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Der Bürger der späten BRD – Folger und Verfolger

21. Februar 2024

Der hedonistische Massenmensch, erkennbar an mangelnder Produktivität und vermehrten Lebensanspruch, hat die alte Moral geopfert und wünscht es sich bequem zu machen. Das Phänomen Massenmensch bemisst sich nicht an Quantität, es ist ein qualitativer Begriff. Es bezeichnet die zunehmend verkommenen und drückebergerischen Heimtücker der Jetztzeit. Anzutreffen ist diese Spezies vermehrt in jenen Gremien, die vom Staat durchgefüttert werden und die mit ihrer nutzlosen Existenz den wirklich Produktiven das Leben von Tag zu Tag schwerer machen. Bürokraten, Fragebogenentwerfer, Listenverwalter.

Konditioniert auf Triggerworte, gleich den mit vermehrtem Speichelfluss reagierenden Hunden im Pawlowschen Experiment, versammeln sie sich auf Geheiß der Obrigkeiten zu einem Kampf, der ihnen keine Entbehrung abfordert und zu nichts anderem dient, als der Zementierung der Macht ebendieser Obrigkeit. Die sogenannte Zivilgesellschaft, die mit einer zivilisierten Gesellschaft nichts zu tun hat und in überwiegendem Maße staatsfinanziert ist, wird hysterisiert. Die Opposition soll verstummen.

Mit Schlagworten, die im Minutentakt auf die Massen einwirken, erreichen sie, dass die Massen selbst für die größten Dummheiten ihrer Hirten die erstaunlichsten Begründungen erfinden. Am Ende haben sie erreicht, dass alle selbst für den Niedergang verantwortlich sind. Niemand ist für irgendetwas verantwortlich.

Zunahme von Gewalt und Kriminalität wird achselzuckend hingenommen, Verweigerung von Leistung zum Allgemeinwohl ist legitim, Demokratie schlägt um in die Tyrannei der Schlechtesten, aus denen sich der Staat zunehmend regeneriert. Erregungsproduktion statt Information. Spaltungs- und Reizwortjournalismus zur Auslösung von Massenpsychosen als Herrschaftsinstrument.

Sind die Demonstrationen als Probelauf für bürgerkriegsähnliche Zustände nach einem möglichen Wahlsieg der konservativen Rechten zu interpretieren? Üben sich hier die Folgsamen im Verfolgen? Hier möchte man die Worte Heraklits an die Epheser anbringen. Sein Ratschlag war, sie sollten sich Mann für Mann aufhängen und den Nicht-Mannbaren die Stadt überlassen, haben sie doch den Hermodor, den Tüchtigsten unter ihnen aus der Stadt gejagt. Warum? Weil sie meinten, dass von ihnen keiner der Tüchtigste sein solle, höchstens woanders und bei anderen.

Der Weg von der Demokratie zur Ochlokratie ist eingeschlagen, unsere Kultur gilt nichts mehr. Leistungswillige flüchten, Leitungsunwillige kommen. Unfähig zur Selbstverteidigung ist selbst der Ruf nach Söldnern und Legionären in den eigenen Streitkräften gesellschaftsfähig geworden. Rom ging nicht nur an inneren Widersprüchen zu Grunde, sondern daran, dass ihm die eigenen Menschen zur Verteidigung der Grenzen fehlten.

Wer sich nicht für Politik interessiert, ist gezwungen lange Regierungszeiten von diktatorischen Staatsaffen zu ertragen. Hatte es sich vor drei Jahren endlich ausgemerkelt, wird das Land seitdem im Turbogang ausgemergelt – der Industrie wird das Rückgrat gebrochen, den Menschen das Mark ausgesaugt. Am Ende einer Kultur ist für den von einer Oligarchie regierten Staat das Denunziantentum und die Unterdrückung der öffentlichen Meinung typisch. Staatsfunktionäre dürfen sich alles erlauben, kleben selbst beim Nachweis von Verfehlungen schamlos weiter an ihren Sesseln. Zur Befriedigung ihres Geltungsdranges scheint jedes Mittel recht.

