0

AfD – Die Schonfrist ist vorbei

27. Februar 2026
in 3 min lesen

Wahlplakat neben Wahlplakat erinnert den unbescholtenen Deutschen daran, dass dieses Jahr gleich mehrere Landtags- und Kommunalwahlen anstehen. Auf einer Werbefläche in der Nähe meines Büros wurde allein die Werbung der AfD heruntergerissen. Die hellblauen Papierfetzen bilden inmitten der unbeschädigten und sauber aneinandergereihten Poster der sozialdemokratischen Parteien einen Kontrast, der viel aussagt über die Stimmung in diesem Land. Vor einigen Jahren hätte ich mich über diesen widerwärtigen und für die „demokratische Zivilgesellschaft“ so bezeichnenden Vandalismus aufgeregt. Nun aber betrachte ich diese Plakatwand, diese immerselben Parolen auf rotem, weißem, gelbem oder grünem Grund und denke mir, dass irgendein randalierender Penner da draußen der AfD einen großen Gefallen getan hat.

Die umstrittenste, am stärksten bekämpfte und dabei immer noch erfolgreichste Rechtspartei der deutschen Nachkriegsgeschichte steht auf Bundesebene laut Umfragen bei etwa 25 Prozent. Dass es nicht 30, 40 oder 50 Prozent sind, liegt weder am Verleumdungsorchester des sozialdemokratischen Parteienstaates – auch wenn man sich das innerhalb der AfD versichern mag –, noch liegt es an einer kollektiven Amnesie des deutschen Durchschnittsboomers. Ja, 42,5 Prozent der deutschen Wähler sind älter als 60, insgesamt sind 59 Prozent der deutschen Wähler über 50, aber auch das allein kann keine Erklärung – und schon gar keine Entschuldigung! – für systemische Probleme innerhalb der AfD sein.

Das offensichtlichste und von uns als KRAUTZONE wohl am häufigsten monierte Versäumnis der Rechtspartei ist die unsäglich schlechte Außendarstellung. Nach sage und schreibe 13 Jahren hat es die AfD nicht geschafft, ihr Logo, ihre Bildsprache oder ihren Internetauftritt zu professionalisieren. Wenn ich zuvor schrieb, dass ein abgerissenes Plakat das Beste ist, was der AfD passieren kann, dann meine ich genau das: Alles, was bisher an Wahlkampfmaterial zu sehen ist, hat den Charme eines Discounters und widert mich instinktiv an. Billige, kalte Farben, billige Slogans, billige Stockbilder. Aus meinem Briefkasten fischte ich neulich halb ungläubig, halb entsetzt einen Flyer, auf dem sich eine Handvoll AfD-Kandidaten präsentierte. Unrasierte, faltige Gesichter, Bierbäuche, Pullover mit Reißverschluss. Die wenigen jungen Kandidaten trugen Hemden und ordentliche Haarschnitte – statt sie auf die vorderste Seite und in die erste Reihe zu stellen, gingen sie in der Masse der Camp-David-Brigade unter.

Man sagt dem durchschnittlichen Deutschen ja nicht ganz zu Unrecht nach, sich optisch und modisch etwa im Vergleich zu den Franzosen (also den echten, denen mit Baguette und Schnurrbart) gehen zu lassen. Das ist kein dummes Vorurteil, es stimmt. Ich schiebe das, wie eigentlich alles Schlechte, auf die elendige Sozialdemokratisierung, die sich hier nach dem Ende des Ersten Weltkriegs Bahn gebrochen hat. Wer mit Formblatt A38 (Artikel 109 WRV) den Adel abschafft und seine Verfassung liebevoll „FDGO“ betitelt, der hält alles über dem Mittelmaß für verdächtig. Dass sich aber die wichtigste, weil im Moment einzige rechte Partei diesem Sozialdemokratismus unterwirft, statt ihn inhärent abzulehnen, ist die schwarze Pille für alle jene, die sich einen wirklichen Wandel und tiefgreifende Reformen für unser Land erhoffen.

Ein beherzter Vorstoß, ein Blick nach Frankreich, ein Team von Werbefachleuten, und AfD-Plakate könnten so aussehen statt so. Französische Rechtsparteien setzen offensiv und selbstverständlich auf ein junges und attraktives Erscheinungsbild. Mein über alles geliebter Fernsehsender Arte (Achtung, Ironie!) begleitete junge Mitglieder des Rassemblement National.

