Das Mutterbild der “Tagesschau”

5 Min lesen

Die Welt, in der wir leben, wird bekanntlich von Woche zu Woche absurder. Besonders gut spiegelt dies die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wider, für den wir nach Wunschvorstellung der ARD künftig noch mehr, nämlich 25 Euronen, hinlegen sollen. Dafür bekommen wir ja schließlich auch Journalismus de luxe. Ebendas bewies kürzlich erst ein Artikel in der „Tagesschau“ über einen neuen Gesetzesentwurf der grünen Bundesfamilienministerin:

„Bundesfamilienministerin Lisa Paus will mit dem sogenannten Familienstartzeitgesetz eine gerechtere Verteilung der Kinderbetreuung und Hausarbeit stärken. Der Partner oder die Partnerin der entbindenden Person soll künftig zwei Wochen nach der Geburt freigestellt werden.“

Demnach sollen Väter, und ja, in meiner heteronormativen Weltsicht gehe ich von einer Familie bestehend aus Mutter, Vater und Kindern und nicht von Elternteil eins und zwei aus, nach der Geburt eines gemeinsamen Kindes eine zehntägige bezahlte Freistellung erhalten, um ihre Partnerin zu entlasten und bei der Betreuung des Neugeborenen zu unterstützen. An sich also eigentlich mal ein sinnvoller Vorschlag, nach all dem, was uns mit Wärmepumpen oder Selbstbestimmung in den letzten Wochen sonst so seitens der Regierung vorgesetzt wurde.

Interessant ist an dieser Stelle jedoch nicht etwa das Gesetz selbst, sondern eher die zwangsfinanzierte Berichterstattung über ebendieses. Im gesamten Artikel nämlich war weder die Rede von Müttern, noch von Frauen. Stattdessen wurden Mütter zu „entbindenden“ oder „gebärenden“ Personen, unmittelbar nachdem sie wohl das Magischste überhaupt vollbracht, nämlich einem neuen Menschen das Leben geschenkt haben. Die „Bild“-Zeitung fragte kurz darauf nach, ob dieser Terminus im Gesetzesentwurf vorkomme oder ob die ARD den Begriff eigenständig gewählt habe. Und siehe da, oh Wunder, oh Wunder, unsere GEZ-Gebühren bei der Arbeit enttäuschen uns womöglich nie. Die „entbindende Person, wie es in der „Tagesschau“ zu lesen war, stammte selbstverständlich aus der Feder eines ÖRR- Journalisten, um laut Aussage der „Tagesschau“ niemanden zu diskriminieren.


Mann, du Alles auf Erden…

Wir sind ein Printmagazin. Unsere Hefte, attraktive Abonnements, Bekleidung, Bücher und vieles mehr findest Du in unserem Netzladen!


Wer genau durch den korrekten Begriff, nämlich „Mutter“, diskriminiert würde, blieb auch nach Rückfrage der „Bild“ unbeantwortet. Nachdem das Bundesfamilienministerium jedoch beteuerte, dass im Gesetzesentwurf nicht von „gebärenden Personen“ die Rede sei und auch in den sozialen Netzwerken die Diskussion losbrach, änderte die „Tagesschau“ klammheimlich ihren Artikel und ernannte jene Personengruppe wieder zu Müttern.

An sich könnte man jetzt meinen, das Ganze sei Wortklauberei. Schließlich ging es ja vorrangig um einen Gesetzesentwurf, nicht aber um Mutterschaft als solche. Auffällig jedoch ist, dass still und heimlich der Begriff „Frau“ und alles, was mit ihm zu tun hat, aus dem öffentlichen Sprachgebrauch gestrichen wird. Bei „Funk“ wird das weibliche Geschlechtsorgan zur „Yoni“ (tantrischer Begriff) umgetauft, bei der ARD sprechen wir statt über Mütter über „gebärende Personen, und sämtliche Frauenschutzräume beherbergen inzwischen nicht mehr nur Frauen, sondern FLINTAs. Mütter und Frauen werden aus dem Sprachgebrauch verdrängt.

Aktuelle Zahlen aus dem Jahr 2022 zeigen, dass wohl auch immer weniger Frauen überhaupt erst zu Müttern werden möchten. Die Abtreibungsrate stieg im Vergleich zum Vorjahr (94.600) um fast zehn Prozent an und überschritt mit circa 104.000 Abtreibungen dicke die 100.000er-Marke. Eine Zahl, die entsetzen sollte, die aber in Zeiten von Inflation und damit verbundenen finanziellen Existenzkrisen sowie in einem Jahrtausend, in welchem die Tötung des eigenen Lebens im Mutterleib als postkoitale Verhütungsmethode angesehen wird, nicht weiter verwundert.

Da werden Frauen auch schnell einmal zu „Menschen mit Uterus“ oder zu „entbindenden Personen“.

2 Comments

  1. Es ist schon bemerkenswert, dass, nachdem in den neunziger und nuller Jahren traditionelle Rollenbilder für Männer zerstört wurden, nun in den zehner und zwanziger Jahren die Damenwelt an der Reihe ist.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.