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Fuentes vs. Morgan – Nicht weniger als eine tektonische Plattenverschiebung

16. Januar 2026
in 4 min lesen

Nick Fuentes schlägt hohe Wellen. Er ist eine Figur, die kontroverser nicht sein könnte – schon ein möglichst neutraler Bericht über ihn muss als Provokation gelten. Fuentes ist seit Jahren von verschiedenen sozialen Netzwerken verbannt und sieht sich gezwungen, auf sogenannten Alt-Tech-Plattformen wie Rumble zu wirken. Aus diesem Grund war es beachtlich, dass diese mediale Persona non grata Anfang Dezember beim ebenfalls (wenn auch in weitaus bescheidenerem Maß) polemischen englischen Talkshow-Moderator Piers Morgan eingeladen war. Was man auch über Fuentes denken mag, so ist wohl nicht zu leugnen, dass dies ein denkwürdiger Auftritt war, der sich am prägnantesten mit einem kurzen Austausch illustrieren lässt:

„Sie denken, Hitler sei cool?“

„Ja. Und ich bin es leid, so zu tun, als wäre er es nicht.“

Ein Austausch, der im aktuellen Kulturkampf einschlägt wie eine Bombe. Die höchste zeitgeistliche Häresie vom Enfant terrible der amerikanischen Internet-Rechten mit einem feisten Grinsen ausgesprochen. Keine Distanzierung, kein schamhaftes Erröten, kein „was ich eigentlich sagen wollte…“. Das Interview, das Piers Morgan mit Nick Fuentes geführt hat, markiert ein Schlüsselereignis im kulturellen Paradigmenwechsel.

Doch was auch immer man kritisch über Fuentes sagen kann, so hat er in Piers Morgan ein durchaus passendes Gegenstück aus der Welt der Mainstream-Medien, einen der größten Vertreter jener nervtötenden, antiintellektuellen, boulevardjournalistischen Interviews, geführt wie ein Kreuzverhör, wo der Gast keinen Satz zu Ende spricht, ohne unterbrochen zu werden, wo es einzig darum geht, das Opfer aufs Glatteis zu führen und mit seiner eigenen Heuchelei zu konfrontieren, bis es winselnd auf die Knie fällt und um Vergebung für seine Sünden bittet. Eine Art von Interview, die mehr ein kultistisches Demütigungsritual vor dem Götzen des Zeitgeistes ist als ein intellektueller Austausch. Und wie ein zeitgenössischer Samson tritt Nick Fuentes in diesen Götzentempel und reißt ihn komplett hernieder.

Die Strategie eines Piers Morgan oder sonstigen Interviewers dieser Sorte ist altbekannt: Man versucht, den Angeklagten (ehemals „Gast“) dialektisch in die Ecke zu drängen, in die moralisch unterlegene Position, wenn möglich noch mit Etikettierungen à la „Rassist“, „Sexist“, „Antisemit“ und so weiter, um ihn so in Erklärungsnot zu bringen. (Man erinnere sich an jene erbärmliche Vorstellung von Markus Lanz gegenüber Alice Weidel, als er sich in ellenlange emotionale Monologe über das Leiden der Ukraine verstrickte.) Oberflächlich wirkt dies auf ein intellektuell demoralisiertes Publikum wie eine pikante journalistische Hinterfragung einer laufenden Polemik, die vom jeweiligen Gast ausgegangen wäre; tatsächlich aber ist es einzig eine Belehrung, die mit Umerziehung einhergeht, nicht nur Umerziehung des Gastes, der, gemäß der erhabenen und unfehlbaren moralischen Autorität des Interviewers, falsche und unmoralische Ansichten vertreten hat, sondern auch Umerziehung des Zuschauers, welcher dem Exempel beiwohnt, wie diese Person mit falschen Ansichten an den Pranger gestellt wird.

Womit Piers Morgan oder auch andere dieser Sittenhüter nicht gerechnet hätten, war, wie all dies plötzlich an einem Nick Fuentes abperlt; dass Morgan ihm ins Gesicht sagen kann: „Du bist ein misogyner alter Dinosaurier“, und Fuentes einfach nickend antwortet: „Ja.“ Morgan fährt die schwersten nur erdenklichen Geschütze auf, er blendet das Video eines jüdischen Journalisten ein, der von seinen im Holocaust getöteten Familienangehörigen spricht, und Fuentes tut es einfach ab. Es interessiere ihn nicht, und seine Generation habe fertig mit dem „Pearl-clutching“, dieser moralinsauren Entrüstung. Der Hexenmeister sieht plötzlich seinen mächtigsten Zauberspruch völlig unwirksam. Was nun?

