Das westfälische Münster ist – neben Osnabrück – als Treffpunkt der europäischen Diplomaten zur Aushandlung des Westfälischen Friedens, der den Dreißigjährigen Krieg beenden sollte, in die Geschichte eingegangen. Zuvor war sie das Zentrum des Täuferreiches von Münster, einer besonders irren und wirren Episode der radikalen Reformation, in der der „Täuferkönig“ Jan van Leiden die Wiederkunft Jesu auf Erden herbeizuführen versuchte. Und auch heute ist Münster eher als Hochburg von Endzeitideologien bekannt, als Hort der linksradikalen Studentenschaft und des Lastenfahrrad fahrenden Hafermilchbürgertums sowie als Hochburg der Grünen im Allgemeinen. Umso überraschender also, dass gerade aus Münster eine „White Pill“/„Weiße Pille“, also eine gute Nachricht in diesen turbulenten Zeiten, in die Welt geht, auch wenn sie im Vergleich zum Weltgeschehen natürlich klein und unbedeutend ist. Aber was war geschehen?
Im Mai 2025 entschied der Bezirksrat von Münster-Mitte, der momentan wenig überraschend aus einer linken Mehrheit besteht, dass einige Straßen umbenannt werden müssen. Konkret ging es um folgende: die Admiral-Spee-Straße, die Admiral-Scheer-Straße, die Otto-Weddigen-Straße, die Langemarck- und die Skagerrakstraße. Laut WDR begründeten die Politiker ihre Entscheidung wie folgt:
„Personen und Orte hätten Bezüge zur NS-Zeit. […] Straßennamen seien Ehrungen, die Personen und Orte seien von den Nazis als Propaganda für den kommenden Krieg benannt worden. Das so bestehen zu lassen, damit unterstütze man falsches Heldentum.“
Es ist wahr, dass die Namen der besagten Straßen in der Zeit des Dritten Reiches vergeben wurden, und doch scheinen die Männer und Orte, nach denen sie benannt wurden, den meisten kaum noch bekannt zu sein. Sie alle haben einen Bezug zum Ersten Weltkrieg. Die Skagerrakstraße etwa wurde nach der gleichnamigen Schlacht benannt, in der die deutsche Hochseeflotte im Jahre 1916 einen taktischen Sieg gegen die Royal Navy erringen konnte, ohne jedoch die strategische Situation, allen voran die (übrigens völkerrechtswidrige) Blockade der Nordsee durch die Briten, aufzuheben. Kommandiert wurde die deutsche Flotte vom Admiral Reinhard Scheer, nach dem ebenfalls eine der Straßen benannt ist.
Langemarck ist ein Ort in der Nähe der belgischen Stadt Ypern, an dem am 10. November 1914 junge deutsche Soldaten mit dem Deutschlandlied auf den Lippen eine britische Stellung angriffen – unter hohen Verlusten. Für die einen ein Mythos, eine Verklärung, für die anderen ein Sinnbild für Heldenmut und ‑tod. Selbst unter der Bedingung, beide Sichtweisen als gleichwertig zu akzeptieren: Für eine Umbenennung der Straße spricht nichts außer einer gewissen Selbstverachtung.
Und schließlich gibt es noch die Admiral-Spee-Straße, benannt nach Maximilian von Spee, dem Kommandanten des Ostasiengeschwaders der deutschen Marine. Er machte sich mit seinem Sieg über ein britisches Geschwader beim Seegefecht bei Coronel einen Namen, jedoch wurde sein Verband bei den Falklandinseln am 8. Dezember 1914 komplett aufgerieben, wobei er samt seinen beiden Söhnen den Tod fand.
Zu guter Letzt ist da noch Otto Weddigen, einer der erfolgreichsten deutschen U-Boot-Kommandanten des Ersten Weltkrieges, der ebenfalls wie Spee mit seinem Schiff unterging. Allesamt also Orte und Personen, die man kennen kann und sollte und deren Tilgung aus dem öffentlichen Leben einer deutschen Großstadt nur ein weiterer Schritt zur Tilgung einer ganzen nationalen Identität ist.
Es verwundert doch ein wenig, dass sich nach dem Bekanntwerden der Pläne zur Umbenennung der Straßen Widerstand in Form einer Bürgerinitiative bildete. Schließlich müssen es ja zum Teil dieselben Leute sein, die diese Bezirksvertretung, auf deren Mist der ganze Spaß gewachsen ist, überhaupt erst gewählt haben. Und es sollte auch nicht verwundern, dass die Begründung zur Beibehaltung der Straßennamen auch nicht ganz ohne Krux ist:
„Sie argumentierten damit, dass die Namen aus dem 1. Weltkrieg stammten und von den Nationalsozialisten instrumentalisiert worden seien. Statt die Schilder zu ändern, wären Erklärtafeln sinnvoller – also einen begehbaren Geschichtsort zu schaffen.“
Das klingt alles mal wieder so unendlich weich – innerlich kuscht man eben doch vor dem linken Zeitgeist. Aber immerhin: Die Initiative hatte Erfolg, die Namen bleiben: Es kam zu einem Bürgerentscheid, bei dem 52,4 Prozent der Wähler sich für die Beibehaltung entschieden. Eine knappe Sache und vermutlich auch ein Ergebnis, das durch die geringe Wahlbeteiligung ermöglicht wurde – gerade mal ein Drittel der Wahlberechtigten gingen auch zur Wahl, und hätten sich viel mehr Linke für die Straßennamen interessiert, wäre das Ergebnis vielleicht auch ein anderes. Von der Warte aus gesehen ist es vermutlich gar nicht mal so schlecht, dass viele Linke kein Gespür mehr für die eigene Geschichte haben – und somit manche Dinge doch unberührt lassen.

Mit weit verbreitetem Geschichtswissen gäbe es womöglich keine einzige Altpartei mehr aufgrund vermuteter Ähnlichkeiten!
In Münster wurde vor einigen Jahren bereits ein zentraler Platz – der Hindenburgplatz – umbenannt. Eine Bürgerinitiative dagegen scheiterte. Und der Bürgermeister war damals noch von der CDU. Von ihm und seiner Partei kam kaum Widerstand gegen diese Form der Bilderstürmerei.