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Döp Dödö Döp – Spott statt Beschwichtigung

30. Mai 2024

Könnt Ihr Euch an die letzte moralische Entrüstung unsererseits erinnern, die von linker Seite aus ernst genommen wurde? Ich meine damit explizit nicht eine, „bei der man unserem Urteil zugestimmt hat“, sondern einen Aufschrei aus dem dissidenten Spektrum über das Verhalten eines oder mehrerer linker Akteure, der auch nur in ernstem Ton beantwortet wurde. Böhmermann hat vor Kurzem ja in der Abmoderation dazu aufgerufen, „Nazis zu keulen“, nachdem er den Großteil der Sendung damit verbracht hatte, klarzustellen, dass FPÖ- und AfD-Anhänger Nazis seien.

Die „Frankfurter Rundschau“ titelte dazu: „‚Nazis keulen‘: Böhmermann entlarvt FPÖ“. Den dazugehörigen Text schließt sie mit der Bemerkung ab, besagter Aufruf zur systematischen Tötung Oppositioneller tauge „zurzeit auch als Wort zum Sonntag“.

Den linken Goldstandard innerlagerlicher Konflikte bringt die Mainstream-YouTuberin Alicia Joe bereits in ihrem Videotitel „Wie das Magazin Royale Nazis in die Karten spielt“ auf den Punkt: Die höchste Form der Verurteilung einer Eskalation gegen rechts im Mainstream besteht in der Unterstellung, derartige Äußerungen oder Handlungen gefährdeten den linken Sieg über das allseits anerkannte ultimativ Böse, das Rechte.

Es gibt nichts, das man Rechten antun könnte, das in sich selber verurteilenswerter wäre als die Möglichkeit, damit anderen Rechten zu helfen oder linken Interessengruppen zu schaden. Das ist stillschweigender Konsens im politischen Lager, das derzeit den Ton angibt und Worten auch tatsächlich den Einsatz von Machtmitteln folgen lassen kann.

In einer kriegerischen Auseinandersetzung ist es eine Art Naturgesetz, dass die Seite, die weit unterlegen ist, zu Guerilla-Methoden greift, die sich dadurch auszeichnen, dass sie rechtlich wie auch moralisch allgemein anerkannte Grundsätze deutlich weiter beugen, als es die dominante Konfliktpartei tut, wenn sie sie nicht gar komplett missachtet. Damit will ich nicht sagen, dass wir uns daran ein Beispiel nehmen sollten, sondern den Punkt verdeutlichen, wie bemerkenswert zahm und teils auch unklug entgegenkommend die Opposition im herrschenden Kulturkrieg agiert. Kurz und schmerzlos: Wir nehmen die moralischen Vorwürfe der Linken deutlich ernster als sie unsere.

Damit beginnen wir bereits lange vor dem völligen Einknicken, Entschuldigen und Cucken, das wir vom scheinkonservativen linken Schoßhündchenlager der Ulf Poschardts und Jan Fleischhauers dieser Welt kennen, einen strategischen Fehler zu begehen und zur Asymmetrie des herrschenden Konflikts beizutragen. Und zwar ab dem Punkt, an dem wir ihre Entrüstung überhaupt ernst nehmen und uns in einem Duktus rechtfertigen, der den Eindruck erweckt, wir (oder irgendjemand abseits des Mainstreams) hätten uns überhaupt irgendwelche Blöße gegeben, die wir nun relativieren müssten, bevor wir zum Gegenangriff übergehen können.

Ein Paradebeispiel dafür sehe ich in den Reaktionen vieler Rechter auf das #Döpening, das seit vergangenem Donnerstag Gegenstand ungeahnter linker Entrüstungskampagnen bis in die „Tagesschau“ ist.

