Die große Scheiße von 2021

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Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zählt schon jetzt zu einem der schlimmsten Naturereignisse in der Geschichte der Bundesrepublik. Bisher hält die Sturmflut von 1962 den traurigen Rekord mit 340 Toten. Stand 9:00 Uhr sind 81 Tote zu beklagen, rund 1.300 Menschen werden vermisst. Das alles sind Zahlen, die das Ausmaß des menschlichen Leids nicht erfassen können.

Zahlreiche Anwohner des Kreisen Ahrweiler, von Schuld, Erfstadt-Blessem und anderen Orten haben innerhalb weniger Stunden ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Häuser, die zwei Weltkriege überstanden haben, wurden einfach fortgespült. Man wird diesen Schaden irgendwann mit einer Milliarden-Summe beziffern können und dennoch bleibt der Eindruck solcher Zahlen abstrakt.

Unglaubliche Bilder

Schon jetzt sprechen die Medien von der “Jahrhundertflut“. Livestreams berichten unentwegt aus den Krisengebieten. Als mir Chefredakteur Müller seine Eindrücke von den unendlichen Schlammmassen in Ahrweiler schilderte, stand für mich ein anderer Name fest: Die große Scheiße von 2021.

Sanitäter, Feuerwehr, THW, Bundeswehr und unzählige freiwillige Helfer sind unentwegt im Einsatz, auch unter ihnen gibt es Opfer. Einmal mehr zeigt sich, dass organisierte Rettungskräfte, ganz gleich ob sie Flecktarn oder rote oder blaue Uniformen tragen, das Rückgrat unseres Gemeinwesens bilden. Wie viele Tote mehr wären zu beklagen, wenn in Dörfern nicht junge Leute in den freiwilligen Feuerwehren ihre Pflicht leisten würden?

Einen weiteren wunden Punkt, den Krisen wie diese offenlegen, ist die zunehmende Vereinzelung vieler Deutsche. Wenn das THW den Keller ausgepumpt hat, dann bleiben Schlammmassen und Abfallberge zurück. Wer hilft bei den Aufräumarbeiten, wenn keine Geschwister, Kinder oder Enkel da sind? Wo kommt man unter, wenn das Haus weggespült wurde? Frank Schirrmacher hat auf diesen Umstand bereits in seinem vor 15 Jahren erschienen Buch “Minimum” aufmerksam gemacht.

Krisen legen Probleme offen

Eines hat mich gewundert: Am Mittwoch hörte ich im Radio die Wetter-Warnungen für NRW, die Auswirkungen der Überschwemmung in Rheinland-Pfalz hingegen haben mich am Donnerstagmorgen ehrlich gesagt überrascht. Weniger überrascht, dafür aber mit umso mehr Entsetzen, hörte ich gestern Abend das Palaver eines Armin Laschet, der, wie viele andere, uns die Überschwemmung als eine Art Bestätigung des Klimawandels – sprich: der globalen Erderwärmung – verkaufen will.

Stolz verkündete er, dass sein Bundesland ein Vorreiter bei der CO2-Reduktion sei. Malu Dreyer stieß ins selbe Horn. Alles andere hätte mich auch enttäuscht. Da die Vergangenheit bereits zeigte, dass Überschwemmungen und andere Naturkatastrophen auch eine fast CO2-neutrale Menschheit heimsuchen, muss man diesem “Wahlkampfgelaber“ keinen weiteren Wert beimessen. Politiker bleiben auch in Gummistiefeln dieselben.

Interessant wird es hingegen werden, wenn in einigen Wochen die Bilanz über die technische Ausstattung der Einsatzkräfte gezogen wird. Hoben alle Hubschrauber ab? Fuhren alle Kraftwagen und Boote? Funktionierten die Kommunikationsnetze? Oder zeigte sich hier einmal mehr die desaströse Ramschpolitik, die Ignoranz gegenüber Kernkompetenzen, das Kaputtsparen von lebenswichtiger Substanz? Wir werden sehen.

1 Comment

  1. Großen Respekt für und Dank an alle Einsatzkräfte!

    Dass Politiker diese Katastrophen für ihre politische Profilierungen nutzen, finde ich eine kaum zu überbietende Unverschämtheit und eine Respektlosigkeit gegenüber den Opfern. Für mich ist dies ein weiteres Indiz für deren egozentrisches Denken. Mitgefühl und Mithilfe sieht anders aus.

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