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Deutsche Einheit eine Woche nach der Bundestagswahl

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Gestern war Tag der Deutschen Einheit. Eine Woche nach der Wahl des 20. Deutschen Bundestags überrollte uns dieses Ereignis einfach. Neben türkischer Impfwerbung auf dem Weg zur Arbeit überfiel mich am gestrigen Tag eine besonders diverse und angepasste McDonald’s-Anzeige. „Lasst uns am Tag der Deutschen Einheit gemeinsam Vielfalt und Zusammenhalt feiern“, lautete die Bildüberschrift.

Das Bild zeigte überwiegend Frauen, darunter mehrere mit bunten Haaren, eine Kopftuchträgerin und eine ältere Dame, außerdem noch einen Jungen mit Trisomie 21, wie sie alle glücklich Pommes essen und Softdrinks trinken.

Doch womöglich war die gesellschaftliche Spaltung selten stärker zu spüren als an jenem Sonntag, an dem sich zum 31. Mal die Wiedervereinigung jährte. In großen leuchtenden Werbetafeln wird der Standort des Impfbusses für die kommenden Tage angekündigt, an jeder zweiten Ecke in der Bonner Innenstadt sitzen Obdachlose und Bettler. Die Cafés im Bundesnest sind an diesem Sonntag gut besucht, selbst im Platzregen nehmen die Gäste draußen Platz. Vermutlich, weil sie drinnen nicht mehr erwünscht sind.

Letzte Woche noch wurde gewählt, eine Woche später erinnern nur durchnässte Wahlplakate, die noch nicht abgehängt wurden, an die Geschehnisse des vergangenen Sonntags. Der Lösung der Kanzlerfrage sind wir immer noch kein Stück näher gekommen.

Die vergangene Woche war durchzogen von seltsamen Wahlnachwirkungen. FDP und Grüne sind schon in den Koalitionsverhandlungen. In einem Interview zählte Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock gleich mehrere Gemeinsamkeiten beider Parteien auf: Christian Lindner und sie würde das ziemlich gleiche Alter verbinden, Robert Habeck und Lindner seien beides Männer, und alle drei mögen vermutlich gerne Eiscreme. Das Fundament für die kommende Bundesregierung ist also schon geschaffen.

Vor der Wahl noch wurden Beiträge über möglichen Wahlbetrug auf sämtlichen Plattformen wegzensiert. Nach der Wahl mussten besonders in Berlin einige Fehler in den Wahllokalen eingeräumt werden.

Am 26. September wurden offenbar gleich mehrere Rekorde gebrochen. Während die Unionsparteien auf Bundesebene ihr schlechtestes Ergebnis aller Zeiten einfuhren, wurde in einem Stadtteil der Bundeshauptstadt Geschichte geschrieben. 150 Prozent, so hoch war die Wahlbeteiligung beim Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ in Reinickendorf.

Nicht nur in Reinickendorf kam es zu Unstimmigkeiten am Wahltag. In Charlottenburg-Wilmersdorf übermittelte die Wahlleitung am Abend Schätzungen anstelle von Ergebnissen. Nachdem aus 22 Wahllokalen exakt die gleichen Ergebnisse vorlagen, fiel das Ganze auf. Doch wie so oft bleibt das womöglich ohne Konsequenzen.

Die erste Sitzung der AfD-Fraktion verlief äußerst hitzig, die Stimmen für Armin Laschets Rücktritt wurden im Laufe der letzten sieben Tage immer lauter, und zeitgleich veröffentlichten mehrere Schauspieler und Prominente rund um Volker Bruch, den Hauptdarsteller von „Babylon Berlin“, mit #allesaufdentisch die Neuauflage von #allesdichtmachen.

Diesmal kam es zu 55 Gesprächen, immer zwischen einem Künstler und einem Wissenschaftler. Die Videos sollten zu einem öffentlichen Diskurs zu etlichen Themen und Facetten der Corona-Krise beitragen. Auf der Website der Kampagne zeigt sich, dass neben alternativen Wissenschaftlern auch „Experten“ und führende Betreiber der Corona-Politik zum Gespräch eingeladen wurden, darunter auch Christian Drosten, Karl Lauterbach und Markus Söder. Doch offenbar blieben alle ihre Antwort schuldig.

Auch die Neuauflage von #allesdichtmachen führte erneut zu Kritik einer Horde couragierter Bessermenschen. Wie nicht anders zu erwarten höchst emotionalisiert ohne sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Eine Woche nach der Wahl lässt sich also durchaus sagen: Alles bleibt beim Alten, und trotz Tag der Deutschen Einheit verläuft eine immer größer werdende Kluft durch die Gesellschaft.

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