0

Julian Reichelt – Millionenfache Vertreibung unserer Großeltern war legitim

24. November 2025
in 3 min lesen

Der Motor des modernen Liberalismus ist Schuld. In ihr besteht die eine letzte Ethno-Identität, die alle anderen unter sich begraben soll. Linke steigern sich masochistisch in sie hinein und verteufeln die heutigen Europäer dafür, angesichts ihrer geschichtlichen Gräueltaten sowieso nie identitätslos genug sein zu können. Neocons wiederum leiten aus unserem „Lernen aus der Geschichte“ chauvinistische Ansprüche darauf ab, den Rest der Welt nach dem Ebenbild unserer Selbstverleugnung umzuformen.

Linke paktieren mit ausländischen Nationalisten und Islamisten, weil sie in diesen bei der Ausradierung der Reste deutscher Identität natürliche Verbündete sehen, sind sie doch die heutigen Leidtragenden unserer Unmenschlichkeit. Neocons ergehen sich in israelischem Fremdnationalismus, um gegenüber den prominentesten historischen Opfern Wiedergutmachung zu leisten.

Ein Mitstreiter, auf den man bauen kann, muss solche Komplexe zu einem Mindestmaß überwunden haben. Ansonsten bleibt er im Zweifelsfall kontrollierbar und kann nicht für deutsche Interessen kämpfen, sondern höchstens für ein selbstbewusstes Einfordern westlich-liberaler Prinzipien auch von Migranten; für eine kulturelle Homogenisierung des ethnisch fragmentierten Staates unter liberaler Flagge.

Julian Reichelt war mal ein offener und mächtiger Feind von Migrationsgegnern. Als „Bild“-Chef schob er 2015 und 2016 die „Refugees Welcome“-Kampagne maßgeblich mit an. Selbst zahme CDU-Kritik an dieser emotionalen Erpressungskampagne erntete seinen heiligen Zorn:

„Lieber Herr Lengsfeld, soeben lese ich Ihre Pressemitteilung, in der Sie uns auffordern, unsere Aktion ‚Refugees Welcome‘ zu beenden. (…) Die Menschen dort brauchen keine Einladung auf unserem Twitter-Account. Dass ihre Kinder täglich von Fassbomben zerrissen werden, ist ihnen Einladung genug. (…) Wie können Sie es wagen, ein Foto, auf dem ein Kind durch Stacheldraht kriecht, emotional aufgeladen zu nennen? (…) Gemessen an der Schande, die an Europas Grenzen und in Europas Außenpolitik stattfindet, ist dieses Foto noch geradezu schonend. (…) Wenn Kinder in ihren Klassenzimmern zerfetzt werden, davor flüchten und dann in unseren Stacheldraht laufen, dann muss man das auch gar nicht mehr emotional aufladen – diese Schande unserer Zeit ist von ganz allein emotional genug.“

Er schloss die E-Mail, die er 2016 auf Twitter veröffentlichte, mit einem Verweis auf Lengsfelds Heuchelei, sich mit Kirchenvertretern zu treffen, zeitgleich aber „Medien aufzufordern, den christlichen Wert der Nächstenliebe nicht mehr allzu engagiert zu vertreten.

An Heiligabend 2015 veröffentlichte Reichelt den schwülstigen Bildartikel „Weihnachten im Jahr der Flüchtlinge“, in dem er deren Aufnahme geradeheraus als Wiedergutmachung für den Holocaust lobte:

„Deutsche Effizienz steht nicht mehr für das Grauen unserer Geschichte. Unsere Bahnhöfe sind nicht mehr bloß Orte, von denen aus unzählige Menschen in den Tod geschickt wurden, sondern sie stehen nun auch für Barmherzigkeit, für Mitgefühl, Willkommenskultur und ein neues Leben in Sicherheit.“

Es bleibt festzuhalten, dass er in einer Führungsposition bei der „Bild“ sogar eine deutlich entscheidendere Funktion bei der Legitimierung der Grenzöffnung innehatte, als man das von öffentlich-rechtlichen Redakteuren oder welche bei linken Zeitungen wie der „Zeit“ oder der „taz“ sagen kann. Denn während diese lediglich Merkels Kurs sowieso zugetane Bildungsbürger-Schichten weiter fanatisiert haben, erreichte die „Bild“ genau jene Zielgruppe, auf die es ankam: Abermillionen Grillboomer, deren reflexhafte Positionierung in Abwesenheit solcher Propaganda eine andere gewesen wäre.

Es geht hier nicht darum, nachzutragen. Als rechtes Lager haben wir nicht den Luxus, uns unsere Verbündeten mit rückwirkendem weltanschaulichem Reinheitsgebot aussuchen zu können. Leute können ihre Ansichten ändern. Aber hat Reichelt das?

