.000 Euro streicht er pro Sendung ein, die Produktionskosten seiner zukünftigen Formate werden auf 12,5 Millionen Euro geschätzt.
Das ist Korruption, wie sie in Osteuropa nicht schäbiger sein könnte. Es ist nicht nur das rücksichtslose Einstreichen von Geld, es ist das rücksichtslose Einstreichen von unserem Geld. Es ist nicht bloß die verschämte Ablieferung einer schrottreifen Leistung, es ist die bewusste, vor aller Augen exerzierte Verhöhnung der dummen Zahlknechte, zu denen die Bürger im Getriebe des Spät-BRD-Managerstaates degradiert worden sind.

