Der Stolzmonat im Rückspiegel

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Mit fliegenden Fahnen ging der Stolzmonat vergangene Woche zu Ende, kurz vor der Ziellinie sogar noch einmal neu beschwingt durch den Regenbogenpost sowie die Urheberrechtsdrohungen von der „Sendung mit der Maus“. Zeit also, das Ganze noch mal Revue passieren zu lassen.

Falls jemand unter einem Stein lebt: Der Stolzmonat ist ein Konter gegen den Pride Month, der daraus besteht, mit der deutschen Fahne, beziehungsweise einer der Regenbogenflagge nachempfundenen abgestuften Farbverlauf-Version davon, Nationalstolz anstatt der Orte zu zelebrieren, in die man seinen Lümmel so reinsteckt. Ein positiver Nebeneffekt neben dem eindrücklichen Demonstrieren von Dominanz in Zahlen und dem Spaß am Ganzen ist, dass unsere politischen Gegner so dazu gebracht werden, sich reihenweise selbst als extremistische Deutschlandhasser zu entlarven: Die staatlich finanzierte Amadeu Antonio Stiftung etwa setzte unsere Landesfahne mit der Hakenkreuzflagge gleich, indem sie anklagte, Schwarz-Rot-Gold stehe für „antisemitische Pogrome“ (Q1).

Restles „Monitor“ verhalf uns, neben vielen anderen Mainstreammedien wie etwa RND und „Queer.de“ über Twitter hinaus zu Bekanntheit, indem er den Stolzmonat zur besten Sendezeit im Ersten thematisierte.

Schon der Name des Schmähfilms lässt tief blicken: „Gewalt gegen LGBTIQ: Rechte Scharfmacher“. Der Name ist Programm: Der Stolzmonat wird, eingebettet in eine Aneinanderreihung schwulenfeindlicher Übergriffe, als der weltanschauliche Brennstoff dahinter dargestellt. Am prominentesten zeigen sie den Fall von Martin Quedenfeld, der vor einigen Jahren am Rande einer CSD-Veranstaltung als „Schwuchtel“ bezeichnet und geschlagen wurde. Alles, was man bis auf den „Monitor“-Beitrag zu der Causa findet, ist ein Facebook-Post, in welchem er angibt, dass ihm auch das Portemonnaie gestohlen wurde. Es gibt keinen einzigen Artikel darüber.

Das „Monitor“-Filmchen legt auch nahe, warum: Obwohl der Täter wohl gerade vor Gericht steht, zeigt man uns kein Bild von ihm, gibt uns keinen Vornamen und beschreibt sein Aussehen mit keinem einzigen Wort. Es wird davon auszugehen sein, dass Quedenfeld wohl eher Opfer derselben kulturellen Reibereien wurde, denen schon Malte C. auf dem CSD in Münster zum Opfer fiel, als von einem im Stolzmonat radikalisierten AfD-Wähler. Am Ende des Beitrags schließt dann ein Soziologe namens Matthias Quent, der Stolzmonat „könnte zu Gewalt und auch Mord führen”. Sie kamen also, vielsagenderweise, mit den ganz großen Geschützen.


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Erfreulich ist auch, wie wenig Munition ihnen dafür gegeben wurde: Nicht einen hasserfüllten Stolzmonat-Post konnte man für ihre Propaganda auftreiben. Die Stimmung auf Twitter war durchgehend ausgelassen und freundlich, während schäumende Buchstaben-Fans Gift und Galle spieen. Das Einzige, was uns in die Quere kam, war ein Shadowban, der den Hashtag nach ein paar Tagen aus den Trends verbannte, was glücklicherweise zum Ende des Juni mit dem Hashtag „#Stolzmaus“ umgangen werden konnte. Aber es zeigt die Anfälligkeit solcher Internet-Aktionen dafür, einfach von Zensoren unter den Teppich gekehrt zu werden. Insofern war es auch wichtig, das Ganze so weit, wie es ging, in die reale Welt zu tragen. Unter dem Hashtag „#StolzmonatHerausforderung“ sieht man die wahnwitzigsten Aktionen: Leute befestigen Stolzflaggen auf Türmen, hissen sie auf Bergen oder überkleben einen riesigen Zebrastreifen-Regenbogen damit, wie es der Revolte Rheinland gelang. Wenn man bedenkt, dass das gerade einmal das Anlaufjahr der Aktion war und wir für nächstes Jahr monatelang planen und organisieren können, ist das unglaublich.

Zu guter Letzt war es wertvoll, wie nah unsere parlamentarische Vertretung, die AfD, unter diesem Hashtag mit ihrem politischen Vorfeld zusammengerückt ist: Durch die gesamte Partei hindurch beteiligte man sich am Hashtag und zog mit ganz Rechtstwitter an einem Strang. Als einer der Ersten mit dabei war Medienliebling Björn Höcke, der schlussendlich sogar einer Einladung in die „Honigwabe“ folgte und mit uns dort vergangenen Sonntag über den Stolzmonat redete. Ein so starkes Signal der Überwindung des Grabens zwischen Parteipolitikern und alternativen Medien hat es, denke ich, selten oder sogar noch nie gegeben.

Was kann man also abschließend sagen? Mit dem Stolzmonat ist uns etwas geglückt, nach dem die breite Masse geradezu ausgedürstet war, das eine Sogwirkung entfaltet hat und wogegen die Medien keinerlei Mittel haben, mit denen sie sich nicht ins eigene Fleisch schneiden. Kommendes Jahr ist es an der Zeit, neben Twitter auch die Straße in noch unbekanntem Ausmaß zu stürmen. Eine Welle der Stolzmonat-Demonstrationen, wie es sie dieses Jahr beispielsweise in Koblenz gab, wäre der nächste Schritt. Wir haben zwölf Monate, um zu planen.