Der Grundtenor ist oftmals: „Das war natürlich eine saublöde Entgleisung von ein paar besoffenen Idioten, aber die Kampagne der Medien und Politik bis hin zum Kanzler ist weit überzogen.“ Genau so verliert man den Kampf um die moralische Deutungshoheit beziehungsweise gibt ihn vorzeitig auf. Wenn konservative Christen sich über den neuesten schwulen Lapdance auf dem Schoß vom buchstäblichen Teufel beschweren (das ist kein hyperbolisches Scherzbeispiel, so was läuft inzwischen auf Viva), leiten die Linken ihre Erwiderung nicht damit ein, dass das natürlich eine dumme Provokation war und zu weit ging. Im Gegenteil, der reine Spott und Hohn bricht über jeden herein, der sich darüber echauffiert. Dass das alles nur ein Scherz oder künstlerisch überzeichnet ist, wird als Selbstverständlichkeit hingestellt, und wer das nicht von selbst erkennt, als lächerlich und geisteskrank. Und mit diesem scharfen Schwert der Lächerlichmachung haben sie die christliche Moral innerhalb weniger Jahrzehnte in die Knie gezwungen, bis in den Kirchen die progressive Pride-Flagge hing.

Die strategisch effektivste sowie auch inhaltlich richtige Erwiderung auf linke Entrüstung über den verbotenen Partysong ist also: „Natürlich ist das nicht wörtlich gemeint (ihr lächerlichen Idioten), es ist eine rebellische Auflehnung gegen euer mit jedem Tag absurderes Moraldiktat, und eure peinliche Hysterie macht sie erst so richtig lustig.“ Es ist fast unmöglich, das zu kontern. Fragt die Christen.

Man darf nicht vergessen, dass Moral ein Machtmittel ist. Hinter jeder wirkmächtigen Moral steht ein implizites „oder sonst“. Sie ist ein Appell an steinzeitliche Urinstinkte, die uns davor abschrecken wollen, den Rahmen des gesellschaftlich Gewollten so weit zu verlassen, dass wir Opfer gruppendynamischer Prozesse werden könnten. Wird sie oft und breit genug offen missachtet und die Empörung darüber glaubhaft als lächerlich, peinlich und verkrampft gebrandmarkt, hört sie auf, zu greifen. Wird sie hingegen sogar von den Gegnern ihrer Verfechter ernst genug genommen, dass man Zugeständnisse macht, bevor man dahingehend Kritik äußert, dass diese es aber trotzdem zu weit mit ihr treiben, gewinnt sie sogar noch an Macht und Bedeutung dazu.

4 Comments

  1. Das ist auf jeden Fall die bessere Taktik, um das anzugehen, als Zugeständnisse zu machen. Eine Sache, die ich gerne mache, ist deren Position ins Lächerliche zu ziehen, indem man sie in ihrer Völle durchgeht: „Du hast ja so recht, die Jugendlichen auf Sylt sind Nazis, dann können wir sie ja auch keulen, also hinrichten. Bist du dagegen? Bist du etwa ein Nazi? Ach ja, und nicht die betrunkene Grüne vergessen. Bin ich denn der einzige Gute hier?“

  2. „leiten die Linken ihre Erwiderung nicht damit ein, dass das natürlich eine dumme Provokation war und zu weit ging.“

    Doch, als sie noch in einer schwächeren Position waren, haben sie genau das gemacht.
    Das sehen wir heute noch bei den Altlinken/Teilbasierten, die in der Zeit stehengeblieben sind. Die erzählen z.B. etwas von Grundrechten und Demokratie und kritisieren auch das ein oder andere.

    Und als das Christentum noch nennenswerten Einfluss hatte, brachte das Lächerlichmachen überhaupt nichts.

    Aber ja, es ist trotzdem die bessere Strategie, da wir schon etwas an Einfluss haben und uns durch das Distanzieren nur selbst schaden.

  3. Problem ist aber auch, dass wir hier noch irgendwo den Normie abholen müssen.

    Dem kannst du „Deutschland den Deutschen Ausländer Raus.“ NOCH nicht gut verkaufen.

    Das Fenster des Sagbaren haben die Wokisten auch erst nach und nach verschoben, die sind auch nicht mit day 1 mit Blinddärmen angekommen.

  4. Kleiner Kommentar, das ist nicht Sashka, sondern Alicia Joe, die das YouTube Video gemacht hat.

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Shlomo Finkelstein

Shlomo Finkelstein wollte immer schon irgendwas mit Hass machen. Seit 2015 erstellt er als "Die vulgäre Analyse" Videos, und seit 2019 zusammen mit Idiotenwatch den Podcast "Honigwabe".

Belltower News schreibt über ihn: "Da er vorgibt, sein Hass sei rational begründet, sind besonders junge Menschen der Gefahr ausgesetzt, die Thesen für bare Münze zu nehmen und sich so zu radikalisieren."


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