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Dr. Putin beendet Corona

2. März 2022

Ein Menschenopfer alleine tut es offenbar nicht mehr, jetzt werden größere Geschütze aufgefahren. So wie der Tod von Sankt Floyd die Pandemie wenige Monate nachdem sie die Weltbühne erobert hatte für einen Sommer wieder zum Erliegen brachte und weitestgehend masken- und abstandsfreie Großdemonstrationen in Berlin ermöglichte, ohne dass sich die Leichenberge türmten, wie es der Fall wäre, ließe man die Corona-Demonstranten von der Leine; genau so lassen sich die Virusgötter jetzt, knapp zwei Jahre später, erneut mit Blut beschwichtigen. Nur verlangen sie jetzt offenbar gleich einige Tanklaster von dem Zeug. Wenn diese Inflation so weitergeht, geht’s für den nächsten Friseurbesuch dann an die Erstgeborenen.

Mehr als 100.000 demonstrierten laut „Spiegel“ am Sonntag in Berlin, „dick eingepackt und mit einer Regenbogenmaske über der FFP2-Maske“ und mit dem „dringenden Bedürfnis, etwas zu tun gegen diesen fürchterlichen Krieg“. Diesen Monat sind aber nicht nur Regenbogenfarben angesagt, der neueste Schrei heißt blau-gelb. Gerne würde man mal einen von ihnen fragen, was da denn eigentlich los ist in der Ukraine. Ich hörte etwas von einem Geist? Einem Geist, der Schiffe beschimpft, oder so?

Die „Fick dich, russisches Kriegsschiff“-Märtyrer von der Schlangeninsel sind übrigens wohlauf, der Geist von Kiew ein klassischer Fall von Kriegspropaganda, und quasi alle Bilder des ukrainischen Präsidenten in Militärkluft, die in den letzten Tagen fleißig geteilt wurden, stammen von einer Grenzinspektion im letzten Jahr. Bleibt nur noch unsere letzte Hoffnung, der Bärenukrainer. Wenn die letzten Tage irgendetwas klar gezeigt haben, dann, wie ausgehungert die Leute gerade in unseren Breitengraden eigentlich nach Krieg sind. Zumindest nach den Nebenprodukten so eines Krieges, dem Pathos und den Heldensagen, und nicht zuletzt dem kathartischen Gefühl, auf der absolut richtigen Seite eines bedeutsamen Konflikts zu stehen.

Es gibt Leute, die haben sich von der Schlangeninsel-Kiste ein fucking Tattoo machen lassen. Westler, wohlgemerkt. Denen von unseren Medien gesagt wurde: „Jup, das ist euer Krieg. Dürft ihr haben, packt die Regenbogenfahnen aus dem Schrank und tobt euch aus, wir halten auch extra Corona für euch an, und Luisa Neubauer gibt Autogramme.“ Kein Witz übrigens, auch sie unterbrach die Produktion ihrer Aufzugsselfies gegen Putin und kam auf ‘nen Sprung in die Hauptstadt, um „als friedenssichernde Maßnahme“ den radikalen Umstieg auf erneuerbare Energien zu fordern.

Wie nahtlos sich solche neuen Elemente in die bunte Suppe der medial kontrollierten Narrative einflechten lassen und wie bereitwillig die breite Masse der Politreligiösen sie ohne zu zögern auslöffelt, das ist schon ein fesselndes Schauspiel. Es wirkt so beliebig. Hätte man vor zwei Jahren gehört, dass Stoff im Gesicht, Spritzen und die Ukraine zu identitätsstiftenden Bausteinen der wahrgenommenen Mehrheitsgesinnung werden würden, hätte einen das wohl ziemlich verwirrt. In 24 Monaten trägt man hier schon Niqab? Das geht aber fix. Der Rest hätte den Eindruck gemacht, die Seekühe, die laut „South Park“ die Witze für „Family Guy“ schreiben, indem sie nach Zufallsprinzip drei Bälle mit beliebigen Begriffen aus dem Aquarium werfen, würden die Geschicke der Zivilisation lenken. Sollte 2024 die Welt noch stehen, dann tippe ich auf Küken mit winzigen Partyhüten, das Jonglieren mit hart gewordenen Mohnbrötchen und die Farbe Türkis als moralische Identifikationssymbole des Mainstreams.

Um noch mal kurz etwas ernster zu werden: Wir sollten meiner Meinung nach dem Drang widerstehen, sich in dieser Sache vorschnell mit glühendem Eifer auf eine Seite zu schlagen; sei es die des vielem, was uns an westlichen Gesellschaften ankotzt, genauso feindlich gegenüberstehenden Russlands oder die der tapfer ihr Land gegen eine Invasion verteidigenden Ukrainer. Ich sehe hier, als jemand, der in der Thematik gerade mal mit den Zehenspitzen drinsteckt, vor allem ein enormes Verwerfungspotenzial, und noch mehr Spaltung, wie wir sie genauso auf der linken Seite momentan beobachten, ist das Letzte, was wir brauchen. Der zentrale Konflikt ist kulturell und geschieht vor unserer Haustür in den Köpfen. Was ich hoffe, ist, dass das Ganze nicht zu einem innerrechten Kleinkrieg ausartet und nicht immens davon ablenkt, die für uns zentralen Themen weiter durchzuboxen.

Man muss auch bedenken: Eine der Aufgaben der Gegenöffentlichkeit ist es naturgemäß auch, das abzubilden, was im Mainstream ausgelassen wird, und da dieser im Ukraine-Krieg einen klaren Favoriten hat, wird das häufig darauf hinauslaufen, Dinge zu zeigen, die eher ins russische Narrativ passen, und (vermutlich ausschließlich proukrainische) Falschmeldungen unserer Medien aufzudecken, aber ich persönlich werde versuchen, mich nicht viel deutlicher zum Konflikt an sich zu positionieren als: „Also, diese ganze Ukraine-Russland-Sache, hm. Also, ich weiß ja nicht. Hm. Tjaja.“ Wird mir schwer genug fallen, wo es jetzt erst mal um kaum etwas anderes gehen wird in den Medien. Ein kluger Mann hat einmal gesagt: „Das erste Opfer des Krieges ist der rechte YouTuber auf Themensuche für seinen Podcast. Worte, die zum Nachdenken einladen.

Autor

Shlomo Finkelstein

Shlomo Finkelstein wollte immer schon irgendwas mit Hass machen. Seit 2015 erstellt er als "Die vulgäre Analyse" Videos, und seit 2019 zusammen mit Idiotenwatch den Podcast "Honigwabe".

Belltower News schreibt über ihn: "Da er vorgibt, sein Hass sei rational begründet, sind besonders junge Menschen der Gefahr ausgesetzt, die Thesen für bare Münze zu nehmen und sich so zu radikalisieren."


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