Ich habe Irland mal wieder einen Besuch abgestattet. Über den geistig-kulturellen Zustand der „grünen Insel“ hatte ich bereits vor drei Jahren berichtet, und leider hat sich an der Tendenz – so wie ich es in den letzten Tagen mitbekommen habe – nicht viel geändert. Der einzige Unterschied sind die seit der Eskalation des Gaza-Krieges Ende 2023 weithin und fast überall öffentlich wehenden Pali-Flaggen.
Die Sympathie vieler Iren für die Sache der Palästinenser ergibt sich aus der von vielen gezogenen historischen Parallele, dass sich die Iren einst gegen (englisch-protestantischen) Siedlerkolonialismus wehren mussten – wie nun die Palis gegen den der Israelis. Aber das soll heute gar nicht im Fokus stehen; vielmehr waren es Kampagnenplakate in der Innenstadt, die mir ins Auge stachen: „Free Press – Protect what matters“, war dort zu lesen – „Freie Presse – Schützen, was uns wichtig ist“, lautet die deutsche Variante.
Dieses Plakat begegnete mir, meist in elektronischer Form, so oft, dass es mir wirklich auf die Nerven ging. Man sollte es also wirklich einprogrammiert bekommen: Wir, die EU, beschützen die „freie Presse“ – was auch immer das heißen mag. Also, ich weiß eigentlich ganz genau, was das heißt. Ich dürfte eben nur andere Vorstellungen als der durchschnittliche EU-Bürokrat von diesem Wort haben.
In Deutschland ist mir diese Kampagne bisher noch nicht aufgefallen, was wohl damit im Zusammenhang stehen müsste, dass ich mich hier nicht sehr häufig in Großstädten aufhalte – wofür ich sehr, sehr dankbar bin, ja, ich kann meine Dankbarkeit kaum in Worte fassen –, während ich bei meinem Irlandaufenthalt fast täglich durch die zweitgrößte Stadt des Landes, das im Süden der Insel liegende Cork, gestiefelt bin. Doch welchen konkreten Anlass gibt es für die Kampagne?
Offenbar war es der „Internationale Tag der Pressefreiheit“, der damit beworben werden sollte. Falls Sie es nicht wussten (was Sie sicherlich nicht tun): Der Tag der Pressefreiheit wird am 3. Mai gefeiert – das heißt, er wurde von der UN in den Neunzigern auf diesen Tag gelegt. Anlässlich dessen startete die EU bereits am 20. April die Kampagne.
Welch eine Farce das alles ist, dürfte den meisten EU-Bürokraten nicht einmal bewusst sein. Wie absurd der Anspruch ist, die „freie Presse“ zu beschützen, während im größten und wichtigsten EU-Mitgliedsstaat ein Journalist verurteilt wurde, weil er eine führende Politikerin in einem Satirebeitrag den Satz sagen ließ: „Ich hasse die Meinungsfreiheit“ – der Fall David Bendels, man erinnere sich.
Dass es eben kaum ein Interesse an einer freien, wohl aber an einer dem EU-Managerialismus wohlgesonnenen (und wohlfeilen) Presse gibt, ist ein ebenso offenes Geheimnis wie die Tatsache, dass unliebsame Presseorgane, wenn nicht sabotiert, dann wohl aber diffamiert werden. Klar, Journalisten werden nicht verprügelt, verhaftet oder Ähnliches, aber das ist eben auch nicht nötig. Die Repression in der EU funktioniert eben nicht mit direkter physischer Gewalt, sondern über eine Mischung aus recht heftigen juristischen Sticheleien (siehe der Fall Bendels) und einer psychischen Zermürbung des Gegners – damit ist sowohl die Beschallung mit Propaganda gemeint als auch die bewusste Zerstörung seiner gewohnten Umwelt, etwa in Form von Migration.
Die Abwesenheit physischer Gewalt macht den Akt der Rebellion zu einer lächerlichen Sache, zu einem vermeintlichen Kampf gegen Windmühlen, eben weil ja kein offensichtlicher Gewaltakt folgt. Gleichzeitig ermöglicht es den Doppeldenk der Herrschenden: Freie Presse wird propagiert, womit aber hauptsächlich Mainstream-Propaganda gemeint ist. Ein wahrlich kaum zu überwindender Zustand…