Jüngere Äußerungen legen nahe: nicht an der Substanz. Er lässt sich von derselben Schuld, der seine „Refugees Welcome“-Ergüsse entsprangen, weiterhin leiten. Kurz nach Beginn des Gazakrieges rechtfertigte er zivile Kollateralschäden folgendermaßen:

„Briten und Amerikaner hielten es für geboten und moralisch vertretbar, den Willen der deutschen Zivilbevölkerung durch Flächenbombardements von Städten zu brechen. Sie nahmen den Tod hunderttausender Zivilisten nicht nur in Kauf, sie verursachten ihn ganz bewusst, weil sie der (richtigen) Überzeugung waren, dass es ein befreites und friedliches Europa nur geben könne, wenn Deutschland in jeder Hinsicht gebrochen wäre.“

Eine ähnliche ethnomasochistische Inbrunst kam vergangenen Donnerstag erneut zum Vorschein, als er im „Rohschnitt“-Podcast mit Wagenknecht über dasselbe Thema debattierte:

„Halte ich es für legitim, dass meine Großeltern aus den deutschen Ostgebieten vertrieben worden sind? Oh ja! Weil sie Juden vergast haben. Weil sie sich einem Regime angeschlossen haben, das Juden vergast hat, halte ich die Bombardierung deutscher Städte für legitim im Zweiten Weltkrieg.“

Dieselbe Begründung also, mit der er vor knapp zehn Jahren die Überfremdung der heutigen Deutschen glorifizierte. Inzwischen erklärt er uns wiederum, wie die AfD umgebaut werden müsse, um die von ihm selbst mit moralinsaurem Pathos durchgeboxte Masseneinwanderung rückabzuwickeln: Höcke raus, Vorfeld abschneiden, Pro-NATO-Kurs, Vorbild Meloni.

Vielleicht sollte er uns vorher erst mal erklären, inwiefern 2015 doch keine begrüßenswerte Wiedergutmachung für die Geschichtskapitel war, von denen er weiterhin besessen scheint. Vorzugsweise, ohne den islamischen Antisemitismus vorzuschieben, sondern aufgrund der Interessen Deutscher. Wieso darf das Tätervolk zehn Jahre später doch wieder welche haben? Ansonsten drängt sich der Verdacht auf, einem Reichelt gehe es nur darum, die unabwendbare Gegenreaktion auf 2015 in für das liberale Projekt ungefährliche Formen zu gießen.

5 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Reichelt ist von der Wurzel an durch und durch ein Gezücht der Springerpresse, nichts anderes als ein speichelleckend ergebener pflichtschuldig übererfüllender Büttel transatlantischer Vorbeter. Wie dürftig es um seine geistige Verfassung steht offenbart er dadurch daß er selbst seine eigenen Großeltern post mortem für derart billige Schuldkultbekenntnisse verachtet.
    Leider ist er mit seiner pseudooppositionell getarnten Propaganda erfolgreich genug um Millionen leichtgläubiger Komfortkonservative damit einzuwickeln. Die übrigens durchaus auch in der Altersgruppe der 20-50jährigen zahlreich vertreten sind, soviel zur immer wieder untergemischten plumpen Altersdiskriminierung in dieser Postille.

  2. Aus Julian Reichelt tönt die nationale Selbstverachtung nur lauter heraus als aus den übrigen politmedialen Akteuren. Die Autoaggression ist tief in der DNA der Nachkriegsgenerationen eingeschrieben. Sie hat sich über die Jahrzehnte vom Kleinreden der Vertriebenenschicksale über das Lächerlichmachen deutscher Gepflogenheiten bis zum hysterischen Selbsthass gesteigert („Bomber Harris, do it again“).

    Wer darauf achten mag, findet leichte Spuren der Selbstverachtung auch in Alltagsgesprächen mit Normalbürgern, wenn z.B. das „typisch Deutsche“ mit ironischem Grinsen bedacht wird.

    Die Selbstverachtung macht den Weg frei für das linksliberale Projekt: Abschaffung des Nationalstaates, Unterwerfung unter supranationale Organisationen, Moral- statt Interessenpolitik…

  3. Jemand, der sich nur ein wenig mit Geschichte und menschlichen Verhaltensweisen beschäftigt hat, kann feststellen, daß der industrielle Massenmord an Juden und anderen von den nationalen Sozialisten verfolgten Menschen der breiten Öffentlichkeit damals nicht bekannt war. Diese Verbrechen wurden bewußt geheim gehalten und auf besetztem – unter militärischer Kontrolle befindlichem – Gebiet durchgeführt. Wäre es anders gewesen, hätten die nationalen Sozialisten dies gegen den Widerstand der Deutschen nicht ohne weiteres durchführen können. Ein Beleg dafür sind u.a. die Predigten des Münsteraner Bischofs, Graf von Galen, nach deren Bekanntwerden die Euthanasie-Morde zunächst eingestellt und ihm deswegen kein Haar gekrümmt wurde – obwohl man mit solchen Gedanken spielte. Man befürchtete aber mit Recht massenhafte Proteste der Bevölkerung. Diese hätte auch bei Kenntnis den industriellen Massenmord nicht geschluckt !
    Von einem angeblich gebildeten Menschen wie Reichelt erwarte ich solches Nachdenken. Aber der hätte ja auch nicht bei Springer – und schon garnicht bei BILD angefangen…

  4. Um bei Springer zu arbeiten, muss man ein Israel-Befürworter, und Israel gegenüber loyal, sein.
    Alles geschichtlich und historisch fundiertes Wissen, und die Auseinandersetzung damit, scheint Herr Reichelt auf dem Opferteller gelegt zu haben und gegen Einfluss, Machterhalt und monetäre Ströme bewusst getauscht zu haben. Schade.

  5. Hat mit Israel nichts zu tun. Aber damit, dass er ein Saulus ist, ein Wendehals und ein Opportunist, der auch jederzeit wieder zum Multikulti Apologeten avancieren würde, wenn sich die öffentliche Debatte ,abseits der VERöffentlichten Meinung, wieder ändern würde.

Comments are closed.

ABOS

Bücher

SPIELE