Die Rauhnächte stehen vor der Tür

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Das Jahr neigt sich seinem Ende entgegen und es wird Zeit ein Resümee zu ziehen. Logisch, an dieser Stelle könnte ich meinem Unmut über unzählige Missstände in diesem Land freien Lauf lassen. Will ich aber nicht. Bei all dem Irrsinn da draußen wird es Zeit, sich wieder zu besinnen. Die kommenden Tage und Wochen eignen sich hervorragend dazu.

Die Rauhnächte stehen vor der Tür. Eine Zeit, in der man alte Sitten und Gebräuche pflegt. Doch bevor diese beginnen, sollte ein jeder bis zum 24. Dezember alles unter Dach und Fach haben. Früher begannen die Rauhnächte zur Wintersonnenwende, am 21. Dezember. Heutzutage starten sie um Mitternacht zwischen dem 24. und 25. Dezember. Sie umfassen insgesamt zwölf Nächte und enden somit um Mitternacht des 5. Januars. Am darauffolgenden Tag tritt man, laut germanischem Mondkalender, in die neue Zeit ein.

Um einen möglichst entspannten Übergang in das neue Jahr zu haben, gilt es, sich vorzubereiten. Dem ein oder anderen ist das vielleicht nicht so wichtig, mir aber schon. Ich putze also fleißig meine Wohnung, beziehe die Betten neu und wasche die Wäsche, denn in der Zeit der Rauhnächte sollte man dies vermeiden. Da, so der Aberglaube, die wehenden Sachen auf der Leine böse Dämonen anlocken könnten. Zudem verabschiede ich mich von sämtlichem Ballast, begleiche alle offenen Rechnungen und gebe ausgeliehene Sachen zurück.

Ist dies alles vor Beginn der ersten Rauhnacht erledigt, kann ich entspannt in meine Weihnachtszeit starten. Ich schmücke den Weihnachtsbaum und dekoriere das Haus mit unzähligen Lichtern und Zweigen. Danach backe ich Pfefferkuchen. Und während ich sie in aller Seelenruhe verziere, hoffe ich auf Schnee.



Beginnen die Rauhnächte, gibt es ebenso Rituale, um durch diese Zeit zu kommen. Es geht vor allem darum, das Haus vor Dämonen zu schützen und wieder eins mit sich und der Welt zu werden. Es ist die perfekte Phase, um sich vom Alten zu lösen, auch mental. Es gilt neue Energie und Kraft zu tanken und gestärkt sich dem zu widmen, was vor einem liegt.

Man kann eine Räucherzeremonie abhalten (daher auch die Bezeichnung Rauhnächte/Rauchnächte), um Körper, Geist, Haus und Hof zu reinigen und zu schützen, sowie eine Verbindung zu den Ahnen herzustellen. Geeignet dafür sind etwa Salbei, Weihrauch oder Johanniskraut. Je nachdem, welche Wirkung man mit dem Räuchern erzielen will, kann man auch andere Kräuter und Pflanzen nutzen. Wer Angst vor piepsenden Rauchmeldern hat, kann auch Kerzen auf der Fensterbank anzünden. Diese ziehen gute Geister an und wehren die bösen ab. Hat man noch etwas mit einer Person zu klären, geht dies auch mittels Briefs. Sämtliche belastende Dinge und Wünsche können so niedergeschrieben und im Anschluss verbrannt werden.

Spaziergänge im Wald sind eine genauso gute Idee, um mal wieder durchzuatmen, den Kopf freizubekommen und die Gedanken schweifen zu lassen. Die Rauhnächte kann man also ebenso gut in stiller Andacht erleben und seine Interaktionen mit Anderen herunterfahren. Ganz gleich, welche Rituale man wählt – man sollte sich Zeit nehmen, seine Umgebung in eine ruhige Oase verwandeln und sich konzentrieren. Vor allem aber, sollte man an das glauben, was man gerade zelebriert.

Und selbst wer sagt, dass das alles esoterischer Hokuspokus wäre, selbst der sollte in dieser Zeit zur Ruhe kommen und sich auf das Wichtige im Leben besinnen. Ich wünsche allen friedliche Rauhnächte, eine besinnliche Winterzeit und eine weiße Weihnacht.

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