Pocher und Smith – Und alle so: “Bämm!”

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Oh Gott, was für ein niveauloses Thema. Na ja, zum Glück weiß ich kaum was über die Fälle, ändern wir das mal nicht groß. Also, Pocher hat vor laufender Kamera von einem südländischen Kollegen eins in die Fresse bekommen, weil er irgendeine Frau verteidigt hat, die wohl mit Vergewaltigungsbeschuldigungen um sich geworfen hatte, und der Comedian Chris Rock von Will Smith, als er sich über den Haarausfall von dessen Frau lustig machte. Faszinierend. Letzteres dürfte die medial am meisten beachtete Gewalttat begangen von einem Schwarzen an einem anderen Schwarzen gewesen sein, seit ersterer Schwarzer das letzte Mal in einer Polizeiuniform steckte.

Den Oscars, bei denen sie sich ereignete, dürfte das Ganze wiederum sehr zugutegekommen sein: Die Einschaltzahlen waren nämlich in den letzten drei Jahren auf ein Drittel zusammengeschrumpft. So richtig echt sah das Ganze ehrlich gesagt auch nicht aus – Smiths Rage wirkte sehr unorganisch und forciert, Rock machte keinerlei Abwehrbewegungen, wie sie eigentlich natürlich in uns allen instinktiv drinstecken, auch wenn sie nicht immer in besonders anmutiger Art und Weise hervortreten, siehe Pocher. Rock machte daraufhin nahtlos in Showman-Manier weiter, was bei mir auch ein paar Fragen aufwirft: Das alles trifft dich so unvorbereitet, dass du nicht einmal ‘ne Hand hebst, um dich zu schützen oder so, bringt dich aber trotzdem so wenig aus der Fassung, dass du Sekunden später wieder lockere Sprüche klopfst? Fällt für mich doch sehr aus dem Rahmen des Gewöhnlichen. Jim Jefferies, ein anderer Comedian, hat ja auch mal auf‘s Maul bekommen bei einem Auftritt. Er zog sich daraufhin aber für mehrere Minuten hinter die Bühne zurück und machte dann erst, sichtlich verdattert, weiter.

Der Verdacht, der hier im Raum steht, muss ja eigentlich gar nicht mehr ausgesprochen werden. Ich bin also von nun an einer neuen Verschwörungstheorie anhängig, ich bin ein Backpfeifen-Truther. Das ging schnell, ein 30-sekündiges Video hat gereicht. Ich hoffe, diese eine Verschwörungstheorie ist jetzt mal für das Medien-Narrativ harmlos genug, dass wir sie zur Abwechslung mal äußern dürfen, ohne von Twitter und aus dem Job zu fliegen. Wär‘ doch auch mal was.

Es wäre auch einfach unglaublich lustig, wenn das wirklich fingiert war, damit mal wieder irgendwer in den Scheiß einschaltet. Ich meine, wie tief kann man denn eigentlich sinken, dass man die ehemals wahrscheinlich meistbeachtete Preisverleihung der Filmindustrie jetzt mit Pro-Wrestling-Elementen aufpeppen muss? Was zieht ihr denn dieses Jahr eigentlich bei Eurovision ab, damit wir uns diese Freakshow noch einmal reinziehen? Verkloppt Conchita Wurst die dicke Israelin mit einer Eisenstange? Ihr müsst uns ja schon was bieten.

Was Pocher angeht, das sah für mich echt aus. Dass er nicht der beste Schauspieler Deutschlands ist, sollte durch seine Filmografie hinreichend belegt sein, und um die völlig überwältigte Reaktion so vorzumachen, wie sie auf dem Video aussah, bräuchte es meiner Einschätzung nach eine deutlich größere Begabung, als er sie je zur Schau gestellt hat. Wirklich gut weg kam er bei der Geschichte ja auch nicht, das wurmhafte Zusammenkrümmen, das wir da sahen, kombiniert mit keinerlei Ansatz von Gegenwehr, wäre zwar wahrscheinlich die Reaktion von 95 Prozent der heutigen Malte-Sören-Population, aber wenn man schon so einen Publicity-Stunt hinlegt, will man sich doch wohl etwas anders darstellen. Zumindest ein Trittchen zurück wäre ja wohl drin gewesen.

Im Endeffekt kamen hier ja sogar beide Seiten scheiße weg, Pocher wirkte halt wie ein Würstchen, aber der andere Typ hatte das ja auch nicht gerade ehrenvoll gemacht. Pocher wurde ohne Vorwarnung im Sitzen attackiert, wo man sich ja sowieso kaum wehren kann. Hätte er natürlich eh nicht gemacht, das hat auch diese Reaktion jetzt gezeigt, aber ich verstehe trotzdem nicht, warum der wesentlich stämmigere Kollege nicht einfach einen stehenden Moment abgepasst hat. Tiefe Sorge vor Pochers Vergeltung könnte ich mir nämlich schwer vorstellen.

Wie dem auch sein mag, nächste Woche lacht mich hoffentlich mal wieder ein Thema oberhalb des Niveaus der Klatsch- und Tratschseiten in der „Bild“-Zeitung hinter den Tittenbildern an, aber manchmal muss es eben auch mal die unterste Schublade sein. Mir fällt abschließend noch ein, dass ich Pocher mal im echten Leben gesehen habe, und zwar in einem Kölner Kino bei der Premiere irgendeiner Pastewka-Staffel. Hab‘ ihm nicht in die Fresse gehauen. Er saß ja auch.

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