Auf die Antwort von Fuentes folgt eine anderthalbminütige Tirade von Piers Morgan, die schon in sich selbst seine Verzweiflung aufzeigt, den aufmüpfigen Bengel nicht in die Knie zu bekommen. Was das alles denn solle, was motiviere Fuentes, so etwas Schreckliches zu sagen, wie dass Hitler „really fucking cool“ sei, macht er es für Clicks, für Geld? Fuentes sagt schließlich: „Es ist für das hier.“

Es ist der Kernpunkt des ganzen Interviews, Nick Fuentes hat die größte nur erdenkliche Blasphemie ausgesprochen, er zieht über den Holocaust her und preist Hitler, jedoch nicht einmal vom Standpunkt eines Anhängers der NS-Ideologie, sondern rein aus der Gleichgültigkeit der Generation Z, aus der Trivialität von etwas, womit er sein Leben lang schon bombardiert wurde, bis es völlig bedeutungslos wurde. Ebenso, wie es mit all den Etikettierungen geschieht, an denen sich Morgan versucht, sei es „rassistisch“, „misogyn“ oder „antisemitisch“. Alle sind für ihn bedeutungslos.

Morgan tadelt Fuentes wie ein Vater seinen ungezogenen Sohn, doch anstatt sich zu schämen, schaut dieser nur feixend drein, und es ist nicht das aufgesetzte Feixen vom schlechten Pokerface eines im Parlament vorgeführten Politikers, sondern der wahrhaftige Ausdruck von jemandem, der dieselbe Leier schon hundert Mal gehört hat und auf den sie einfach keine Wirkung mehr hat. Man kann geradezu in Morgans Gesicht erkennen, wie er plötzlich realisiert, dass es alles nutzlos ist, dass er alle Register gezogen hat und Fuentes nicht bezwingen kann.

Es ist, als würde ein Fluch plötzlich gebrochen, als hätte sich Nick Fuentes von der unerträglichen Last dieser ständigen journalistischen Moralbigotterie, welche den Diskurs ausschalten, gleichschalten und auf Linie bringen soll, befreit; nicht etwa, indem er jenen Moralpredigten entgegenargumentiert, wie es manche versuchen und fast immer scheitern, sondern einfach, indem es ihn nicht tangiert, es ihm völlig gleichgültig ist und er keine Scham hat, dies auch kundzutun.

Dieses Interview wird nicht den öffentlichen Diskurs von heute auf morgen umkrempeln, aber es ist ein unverkennbares Zeichen für einen Paradigmenwechsel, weg von moralisierenden Dogmatismen und hin zu politisch inkorrekter Ehrlichkeit, offen verkündetem Selbstinteresse und klar anerkanntem Tribalismus auch außerhalb jener Gruppierungen, für welche dies als zulässig gilt. Es mag noch dauern, bis diese Strömung endgültig die Oberhand gewinnt, aber es zeigt, dass dieser Diskurs bereits unaufhaltsam wie eine Flutwelle auf diese alten und morschen Dogmen hinzurollt. Und es musste ausgerechnet Nick Fuentes sein.

2 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Viel Text für eine simple Botschaft: Die Schuldkultkeule wurde mittlerweile so ausufernd und sinnentleert eingesetzt daß ihre Schwinger längst nur noch mit dem morschen Stumpf wedeln statt beeindrucken.

    Die leichtgläubige Kernzielgruppe wird sich dennoch geraume Zeit vom Gewedel weiter verzaubern lassen, aber für den Rest ist schon heute klar: Die Gesinnungsblase hat ein Problem? Kann sie behalten, denn es ist deren ihres.

  2. So sehr ich mir das wünsche dass das der Normalfall ist, davon sind wir noch weit entfernt, vor allem in Deutschland. Nick kann sich das leisten so zu reagieren da er geld- und sozialtechnisch abgesichert ist. Wer in Deutschland nicht beim Thema Holocaust sofort in einem Monolog aus Hyperbeln der Boshaftigkeit und Grausamkeit explodiert wird sozial umgebracht.

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