Man beachte den „Vibe“, die Stimmung während der Wahlkampfveranstaltungen!

Das hier…

… war der „große Wahlkampfauftakt“ der AfD letztes Jahr in Halle. Das, werter Leser, ist „Politslop“. Man achte vor allem auf die musikalische Untermalung in den Pausen – man sieht und hört so etwas und fragt sich, ob das nicht eine Psyop des Verfassungsschutzes sein könnte.

Der ein oder andere Leser mag mir das jetzt alles sehr übel nehmen, aber wir müssen uns über die Entwicklung und die Perspektiven der AfD ehrlich machen. Eine Partei, die mit schielendem Blick auf eine mögliche Koalition mit der CDU nicht nur ihre programmatischen Ziele aufgibt, sondern sich auch von wichtigen Akteuren innerhalb und außerhalb der eigenen Organisation distanziert, ist die Stimme nicht wert.

In England lernt das gerade die entkernte Rechtspartei von Nigel Farage, denn mit Rupert Lowes neuer Partei „Restore Britain“ ist ein Konkurrent aus dem Schatten getreten, der nicht nur das alte und überkommene System herausfordert, sondern auch die falschen Propheten einer angeblichen Alternative.

Parteien sind kein Selbstzweck, sie sind Mittel zum Zweck. Ihre Funktionäre wollen das vielleicht nicht wahrhaben, aber sie sind ersetzbar. Deutschland hingegen ist das nicht. Eine Partei, die alles für unser Land geben will, muss die bestmöglichste Außendarstellung bieten. Entweder sie schafft das, oder sie ist weg vom Fenster.

9 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. ‚Nach sage und schreibe 13 Jahren hat es die AfD nicht geschafft, ihr Logo, ihre Bildsprache oder ihren Internetauftritt zu professionalisieren.‘

    Es gibt Richtlinien und Regeln— ABER bei den ganzen Personaldurchlauf (Mitglieder die nicht mehr aktiv mitarbeiten oder gleich ganz austreten [weil Beisitzer im KV Stenkelfeld eine andere Meinung zum Israel Konflikt hat, als die eigene.] Vs Neumitglieder die falsche Vorstellung von Arbeit und Engagement haben [IHR müsst, IHR solltet, könnt IHR, … Beschlussfassung und Satzung und GO sind eh egal])— ist das mit dem Leben von professioneller Arbeit leider ziemlich schwierig wenn man regelmäßig unregelmäßig zurück auf Los geschmissen wird.
    Und die die sich dann doch noch, entgegen aller gesellschaftlicher Repression, engagieren will man im guten Willen nicht direkt disziplinieren um sie nicht zu vergraulen.
    Auch wenn es für das ‚Vorfeld‘ manchmal schwer vorstellbar ist, in der AfD ist Top-Down nicht so verbreitet wie vllt angenommen wird.

    • Ich sehe die beschriebenen Probleme nicht als Hindernis für einen professionellen Wahlkampf. Wer oder was hindert die Bundesspitze daran ein kompetentes Medienteam aufzustellen, eine fähige Marketingfirma zu engagieren und den Landesverbänden klare Richtlinien zu vorzugeben?

    • @Friedrich Fechter:
      Niemand, wird ja teilweise auch gemacht. Aber wie es ja schon geschrieben habe. Richtlinien kann man haben, und wie bekommt man dazu das sich die Leute daran zu halten haben? Tja, und das ist eines der Probleme bei dem Verein zu dem ich ja auch gehöre

  2. Offensichtlich ist man auch bei der Krautzone mittlerweile so tief gesunken nur noch Polemik nach Äußerlichkeiten und gegen vermeintlich andere (Senioren, also wohl alle über 30) zu verbreiten und vom kuscheligen Sessel aus im Stile der Küchentischakademie denen die tatsächlich etwas bewegen wollen besserwisserische Ratschläge erteilen zu wollen.

    Wie wäre es denn wenn auch in den Reihen der seit Jahren einzigen relevanten Opposition alle geschniegelt und auf Linie getrimmt sind wie ein Amthor? Oder gar wie ein Annalenchen-hüpft-die-Haare-schön?

