Frankfurter Buchmesse – Ideologie und neue Bruchlinien

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Am vergangenen Wochenende fand in Frankfurt am Main erneut die Buchmesse statt, das womöglich größte Buchevent überhaupt. Anders als noch im Vorjahr gab es diesmal keine Corona-bedingten Einschränkungen. Viele internationale Verlage kehrten nach dreijähriger Pause zurück in die Messehallen, einige andere blieben jedoch zu Hause. Die Zahl der Aussteller hat sich im Vergleich zu 2019 mehr als halbiert. Mehrere Verleger berichteten, dass die zweieinhalb Jahre des Messeausfalls in der Branche nicht grundsätzlich zu Umsatzeinbußen geführt hätten. Für viele Verlage lohne es sich nicht mehr, auf der Messe vertreten zu sein. Die Standgebühren sind horrend, die Besucherzahlen rückläufig. Die Präsenz auf der Messe gilt in erster Linie noch dem Prestige. 

Trotzdem wohnten mehrere Tausend Verlage, Buchhandlungen oder Stiftungen dem Event bei und füllten die Reihen mit Leben und dem Abbild des Zeitgeistes. Erstmals wurde seitens der Messeleitung sogar ein sogenanntes „Awareness-Team“ eingesetzt, eine mobile Melde- und Beratungsstelle in Diskriminierungsfällen für alle Messeteilnehmer. Im Vorfeld hatte eine Frankfurter Grünen-Politikerin den Rücktritt des Messeleiters Juergen Boos gefordert. Grund dafür war die erneute Teilnahme der „Jungen Freiheit“ als  Aussteller. Weil die „Junge Freiheit“ kommen durfte, hatten auch dieses Jahr mehrere sogenannte Journalisten und Publizisten wie beispielsweise Jasmina Kuhnke vom Rowohlt Verlag ihren Boykott der Veranstaltung angekündigt. 



Trotz dieses überheblichen Virtue signalling blieb der Andrang linker Ideologen auch in diesem Jahr nicht aus, ganz im Gegenteil. Die Vereinten „Verlage gegen Rechts“, die Bundeszentrale für politische Bildung, die Bundesregierung sowie die „üblichen Verdächtigen“ zeigten in üblicher Queer-Manier und Anti-rechts-Haltung erneut Gesicht für Toleranz und Vielfalt. Skandinavische Kinderbuchverlage legten Bilderbücher über queere Kommunen aus. Zeitgleich stieg auch die Präsenz islamischer Verlage und Vereine an. Sie verteilten Handreichungen gegen die Islamkritik der AfD oder versuchten, deren Kritik am islamischen Frauenbild zu relativieren.

Wenn Frauen nur in Saudi-Arabien nicht Auto fahren dürfen, sei das Anprangern des Führerscheinverbots hinfällig und der Islam somit nicht frauenfeindlich, so die Logik der „Aufklärungsbroschüre“ der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland KdöR.

Während der größte Teil der Aussteller dem Zeitgeist frönte, machte sich vor allem an den Ständen linksextremer und kommunistischer Verlage der Unmut breit. Am Stand der „jungen Welt“ wetterte ein altlinker Journalist unüberhörbar laut gegen die Pro-NATO- und Pro-Kriegs-Haltung der Grünen und Mainstream-Linken. An den Ständen der Anne-Frank-Stiftung oder des Manifest Verlags ließ sich Ähnliches vernehmen. Der ukrainische Präsident Selenskyj trat per Video auf der Messe auf. Indessen fühlten sich die alten Marxisten, Trotzkisten und Leninisten verraten und verkauft.

Die Bruchlinien innerhalb des linken Spektrums könnten womöglich nicht größer sein. Die Ideologisierung der Kulturbranche hat auch in den letzten Jahren erkennbar zugenommen.

3 Comments

  1. Dieser Bruch zeigt sich exemplarisch an der Partei Die Linke: war man bislang „gegen rechts“ oder im Regenbogendelirium noch scheinbar vereint, werden nun die Gegensätze wieder deutlicher sichtbar. Die Marxisten mit geschultem analytischen Verstand und historischer Kenntnis haben einen viel klareren Blick auf die aktuelle Lage als die woken, ungebildeten Wirrköpfe, die dem System dienen. Leuten wie Dehm, Lafontaine oder Wagenknecht kann ich weitgehend zustimmen in ihrer Analyse der Nato-Politik oder des Machtkartells hierzulande. Sogar die „Junge Welt“ lese ich, zu gewissem Teil, wieder mit Gewinn. Sogar in der Migrationsfrage sind intelligente Linke anschlussfähig für eine kritische Position, weil sie deren soziale Verwerfungen durchaus sehen können. Da deutet sich an, was vom Kartell als „Querfront“ gefürchtet und deshalb so energisch verteufelt wird.

  2. Die kommunenbunte Revolution frißt ihre eigenen Eltern.
    Mein Mitleid hält sich doch sehr in Grenzen, mein Ärger darüber was diese Gestalten währenddessen an Kollateralschaden angerichtet haben hingegen umso weniger.

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