Das „Andern“ der Anderen

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Ich habe einen neuen Weg gefunden, woke Journalisten auf Twitter zu ärgern: Ich „andere“ sie.

https://twitter.com/shlomo96/status/1697975259649978855

Naika Foroutan, der Migrationsforscherin von der Humboldt-Universität, die vorletzte Woche in einem „Focus“-Artikel klarstellte, unser Land „gehöre niemandem per se“, schrieb ich etwa:

https://twitter.com/shlomo96/status/1697961030347833797

Den Syrer, der 2021 für die Grünen in den Bundestag wollte und dort das Motto „Dem deutschen Volke“ durch „Jedem, der in Deutschland lebt“ ersetzen wollte, fragte ich Folgendes:

Und dann wäre da noch Mohamed Amjahid:

Das „Andern“ ist eine Ableitung aus dem Alltagsrassismus-Konzept „Othering“, welches freundlich gemeinte Bemerkungen in Anlehnung an jemandes nichtdeutsche Herkunft problematisiert. Kennenlernfragen wie „Wo kommst du ursprünglich her?“ oder Komplimente wie „Du sprichst aber gut Deutsch!“ fallen da genauso drunter wie mehr oder minder ausgedachte Grenzüberschreitungen à la „Darf ich mal deine Haare anfassen?“.

Solche Bemerkungen, so neulinkes Gedankengut, bekomme man als Nichtweißer tagtäglich zu hören und leide darunter, immer wieder vorgeblich freundlich darauf hingewiesen zu werden, dass man anders ist als die indigene Bevölkerung. Das „Andern“ ist eine Art ironisches Yes-Meme zu diesem Schema, das zum einen die Aussage auf die Schippe nimmt, unter der ersten Zeile des Schlumpf-Liedes würde irgendjemand ganz furchtbar leiden, und zum anderen die Behauptung, solche Bemerkungen dürfe man sich als Nichtweißer alle paar Minuten anhören, durch den Kakao zieht, indem man realitätsferne Grenzüberschreitungen wie die Bitte, den Exoten körperlich anfassen zu dürfen, mit harmlosen Interessensfragen mischt, welche in das „Othering“ ebenso reingemengt werden, um die Mikroaggressionen so niedrigschwellig beginnen zu lassen, dass sich auch die letzte doofe Kartoffel selber darin wiederfindet und schuldig fühlt.



Da es sich für jeden ohne fortgeschrittenen Hirnschaden dabei um absolut unbedenkliche Kommentare handelt, kann man so auch den melde- und anzeigefreudigsten Wokemigranten sinngemäß sagen, was man von ihrer Neurosenbewirtschaftung hält, ohne eine Sperrung oder Elektronikernte seitens der Staatsanwaltschaft zu riskieren. Sie selbst haben solche arglosen Bemerkungen zu feindseligen Affronts erklärt – die perfekte Gelegenheit, ihnen in harmloser Verpackung genau solche reinzuwürgen.

Gerade in einer Welt, in der Facebook-Boomer sich nach dem vierten Glas Wein oft nicht anders zu helfen wissen, als unter Klarnamen mit verzweifelten Umsturz- oder Gewaltfantasien oder auch nur geschmacklosen Wutkommentaren, die dann in irgendeiner Funk-Doku landen, die eigentliche Machtlosigkeit wegzucopen, könnte dieser leichtherzige Mittelfinger nützlich sein. Wichtig ist dabei, dass man es möglichst pappsüß und völlig affrontfrei hält – umso mehr ärgert es das Gegenüber von der Woko Haram, das in aller Regel ein Ego-Luftballon sein wird, der nur ein paar humorvolle Nadelstiche davon entfernt ist, zu platzen.

Im Agitationswettstreit bleibt ja auch kaum eine andere Möglichkeit: Härteste Herabwürdigungen und folgenschwere Feindmarkierungen von links sind an der Tagesordnung, ohne dass es dafür irgendwelche Sanktionen geben würde. Während Corona wurde unter Beweis gestellt, dass die buchstäblich gleichen Mittel wie Nazivergleiche andersherum vor einem Richter landen: Ein Demogänger wurde etwa für sein Transparent mit der Aufschrift „Impfen macht frei“ wegen Volksverhetzung verurteilt, weil der Spruch den Holocaust verharmlose, während das linke Spektrum die fünf vorangegangenen Jahre mit einer einzigen NS-Vergleichs-Party von allem und jedem verbracht hatte, der bei drei nicht auf der Willkommensdemo mitmarschierte.

Während Corona kam mir auch schon mal der Gedanke, man bräuchte eine Art Leitfaden psychologisch fieser, aber straffreier Äußerungen, die man etwa Beamten an den Kopf werfen könnte, welche drakonische Regeln vollstrecken. Das Problem ist: Gerade im Beleidigungs- und Verhetzungsstrafrecht sind die Regeln so schwammig, dass es am Ende stets von der Gesinnung des Richters abhängt, womit man davonkommt. Ein eliminatorischer Blinddarmvergleich, wie Bosetti ihn mit den Ungeimpften anstellte, hätte einen Querdenker mit Sicherheit Kopf und Kragen gekostet. Bei ihr kam es gar nicht erst zum Prozess, bereits die Staatsanwaltschaft winkte ab.

Und genau da kommt das Andern zum Strahlen: Während die Despektierlichkeit jedem Beteiligten klar ist, bewegt es sich sprachlich so weit unterhalb der Schwelle des Ahndbaren, dass Gerichte sich mit einer Verurteilung zum Gespött machen und die Tendenziosität des Justizsystems so deutlich unterstreichen würden, dass die Kosten den Nutzen überstiegen. Auch Löschalgorithmen, die überaus freundliche Kommentare in Anlehnung an jemandes Herkunft als Anfeindungen ausmachen könnten, ohne gleichzeitig linke Berufungen auf den Opferstatus als Nichtweißer mit zu erfassen, müssten erst einmal geschrieben werden. Ein sinnvoller Zeitvertreib für die ganze Familie also.