Die EU ist unter die Prepper gegangen

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Es scheint so, als müsse die Europäische Union künftig von den deutschen Sicherheitsorganen wegen Extremismusverdachts beobachtet werden. Man ist nämlich jetzt, so scheint es, unter die sogenannten „Prepper“ gegangen. Notfallbefugnisse, um Konzerne zur Produktion von Schlüsselprodukten und „stockpile goods“, also etwas zynisch ins Deutsche übersetzt: so etwas wie „Hamsterkaufwaren“ zwingen zu können, strebt man dort an. Sich auf europäischer Ebene, mit nicht einmal der Ausrede einer bedeutungsvollen demokratischen Legitimation im (vermutlich selbst erklärten) Notfall quasi zum Alleinherrscher über die Wirtschaft aufschwingen zu wollen, klingt in der Tat ein wenig extremistisch, aber darum geht es mir nicht, wie Ihr Titel und Einleitung schon entnommen haben werdet.

Vor viereinhalb Jahren war das Overton-Fenster solche verschwörungstheoretischen Weltuntergangsfantasien und ihnen folgende Vorbereitungen betreffend nämlich noch ein wenig enger: Ende 2017 titelte der Bayerische Rundfunk noch: „Rechtsradikale Prepper-Szene soll künftig bundesweit beobachtet werden“. Er bezog sich damit auf einen Antrag auf der damaligen Innenministerkonferenz, welcher auch tatsächlich angenommen wurde:

„Die Innenministerkonferenz beschloss am Freitag, dass die Sicherheitsbehörden ein bundesweites Lagebild der Prepperszene erstellen sollen. Man wolle klären, ob der Szene ‚möglicherweise rechtlich‘ zu begegnen sei, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier, der das Thema auf die Agenda gesetzt hatte.“

Beim „Stern“ war man sich zu diesem Anlass einig: Eine ganz gefährliche Ansammlung von Radikalen bis Extremisten ist das. So schrieb man über den Chef der Prepper Gemeinschaft Deutschland, Bastian Blum:

„An eine Zombie-Apokalypse glaubt er zwar nicht, aber egal ob ein Anschlag auf ein Chemie-Werk in der Nähe, ein Stromausfall oder eine Naturkatastrophe – der Mann aus Krefeld ist für den Notstand vorbereitet, kurz darauf gefolgt von: „Die Vorstellung von einem kompletten Staatsversagen lockt eine sehr bunte Mischung von Menschen an. Reichsbürger, rechte Gruppierungen und Verschwörungstheoretiker finden sich hier wieder.”

Gerade der Verweis auf Stromausfälle, wenige Atemzüge von einer scharfen Verurteilung solcher „Vorstellungen von einem kompletten Staatsversagen“ entfernt, zaubert mir ein amüsiertes Lächeln auf die Lippen. Ich bin gespannt, ob dieselben Medien auch von einem „kompletten Staatsversagen“ reden werden, sollten sich diese Befürchtungen im kommenden Winter tatsächlich bewahrheiten, oder ob wir uns mit beschwichtigenden Zeilen im Duktus von „dumm gelaufen“ zufriedengeben werden müssen, gefolgt von ausschweifenden Tiraden über Putin.

Jedenfalls haben die oberen Zehntausend nun, da man die eigene Bevölkerung durch sieben Jahre lang halb Afrika samt Nahem Osten Importieren, zwei Jahre lang alles Dichtmachen und ein halbes Jahr lang den Ivan Ärgern in eine Lage gebracht hat, in der Dosenbrot und Campingkocher, aber auch defensive, legale Waffen wie etwa eine Machete doch ganz nützlich werden könnten, sich dann doch ein wenig für die bösen Prepper erwärmt: Zwar sind (realistische) Szenarien von marodierenden Migrantengangs sowie auch dem einen oder anderen einheimischen Psychopathen, der Blackouts für sich ausnutzen könnte, sowie Abwehrmaßnahmen gegen diese weiterhin verpönt, jedoch führt mich die Google-Suche nach dem Wort „Prepper“ jetzt nicht mehr zu einem Haufen Artikel darüber, wie gefährlich sie doch seien, sondern zu Anleitungen direkt aus dem Mainstream.



Die „Bunte“ schrieb gerade erst einen reizenden Artikel darüber, wie man sich einen Teelichtofen aus alten Tontöpfen baut, NTV titelt: „Clevere Krisenvorsorge: So geht Prepping richtig“, und selbst die Öffis sind auf den Geschmack gekommen: „Der Prepper in mir – Ein Selbstversuch pünktlich zum Weltuntergang”, so nennt der Deutschlandfunk eine 54-minütige Audio-Reportage. Eine Entschuldigung dafür, dass man vor keinen fünf Jahren noch wie selbstverständlich von „der rechtsextremen Prepper-Szene“ sprach, blieb von Gebührenfunkseite bislang aus. Stattdessen schreibt man versöhnlich: „Bislang wurden Prepper eher belächelt. Seit Corona wissen wir: Vorräte zu halten für Krisenzeiten ist gar nicht so unvernünftig. „Belächeln“ nennt man das also, was Ihr da gemacht habt, soso. Erst belächeln sie es, dann machen sie es mit ihrer Politik nötig, und dann bringen sie dir bei, wie du mit alten Bananenschalen, einem Schuhkarton und etwas Alufolie die Wohnung heizt, so oder so ähnlich sagte es glaube ich Gandhi mal. Und ihr damaliger Hass auf die Prepper wirkt durch die jetzige Situation paradoxerweise ja sogar verständlicher: Ja, es war auch eine Form des Misstrauens gegenüber ihnen, dem politisch-medialen Elitenkomplex. Doch heute müssen auch sie selbst durch die Hintertür einräumen, dass dieses Misstrauen völlig berechtigt war.

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