Welche Kultur „Kulturschaffende“ schaffen, war kürzlich bei den Eröffnungsveranstaltungen einer sogenannten Kulturhauptstadt Europas zu besichtigen. Westlicher Kulturbetrieb, von überwiegend Lesben und Schwulen okkupiert, hat hier den Zustand seiner Verkommenheit auf die Bühne gebracht. Talentfreie Regiedarsteller ohne eigene Ideen und Kreativität, verballhornen entweder die Stücke alter Meister oder verwandeln die Bühnen gleich in Sudeleien von Blut, Sperma und Scheiße. Die vergangene völkische Variante für die Identifikation von Staat und Volk war der Mythos des gemeinsamen Blutes. Wenn heute die gemeinsame Kultur sinnstiftend sein soll, so kann diese Art von Kultur nur noch als Trieb zur Selbstzerstörung interpretiert werden. Ekstatische Anbetung des Hässlichen und Freudlosigkeit, Leben aus dem Mülleimer. Schönheit, Anmut, Eleganz, feierliche Stille und Ruhe, das alles wird verachtet und entweder gemieden oder vernichtet.

Noch jede Zivilisation ist untergegangen obwohl man stets und immer von ihrer Einmaligkeit und Unzerstörbarkeit ganz selbstverständlich ausgegangen ist. Die Dinge laufen aus dem Ruder, ein Großteil der Welt glaubt nicht mehr an die regelbasierte Weltordnung mit vom Westen aufgestellten Werten, an die dieser sich sogar selbst hält, wenn es ihm nützt.

Eigentlich sollten die Bürger, das Staatsvolk, welches heute als Passgemeinschaft verstanden werden soll, den Staat formen – zunehmend versucht aber der Staat, sich seine Bürger zu formen. Die den Staat repräsentierenden Institutionen scheinen die Grundidee einer Verfassung nicht zu verstehen. Die Verfassung soll den Bürger vor einem übergriffigen Staat schützen. Die Verfassung bindet die staatliche Gewalt. Demzufolge kann ein einzelner Bürger nicht „gegen die Verfassung“ verstoßen, der Bürger ist an Gesetze gebunden, der Staat an die Verfassung. Dieser einfache Fakt wird aber gern ignoriert.

Das Böckenförde-Diktum, wonach der freiheitlich säkularisierte Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann, scheint kein Linker jemals verstanden zu haben. Sie sind heute unfähig, die unsichtbaren Fundamente zu erkennen, auf denen die sichtbaren Institutionen unseres Gemeinwesens beruhen. Die ausgerufene Zeitenwende ist der Endkampf zur Herrschaftssicherung und dieser kulturlose, verluderte Staat glaubt durch Polypragmasie in der Gesetzgebung seinen Niedergang steuern zu können.

Wer an der Macht ist, lässt eine politisch beeinflusste Justiz für sich arbeiten – in Deutschland mit weisungsgebundener Staatsanwaltschaft und regierungshörigen Inlandsgeheimdienst in besonderer Weise auf die Spitze getrieben. Richter mit Parteibuch sind ein Anachronismus. Selbst die Polizei wird in Form einer sogenannten „Grünen Polizei“ zu einer politischen Polizei umgeformt. Das ist ein Generalangriff auf die Gewaltenteilung und damit verfassungswidrig – aber was stört es die gewohnheitsmäßigen Missversteher, die Geschichtsvergessenheit zu ihrer DNA gemacht haben.

Man hüte sich vor den „Guten“, wenn sie von Demokratie reden. Sie reden von „unserer Demokratie“ und meinen dabei nur sich selbst, ihren Machterhalt und ihre Diskurshoheit. Sie eint der Hass gegen alles Geistige und Historische. Vernichtungstrieb dort, wo etwas an Vergangenheit erinnert. Konservative und Rechte wollen bewahren und behutsam verändern, Linke wollen blindwütige Dekonstruktion und Zerstörung. Konservative und Rechte hassen aus Liebe, Linke aus Kalkül.

Autor

Udo Holm

Glücklicher Privatier und Hobbyschreiber mit grimmigem Humor und zunehmender Altersmilde. Geboren im grünen Herzen Deutschlands als Grün noch die Farbe der Blätter und nicht die Beschreibung eines Geisteszustandes war. Als guter Beobachter erkennt er seine Schweine am Gang und lässt sich nichts mehr vom Pferd erzählen. Lebt in Berlin und schreibt im "Spiegelsaal".


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