Dass unser Vaterland und unsere Kultur im Niedergang begriffen sind, predigt nicht nur unsereins seit Jahren und Jahrzehnten, nein, es pfeifen die Spatzen regelrecht von den Dรคchern. Solch ein Verfall zeigt sich in Form von Kulturvergessenheit und โverwahrlosung, Traditionsverlust und demografischer รberformung auf der einen Seite, aber auch durch einen weiteren Aspekt: Raub. Die eigenen Schรคtze werden zur Beute einfallender Barbaren. Im Falle unserer Dekadenz findet der Raub in unsichtbarer, im Alltag kaum spรผrbarer Form statt โ nรคmlich als Sozialleistungen und andere staatliche Maรnahmen, mit denen unsere Gรคste, die nie wieder gehen sollen, gepudert werden โ, aber ab und zu werden wir auch auf direkte Weise ausgeraubt.
So geschah es 2019, als sich Mitglieder des Remmo-Clans, den es in den 80er-Jahren aus der Levante in die deutschen Lande trieb, an einigen Schรคtzen aus dem Grรผnen Gewรถlbe bedienten. Das Grรผne Gewรถlbe ist eine Museumssammlung im Dresdner Residenzschloss โ seinen Namen verdankt es den malachitgrรผnen Sรคulen โ, in der die Schatzkammer der Wettiner, des einst regierenden Fรผrstengeschlechts in Sachsen, ausgestellt wird. Entsprechend filmreif war der Raub: In den frรผhen Morgenstunden des 25. November 2019 brachen die Tรคter in das Grรผne Gewรถlbe ein, nachdem sie am Vortag das Stahlgitter an ihrem Einstiegsfenster prรคpariert hatten, gingen dann zielgerichtet in das Juwelenzimmer und entwendeten dort allerlei Schmuck im Wert von รผber 113,8 Millionen Euro.
Hรถrt sich nach viel an, ist es auch. Aber der Wert in Euro ist vรถllig egal und bedeutungslos. Was entscheidend ist, ist nicht das, was die Versicherung zahlen wรผrde, sondern der intrinsische Wert des Diebesgutes, also sein Wert an sich. Diese Kerle haben eben nicht eine alte Dame aus der Oberschicht รผberfallen โ was ja schon dreist genug wรคre โ, sondern haben sich an unserem kulturellen Erbe bereichert. Das war nicht einfach ein spektakulรคrer Raub wie im Actionfilm, das war gleichzeitig auch ein Angriff auf die abendlรคndische Kultur an sich. Dass das รผberhaupt passieren konnte, mรผsste in den Leuten viel mehr Empรถrung und beim Staat die hรถchste Alarmstufe auslรถsen. Natรผrlich, man hat die Tรคter gefunden, festgenommen und angeklagt, aber das Ganze dauerte ewig โ und am Dienstag wurde in Dresden das Urteil gefรคllt: Alle Tรคter werden ohne Hab und Gut in den Libanon abgeschoben und erhalten lebenslanges Einreiseverbot in die Bundesrepublik.
Spaร! Natรผrlich nicht. Das wรคre ja auch eine effektive, dem deutschen Volke nicht schadende Lรถsung. Eine solche kann man der postmerkelschen Justiz auf keinen Fall zutrauen, wo kรคmen wir denn da hin? Tatsรคchlich war die Hรถchststrafe in dem Urteil sechs Jahre und drei Monate โ die Staatsanwaltschaft forderte sechs Jahre und acht Monate… Und da die armen Gentlemen schon รผber zwei Jahre in U-Haft verbรผรen mussten โ och welch ein Graus! โ, bekamen sie auch noch eine Strafmilderung. Zudem haben sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung laut โBildโ auf folgenden Deal geeinigt: โEin Teil [ein Teil?! Ein Teil!!] des gestohlenen Schmucks wird zurรผckgegeben, dafรผr kassieren die Angeklagten festgelegte Hรถchststrafen, zudem bekommen sie Haftverschonung mit Verkรผndung des Urteils, da sie bereits seit bis zu zweieinhalb Jahre in U-Haft sitzen. Die Haft kรถnnen sie spรคter in Wohnortnรคhe antreten und verbรผรen.โ

Die Herrschaft des Volkes
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Glauben die Leute in der Justiz wirklich, dass sie damit den Tรคtern eine Lehre erteilt, geschweige denn Recht gesprochen haben? Am besten drรผckte dies Rabieh Remo, einer der Hauptangeklagten, aus: Er lรคchelte vor Schadenfreude (und vermutlich auch vor Unglauben) รผber die Milde des Urteils. Diese Leute nehmen den โRechtsstaatโ nicht ernst โ sie lachen ihn aus. Und das wird der Staat โ und damit auch wir โ noch in viel schlimmerer Form zu spรผren bekommen.
Die Urteilsverkรผndung legt derweil ein weiteres Symptom des Niedergangs offen: die Profanitรคt des Eigenen. Das Profane โ das meint in unserem Sprachgebrauch in erste Linie das Weltliche, das nicht Religiรถse, das nicht Heilige. Aber ich mรถchte an dieser Stelle den Ursprung dieses Wortes darlegen: โprofanusโ (lateinisch fรผr: โunheiligโ, โungeweihtโ) kommt vom Verb โprofanareโ, was so viel wie โentweihen, (einen Kultgegenstand) schรคndenโ bedeutet. Alles wurde im Zuge der philosophischen Entwicklung der letzten Jahrhunderte โ beginnend mit der Aufklรคrung โ verweltlicht und entweiht, eben profan gemacht. Etwas Heiliges gibt es nicht mehr, und wenn, dann nur in Bezug auf die Ereignisse des letzten Weltkrieges oder irgendwelcher Minderheiten โ weltliche Dinge also, die keine Heiligkeit verdienen. โNunโ, wird der geneigte Leser meinen, โirgendwelche sรคchsischen Edelsteine sind doch auch nur weltlicher Kram, also was soll das?โ Gewiss, ja. Aber es geht hier ums Prinzip.
Bald werden nicht nur Edelsteine geraubt, sondern Kirchen geschรคndet und unser kulturelles Erbe zunichtegemacht. Die Barbaren vor den Toren (beziehungsweise innerhalb der Tore) wird man nicht aufhalten, indem man sie fรผr sechs Jahre in der Zelle streichelt. Leute wie die vom Remmo-Clan verstehen nur Hรคrte. Das wissen wir, das wissen sie, und vielleicht weiร das auch unsere Justiz. Sie nimmt das aber nicht ernst, und daher werden die Barbaren uns auch auf der Nase herumtanzen. Das kommt davon, wenn einem nichts mehr heilig ist…

