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Fernandes und HateAid – Eine schmierige Psyop

24. März 2026
in 3 min lesen

Seit Ende letzten Jahres sucht die CDU händeringend einen Weg, gesichtswahrend eine Klarnamenpflicht durchzudrücken. „Gesichtswahrend“ soll so viel heißen wie: Man will den Eindruck vermeiden, in puncto autoritäre Meinungsklima-Regulierung des Internets den vorgeblichen Gegenspielern aus der linksgrünen Ecke wenig nachzustehen.

Der erste Versuch sah so aus, dass man sie mit einer Altersgrenze für Social Media bündeln wollte, durch die Hintertür des Jugendschutzes also. Dieser Versuch scheiterte auf dem Parteitag im Februar, wo zwar eine Ausweispflicht ins Programm übernommen wurde, die Klarnamenfrage aber „zurück an die Fraktion übergeben“ werden musste. In einem letzten Vorstoß buchstabierte Merz den tatsächlichen Zweck davon sogar explizit aus: Kritische politische Kommentatoren gläsern machen und damit einschüchtern.

Der zweite Vorstoß nimmt gerade die Form einer emotionalisierten linksgrünen Kampagne an, die der CDU in der öffentlichen Wahrnehmung die Hände binden soll: Der „virtuelle Fall Pelicot“, wie die „Bild“ titelte. Es handelt sich dabei um eine Neuauflage des KI-Porno-Vorstoßes um Collien Fernandes, an dem das ZDF sich schon 2024 versucht hatte. Damals war die Existenz von Deepfake-Sexvideos der Moderatorin und Playboy-Darstellerin im Netz der Aufhänger und das Ganze krepierte im Rohr.

Die „Besetzung“ des jetzigen Skandals ist größtenteils dieselbe: Sie als das geschundene Opfer. HateAid-Geschäftsführerin Josephine Ballon damals als zentrale Expertin in der Doku…

… und heute in der „Tagesschau“.

https://twitter.com/FrankenDemo/status/2035112713631015341

Am kuriosesten: Medienrechts-Staranwalt Christian Schertz 2024 im ZDF als juristischer Kronzeuge…

https://twitter.com/dregenus/status/2034993120333459534

… der sich pathetisch darüber ausließ, wie ungeschoren die Täter häufig mit solchen „medialen Vergewaltigungen“ (sic!) davonkämen, und heute als Anwalt… des Täters.

Denn ja, es gibt jetzt einen Täter. Nicht, was die Deepfake-Videos angeht, die werden in die Neuauflage nur ohne direkten Bezug noch mal mit verwurstet. Weihnachten 2024, so das große „Spiegel“-Exposé vom Donnerstag, gestand Fernandes’ damaliger Mann Christian Ulmen ihr ein perverses Hobby: Er habe sich auf LinkedIn als sie ausgegeben und sexuelle Online-Beziehungen mit fremden Männern begonnen.

Diesen schickte er Nacktfotos und Pornos, deren Darstellerinnen ihr ähnlich sahen (keine Deepfakes, der ursprüngliche Artikel trennt diese Themen), und tauschte sexuelle Nachrichten mit ihnen aus, die in mehreren Fällen in „Telefonsex“ mündeten. Wie genau er Letzteren bewerkstelligte, wird nicht näher ausgeführt. Die Rede ist lediglich davon, dass die Stimme, die dabei zum Einsatz kam, einem der Männer heller als die von Fernandes im Fernsehen erschien.

Um den Zeitstrahl zu verdeutlichen: Weihnachten 2024 beichtete Ulmen ihr alles. Sie lebte allerdings noch ein gutes halbes Jahr weiter mit ihm zusammen, bis sie im Juli 2025 zu ihrer Schauspielkollegin Emily Cox zog. Anlass dieses Auszugs waren Äußerungen wie „‚Willst du DAS wirklich anziehen?‘ und solche Sachen“, so Fernandes damals.

Ende 2025, also ein Jahr nach dem Geständnis, erstattete sie laut „Spiegel“ in Spanien Strafanzeige wegen Ulmens LinkedIn-Perversionen. Im selben Zeitraum wird offenkundig auch HateAid ins Boot geholt: Wie Mitbegründerin Anna-Lena von Hodenberg am Freitag im „RTL Nachtjournal“ bekundete, weiß man dort schon „seit Monaten“ davon.

Zum gleichen Zeitpunkt pflichteten mit Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg und Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt zwei prominente CDU-Politiker dem Vorstoß des ehemaligen Verfassungsgerichtspräsidenten Andreas Voßkuhle bei, eine Klarnamenpflicht einzuführen. Die Meinungsfreiheit ende dort, wo „demokratische Prozesse beschädigt werden“, so Voigt.

Fernandes ist tief in staatsnahe NGO-Kreise eingebunden und gibt seit Kurzem sogar ihr Gesicht für einen her: Für Correctiv moderierte sie Anfang März „Fun Facts“. Dass die Geschichte ihres derangierten Ex, aufgepeppt mit den alten Deepfake-Pornos, ihren NGO-Freunden hinter den Kulissen als geeigneter emotionaler Türöffner für eine Klarnamenpflicht erschienen sein könnte, drängt sich als Erklärung für die seltsame Ereignisabfolge geradezu auf.

Wieso wartete sie mit der Anzeige (und zeitgleichen HateAid-Benachrichtigung) ein Jahr, von dem sie die Hälfte auch noch weiter mit Ulmen zusammenlebte? Genau so lange, bis es politisches Kapital daraus zu schlagen gab? Wieso vertritt der Anwalt, der sich Ende 2024 im ZDF anlässlich ihrer KI-Pornos noch über die juristische Milde gegenüber solchen „Vergewaltigern“ echauffierte, jetzt den Täter des „digitalen Falls Pelicot“?

Klar ist: Was wir jetzt beobachten, geschieht nicht spontan, sondern strategisch durchgeplant. Sechs Tage vor der „Spiegel“-Story trat Fernandes in der WDR-Talkshow „Kölner Treff“ auf, wo sie die Bombe von Ulmens Geständnis noch nicht platzen ließ, aber schon mal eine Identifikationspflicht im Netz forderte, „denn dann wäre das ja gar nicht passiert“. Drei Tage nach dem Artikel fand am Sonntag eine Großdemo „gegen digitale Gewalt“ in Berlin statt, organisiert von „Fridays For Future“-Gesicht Kira Bönisch, die für die Soros- und EU-finanzierte Maecenata Stiftung arbeitet.

Auf dieser Demo, die von der gesamten deutschen Presselandschaft von linksradikal bis liberal (zum Beispiel Axel Springer, „FAZ“, „taz“, ntv und ÖRR) beworben wurde, sprachen Ballon von HateAids und Luisa Neubauer, Musiker wie Soffie („Für immer Frühling“) traten auf, im Publikum standen Politiker wie Ricarda Lang und Saskia Esken. Nur Fernandes selber blieb fern.

Die CDU ist unterdessen schon eifrig dabei, sich von diesem geballten Druck „erpressen“ zu lassen, genau das zu tun, was sie seit Monaten tun will: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther gleich einen Tag nach dem „Spiegel“-Artikel: „Deshalb braucht es jetzt die Klarnamenpflicht.“

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