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Akte Epstein – Trump, Bannon und Musk

4. Februar 2026
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Neben unzähligen Hollywoodstars und Politikern, deren kompromittierender Schriftverkehr mit Epstein kürzlich offengelegt wurde, sowie Bill Gates, der laut einer E-Mail Epsteins an sich selbst mit dessen Hilfe die „Folgen von Sex mit russischen Mädchen“ bewältigt sowie seiner Frau, der er entsprechende Medikamente heimlich verabreicht hatte, tauchen auch Trump, Musk und Steve Bannon in den Files auf.

Ersterer in E-Mails über Zeugenaussagen, denen zufolge er selbst Partys ausgerichtet habe, auf denen Mädchen missbraucht, getötet und anschließend auf seinem Golfkurs verscharrt wurden (die FBI-Agenten beschrieben diese Ausführungen selbst als unglaubwürdig), und er eine damals 13-Jährige zum Oralsex zwang. Letztere konnte allerdings gar nicht befragt werden, weil sie diese Aussage ohne Kontaktinformationen hinterließ, sprich: Das FBI weiß gar nicht, von wem die Anschuldigung stammt.

Bannon und Musk wiederum standen selbst im Austausch mit Epstein. Chatverläufe von Bannon legen eine beträchtliche Zusammenarbeit nahe. So wandte er sich mit der Bitte an Epstein, „seinen Mann“ Aaron Klein, der gerade in Israel gelandet sei, mit „Erhud“ (sic!) zu vernetzen, womit möglicherweise der ehemalige Ministerpräsident Ehud Barak gemeint ist. Aaron Klein managte anschließend mehrere Kampagnen für Netanjahu, im Wahlkampf 2020 war er laut Wikipedia sein „Chefstratege“.

Wenige Monate vor dessen Tod legt Bannon Epstein einen Plan zur Reinwaschung seines Namens vor: „Wir müssen das Pädo/Menschenhandel-Narrativ zerschmettern und dich wieder als Philanthropen zeichnen.“ Außerdem kommen Videodrehs in Epsteins Anwesen zur Sprache: „Freitag Medientraining bei dir. Zwei Kameras. Meine Crew wird verschwiegen sein.

In einem weiteren Chat bezeichnete Epstein Bannon als „Juden ehrenhalber, es heiße nicht länger „judeo-christian, sondern „nur noch judeo. Bannon antwortet mit: „Fühle mich geehrt. Ich werde das ‚christlich‘ in christlicher Zionist weglassen. Der „USA Today“-Journalist Michael Wolff scheint Epsteins Auffassung nicht zu teilen. Er schickte Epstein 2017 einen Artikel über den Rausschmiss Bannons aus Trumps Nationalem Sicherheitsrat. Dazu schrieb er: „Krieg zwischen den Juden und den Nichtjuden. Momentan gewinnen die Juden. Wolff ist selbst ebenfalls jüdisch.

Folgendermaßen beschrieb Epstein 2018 selbst seinen Austausch mit rechten Politikern und Journalisten:

„Ich habe in die Runde gefragt: ‚Warum seid ihr Rechten so antisemitisch?‘ Einer antwortete: Historisch wissen wir alle, dass Juden hinter den Regierungen die Fäden gezogen haben. Ich fragte: Wer zum Beispiel?, und einer zeigte auf mich, und sie brachen in lautes Gelächter aus. ICH?!! Und ein Typ sagte: Wie willst du uns erklären, dass dich innerhalb von nur drei Tagen Prinzen, Prime- und andere Minister sowie Abgesandte plus zwei Präsidenten von Weltmächten besuchen kommen? Schuldig! So lustig. Wünschte, du wärst dabei gewesen.“

Musk wiederum scheint zu autistisch, um die euphemistischen Offerten Epsteins zu verstehen. Ein Austausch aus dem September 2013:

Epstein: „Hast du schon Pläne für New York? Bei der Eröffnung der Generalversammlung der UN kommen viele interessante Leute in mein Haus.

Musk: „Ich leite das Produktdesign und die Ingenieure von zwei komplizierten Firmen. Darüber hinaus wird SpaceX bald die vermutlich fortgeschrittenste Rakete der Geschichte testen. Nach New York zu fliegen, um UN-Diplomaten dabei zuzuschauen, wie sie nichts machen, wäre Zeitverschwendung.

Epstein: „Denkst du, ich bin behindert? Nur ein Witz, niemand dort wird über 25 sein und sie sind alle sehr süß (‚cute‘).

Die erste Einladung auf Epsteins Insel beantwortete Musk Ende 2012 so:

„Hast du irgendwelche Partys geplant? Ich habe mich dieses Jahr um den Verstand gearbeitet und will, sobald meine Kinder nach Weihnachten nach Hause fahren, die Party-Szene in St. Barts oder woanders unsicher machen und die Sau rauslassen. Ich weiß die Einladung zu schätzen, aber ein friedlicher Inselurlaub ist wirklich das Gegenteil von dem, worauf ich gerade Bock habe.

Der belastendste E-Mail-Wechsel mit Musk fand im Dezember 2013 statt, also ein Jahr nach obiger Insel-Absage und gut drei Monate nach dem UN-Missverständnis. Musk spricht davon, über den Jahreswechsel in der Nähe von Epsteins Insel zu sein und vorbeikommen zu wollen. Musk schlägt den 02.01.2014 vor und fragt, wann er da sein soll, erhält aber keine weitere (bislang veröffentlichte) Antwort mehr. Es liegt lediglich die Mail der Epstein-Mitarbeiterin Lesley Groff vor, in der sie ihn an Silvester daran erinnert, dass Musk Interesse bekundet hatte, am 2. Januar zu kommen. Ob es zu einem Insel-Besuch kam oder nicht, ist unklar – genauso wie, ob Musk inzwischen wusste, was auf dieser Insel geschieht.

Das Netz der Spinne Epstein, deren Modus Operandi der Einflussgewinn auf wichtige Männer durch Verführung zu sexuellen Eskapaden war, berührt dem zum Trotz mit Sicherheit wichtige republikanische Politiker, Journalisten und Strategen. Alles andere würde ja voraussetzen, dass entweder Epstein – sowie seine Hintermänner – nur Interesse daran gehabt hätte, eine Seite der Politik zu infiltrieren, oder niemand Höheres mit rotem Parteiausweis Charakter-, Moral- und Integritäts-Defizite aufweisen würde, und das ist beides nicht der Fall.

Umso wichtiger, und das gilt hier genauso wie in Amerika, dass die Basis in ihren Kernüberzeugungen weltanschaulich möglichst gefestigt ist, anstatt nur einem Personenkult hinterherzurennen. Denn in Letzterem wurzelnde Überzeugungen könnten tatsächlich einfach von der nächsten Epstein-Veröffentlichung weggespült werden. Glücklicherweise, denkt man sich da, gibt es in der deutschen Politik kaum bis gar keine rechten Charismatiker, die sich dafür überhaupt eignen würden.

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