Die sehr gute Bundesregierung empfiehlt: Corona-Winterreifen

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Vergangene Woche wurde das neue Infektionsschutzgesetz, die sogenannten O-O-Regeln, vorgestellt. Angelehnt an die Winterreifen, soll der Spaß von Oktober bis Ostern in Kraft sein – eine Assoziation, die durchaus gewollt ist; Lauterbach selber sprach vor zwei Monaten von „unseren Winterreifen“ für Corona. Die Subbotschaft ist klar: Genau wie die Winterreifen bleibt das jetzt für immer so. In Herbst und Winter totalitärer Fiebertraum, und im Sommer gibt‘s dann ‘ne Verschnaufpause.

Maskenpflicht in den meisten Innenräumen ist angedacht, bundesweit im Fernverkehr, in Pflegeeinrichtungen und an einigen Arbeitsplätzen, und auf Landesebene dann auch in Schulen, Bars, Restaurants und allem sonstigen Freizeitmäßigem. Was genau hier „auf Landesebene“ bedeuten soll, ist unklar, der Tenor ist stets: „Das wird jetzt so gemacht“, und eine Entscheidung des Landtags ist nur bei der Verschärfung, den sogenannten Schneeketten, vorgesehen. Diese Verschärfungen sollen an Inzidenz, Abwassermonitoring und Intensivbetten festgemacht werden, also einem Mischmasch aus den schon gehabten, stark fehler- und manipulationsanfälligen Metriken, jedoch diesmal ohne konkreten Richtwert. Heißt im Klartext: Wenn der Landtag beschließt, dass die Schneeketten drauf müssen, dann kommen sie drauf, basta.

Diese Schneeketten bedeuten dann zum einen, dass sogar bei Veranstaltungen im Freien eine Masken- oder Testpflicht kommt, und zum anderen, dass sich die Situation in Restaurants et cetera noch einmal verschärft, mit Hygienekonzept, Abstandsregeln und all solchen Späßen, und dass die Masken- beziehungsweise Testpflicht dort nun für alle gilt. Das tut sie bei den Winterreifen nämlich nicht, dort gilt sie nur für Ungeimpfte. Was jetzt übrigens jeder ist, dessen letzte Impfung länger als drei Monate her ist. Wenn du dich also zuletzt am 30. Juni hast impfen lassen, dann bist du pünktlich zum Inkrafttreten der Regeln wieder zurück unter den Sozialschädlingen. Nicht nur der rechtsextreme Verschwörungsmythos des „Impfabos“ wird aber fleißig befeuert, sondern auch der der gezielten Markierung Ungeimpfter als „Volksfeinde“, wenn man so will.

So schlägt das vom FDP-Mann Marco Buschmann geführte Justizministerium in Reaktion auf Kritik an der Durchführbarkeit der Zwei-Klassen-Regelung vor, die Leute doch einfach mit „etwa Aufklebern“ entsprechend ihrem Impfstatus zu markieren. Als Rechtfertigung für diesen Wahnsinn beziehen sich die FDP und Justizminister Buschmann, der mal ein Buch namens „Die sterbliche Seele der Freiheit“ geschrieben hat, inzwischen auf die saisonale Grippe. Ein Versuch der Gesichtswahrung, um nicht ein weiteres Mal eingestehen zu müssen, seine vorgeblichen Ideale als williges Schoßhündchen von Rot-Grün über Bord geworfen zu haben, um noch mitspielen zu dürfen, wie es etwa bei Ataman ja schon unverhohlen der Fall war.

Alles andere als die selbsternannte „Kartoffelexpertin“ ins Zirkusamt der Antidiskriminierungsbeauftragten zu hieven, hätte laut Kubicki eine „Infragestellung der Koalition“ dargestellt. Dass, wenn die Nichtwahl einer Frau, deren bisherige Karriere daraus bestand, uns mitzuteilen, wie unsterblich ihr Hass auf das deutsche Volk ist, nicht einmal mehr zur Debatte stehen darf, diese Koalition und die eigene Rolle in ihr vielleicht auch ein bisschen infrage gestellt werden sollte, ist nicht mal für systemkonservative Feigenblätter wie Kubicki mehr im Rahmen des Denkbaren. Aber wenn es darum geht, den Kartoffeln über die Wintermonate wieder einen Maulkorb zu verpassen und jeden, der nicht bei drei die nächste Spritze im Arm hat, zu drangsalieren, hat man offenbar selbst den Mumm zu dieser kleinen Ehrlichkeit nicht mehr und muss die saisonale Grippe bemühen.

Lauterbach selber will den Zeitpunkt seiner letzten Impfung übrigens privat halten, anders, als wir es in knapp zwei Monaten gegenüber jedem Türsteher, Kinoeinlasser oder Restaurantbesitzer können sollen. Derselbe Minister, der direkt zu seinem Antritt verlautbarte, dass Impfen keine Privatsache sei.

Auf eine Anfrage des „Achtung, Reichelt!“-Teams antwortete ein Sprecher, dass solche gesundheitlichen Informationen nicht herausgegeben würden. Alles andere wäre ja auch dystopisch, Politiker sind schließlich auch nur Menschen. Die nach der vierten Impfung immer noch Corona bekommen. Irgendwie sitzen wir also ja auch alle im selben Boot.

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