    Insbesondere im besonders Weidel- und Westdeutschland-geprägten Südwesten geht die Entwicklung bereits stark dort hin, und wo da unter der polierten Fassade noch Platz für wirklich frischen Wind ist sieht man im Umgang mit dem Parteinachwuchs der früheren JA, heute GD. Über dieses wirklich ernsthafte Problem steht aber kein Wort im Text.

    Das französische Plakat sieht übrigens aus wie ein Klischeebild von einem überfrommen Betverein. Besser? Für die letzten noch nicht ausgestorbenen einheimischen Gläubigen bestimmt.

    Daß die Plakate schon seit der letzten Buntestagswahl utnerirdisch sind stimmt allerdings schon, die Zeiten von knackigen Sprüchen wie „Burgunder statt Burka“ und handfesten Themen sind wohl vorbei, stattdessen nur Phrasen die genausogut auf jedem anderen Altparteiplakat stehen könnten.

    • „Über dieses wirklich ernsthafte Problem steht aber kein Wort im Text.“
      Einfach nochmal den Artikel in Ruhe durchlesen und jeden Link anklicken, viel Spaß.

  3. Boomereskes Cringe-Design ist ärgerlich und dürfte vor allem jüngere, ästhetisch anspruchsvolle Milieus abschrecken.
    Neben den innerparteilichen Herausforderungen, die mein Vorredner Abcschtze ansprach, besteht ein weiterer struktureller Hemmfaktor, welcher die Professionalisierung behindert: die anhaltende Stigmatisierung der Alternative für Deutschland durch den polit-medialen Komplex.

    Ein Wahlkampfteam ist nicht nur auf fachlich qualifizierte, sondern auch auf kooperations- und risikobereite Agenturen angewiesen. Wird der Firmenname eines Designbüros öffentlich mit der Partei in Verbindung gebracht, stehen am nächsten Tag möglicherweise schon die Sturmtruppen der Antifa vor der Tür, um UnsereDemokratie™ zu retten. Gleichzeitig droht der Verlust von Folgeaufträgen aus dem Mainstream-Segment.

    Ein Vergleich bietet sich mit internationalen Sanktionsregimen gegen Staaten wie Iran, Venezuela oder Russland: Wenn ich mich als Konzern entscheide, entgegen den von den USA verhängten Sanktionen mit diesen Ländern zu handeln, riskiere ich unweigerlich das US-Geschäft. Die Unternehmensführung entscheidet sich „freiwillig“, diesen Sanktionen zu folgen und auf diesen kleineren sanktionierten Marktanteil zu verzichten. Es handelt sich um ein Machtgefälle, das faktisch marktverzerrende Effekte erzeugt und unternehmerische Entscheidungsfreiheit einschränkt.

    Auf das von Fechter angesprochene Dilemma einer professionellen Außendarstellung übertragen bedeutet das: Wir brauchen eine stabile Struktur professioneller Dienstleister, die keine Angst vor Kontaktschuld-Vorwürfen haben, nur weil sie mit patriotischen Auftraggebern zusammenarbeiten. Hier spielt auch das – seltene, jedoch gravierende – Phänomen des Debanking eine Rolle, Sellner lässt grüßen.
    Parallel dazu bedarf es einer langfristigen Normalisierung der öffentlichen Wahrnehmung der Partei und ihres politischen Vorfelds. Ein solcher Prozess wird kaum institutionell initiiert werden, sondern muss im privaten Umfeld durch Bekenntnisse zu patriotischen und konservativen Werten erfolgen.

    Designprobleme und politische Ästhetik sind am Ende nur die symptomatischen Ausprägungen eines größeren Problems: einer medial und gesellschaftlich nahezu monopolisierten Deutungs- und Sanktionsmacht, die etablierten Wettbewerbsregeln Hohn spricht.

    • Das ist es ja: Es gibt mittlerweile längst dezidiert rechte/kooperationsbereite Agenturen und Freelancer, die diese Arbeit abliefern würden. Davon abgesehen wäre es auch keine große Sache jene ausländischen Agenturen zu beauftragen, die beispielsweise für RN die Werbung erstellen. Vor 5 Jahren mag das noch anders ausgesehen haben, jetzt aber gibt es keine Ausreden mehr.

Comments are closed.

ABOS

Bücher

SPIELE