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Die Letzte Generation und die Kunst

27. Oktober 2022

Seit Wochen und Monaten schon macht die „Letzte Generation“, eine Bande von Klimaextremisten und Wohlfühlkommunisten sowie Nachfolgeorganisation von Extinction Rebellion, mit dreisten und wahnsinnigen Aktionen auf sich aufmerksam. Angefangen haben sie damit, sich auf vielbefahrenen Straßen, vorrangig in Berlin, mit Starkkleber festzukleben, um so den Straßenverkehr zu blockieren und dann rumzuheulen, wenn die genervten Fahrer nicht gerade freundlich auf die verwahrlosten Jungs und Mädels reagierten.

Immerhin, bei ihrer neuesten Aktion in einem Autohaus der VW-Stadt Wolfsburg hat der Besitzer des besagten Etablissements einfach über Nacht die Türen abgeschlossen und die jungen Helden 42 Stunden lang dort kleben lassen – diese haben sich daraufhin über mangelnde Verpflegung und ein fehlendes WC beklagt. Neben dieser kleinen Belustigung sorgen die Tapfersten der Klimajünger aber auch für ordentlich Schaden: Man bedenke nur die kilometerlangen Staus auf den Straßen, nachdem die Autofahrer sich entschlossen haben, nicht über die Letzte Generation hinüberzukacheln. In den Staus kommt ja nicht nur der ermüdete und entnervte Mittelstand zum Stehen, sondern auch Krankenwagen – wer weiß, wie viele Menschen schon ums Leben kamen, weil die Sanitäter nicht mehr weiterfahren konnten? In meinem Fokus – als selbsternannter Kulturbeauftragter der KRAUTZONE – aber soll der kulturelle Schaden stehen, den diese Wahnsinnigen verursacht haben und verursachen werden.

Festgeklebt an Cranach, Tomatensuppe auf van Gogh und nun Kartoffelbrei auf einen Monet – das ist nur ein Teil der Taten, mit denen die Letzte Generation neuerdings auf sich aufmerksam macht: Sie beschädigt abendländisches Kulturgut, vorrangig (bis jetzt) Gemälde. Bewusst abendländisch, da bin ich mir sicher; ich glaube nämlich kaum, dass sie es wagen würde, Ming-Porzellan zu beschmieren oder gar irgendwelche Figuren, die vom Schwarzen Kontinent stammen. Doch bevor ich auf den Irrsinn der Klimajünger weiter eingehen werde, möchte ich noch mal auf die Art und Weise aufmerksam machen, wie die Presse über die Vorfälle berichtet: Dass der Mainstream Sympathien für die Letzte Generation hegt – wenn auch meist in der Form von: „Sie haben ja recht, aber sie sind schon ein bisschen verrückt“; das typisch gutbürgerliche Mitte-links-Gewäsch eben –, ist kein Wunder und mir auch ziemlich egal. Was mich ärgert, ist die Methode, wie der Wert der Gemälde häufig beschrieben wird: „Klima-Kleber kippen Kartoffelbrei auf 110-Millionen-Gemälde“, schreibt der „Berliner Kurier“ (apropos, atemberaubend ausgezeichnete Alliteration, muss man denen lassen). Als sei der Wert des Kulturguts darin bemessen, für wie viel Fiat-Geld irgendein arabischer Ölprinz mit Privatjet sich dieses Gemälde kaufen würde.

Versteht mich nicht falsch, das soll hier keine billige Kapitalismuskritik werden – ich heiße weder W. Schmitt noch B. Kaiser –, aber mir widerstrebt, den inhärenten Wert eines Kulturguts in einer Währung anzugeben, vor allem dann, wenn diese im momentanen Geldsystem ohnehin nur noch an Wert verliert. Kultur, Kunst und die dazugehörigen Güter begreife ich als etwas Übergeldliches, deshalb geht es mir auf den Geist, wenn ich in gefühlt jeder Überschrift (oder jedem Fließtext) den utopisch hohen Preis des jeweiligen Guts lesen muss, da der geistlose Konsummensch offenbar nicht mehr in der Lage dazu ist, den Wert desselbigen an sich zu begreifen – da er das Gut häufig nicht (mehr) verstehen, nachfühlen und damit begreifen kann.



Doch zurück zu unseren Klimajüngern: Was soll die rechte Antwort auf ihre Aktionen sein? Nun, ich gebe zu, meine erste Reaktion auf diese Vorfälle kann ich hier ob der bundesrepublikanischen Rechtslage nicht frei schildern. Wäre ich bei einer solchen Tat anwesend, könnte ich nicht versprechen, mich zu zügeln: Zumindest der Versuch, sich zwischen Gemälde und Schandtäter zu stellen, sollte drin sein. Jedenfalls war ich erschüttert, wie körperlich teilnahmslos die anwesenden Menschen reagiert und bestenfalls nach der Security gerufen haben, anstatt selbst was zu tun.

Aber das ist ja kein Wunder, man wird ja quasi dazu erzogen, selbst bei Kleinigkeiten die Polizei zu rufen. Was man sich aber sehr wohl zunutze machen kann und soll, ist die destruktive Kraft der Klimajünger: Wieso zerstören sie nur und schaffen nicht ihre eigene Kunst, um auf ihre Sorgen aufmerksam zu machen? Weil sie es nicht können? Warum der Bildersturm? In diese Kerbe sollen wir schlagen: Erschaffen wir etwas, seien wir nicht zerstörerisch – höchstens dem Schlechten gegenüber. Treten wir für das Wahre und Schöne ein: Gedichte und Bücher schreiben, Musik komponieren und Gemälde erschaffen – all das steht uns offen. Gewiss, um einen Kulturkrieg – und in diesem befinden wir uns ja gerade – zu gewinnen, müssen wir den Gegner auch zurückschlagen. Doch dabei müssen wir auch mit Eigenem überzeugen; dass kann dem rechten Lager nicht gelingen, indem es Schlager oder Raps produziert, sondern es muss etwas Höheres sein, etwas, womit die Linken eben nicht mithalten können. Denn sollte doch einmal ein van Gogh durch eine Aktion der Letzten Generation unwiederbringlich zerstört worden sein, so müssen wir es sein, die die Werke schaffen, welche würdig sind, die verlorengegangenen zu ersetzen.

Fridericus Vesargo

Aufgewachsen in der heilen Welt der ostdeutschen Provinz, studiert Vesargo jetzt irgendwas mit Musik in einer der schönsten und kulturträchtigsten Städte des zu Asche verfallenen Reiches. Da er als Bewahrer einer traditionsreichen, aber in der Moderne brotlos gewordenen Kunst am finanziellen Hungertuch nagen muss, sieht er sich gezwungen, jede Woche Texte für die Ausbeuter von der Krautzone zu schreiben. Immerhin bleiben ihm noch die Liebesgrüße linker Mitstudenten erspart…

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