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Fünf Dinge, die Du in der Weihnachtszeit tun solltest

8. Dezember 2023

Auf den Marktplätzen reihen sich die Holzbüdchen aneinander, in der Werbung erzählen mir Globohomokonzerne, dass ich es jetzt ruhiger angehen soll, und – sieh an, wer hätte das gedacht! – es fällt sogar Schnee. Drei untrügliche Zeichen dafür, dass die Weihnachtszeit naht. Ich mach‘s kurz: Ich kann Weihnachten nicht leiden. Ich mag einfach die künstlich erzeugte Atmosphäre nicht, und vor allem ist mir dieses Schenken unter Beobachtung zuwider. Nicht dass ich nicht gerne schenken würde, ganz im Gegenteil. Aber für mich ist das eine persönliche Sache, wenn wir mal von Präsentkörben anlässlich irgendwelcher Jubiläen absehen. Diese ganze heile ZDF-Weihnachtsfilm-Scheiße, dieses Frost-am-Fenster-Gedöns, dieses aufgesetzte Ritual eben, um dessen Leere doch jeder weiß – ich erzähl Euch nichts Neues, Ihr wisst ja eh, was ich meine.

Na gut, es ist eben einmal im Jahr, was will man machen? Vielleicht schafft man es zwischen dem dritten Feiertagsessen und der 80. Wiederholung von „Aschenbrödel“ ja doch, so etwas wie Besinnlichkeit zu finden. „Quality Time“, wie der Plastikmensch sagen würde, während er beim laufenden Twitch-Stream sein Madenmehl in die Sojamilch verrührt.

Nein, es muss auch in dieser konzentrierten Zeitspanne irgendeinen Akt geben, aus dem sich etwas schöpfen lässt. Sei es Ruhe, sei es Zufriedenheit, sei es ein kreativer Gedanke. Man kann sich nicht jedes Jahr auf‘s Neue über den unseligen Kommerzkitsch und die bucklige Verwandtschaft ärgern, ohne selbst auch nur ein Quantum zur Rehabilitierung einer Tradition beizutragen, die für uns Konservative heilig sein sollte.

Hier sind sie also nun – fünf Dinge, die Du tun solltet, um Weihnachten aus den Fängen des Zeitgeists zu befreien und mit neuem, altem Leben zu erfüllen:

1.) Dieses Jahr feiert die Weihnachtskrippe ihr 800. Jubiläum! Im Jahre 1223 stellte der heilige Franz von Assisi im italienischen Greccio ein Krippenspiel mit echten Menschen und echten (lebenden) Tieren nach. „Experten“ zerreden das zwar mittlerweile, weil das ja heutzutage der Job von Experten ist, aber irgendwann muss diese schöne Tradition ihren Anfang genommen haben. Warum also nicht im Winter des Jahres 1223 vor den Augen italienischer Bauern, denen der gute Franz damit ganz plastisch eine Schlüsselszene des Neuen Testaments veranschaulichen konnte?

Die deutsche Weihnachtskrippentradition zeugt von liebevollem Detailreichtum und lokaler Interpretation. Als kleines Kind dachte ich wirklich, dass vor 2.000 Jahren die Häuser in Betlehem aussahen wie der Pachthof von Wurstlhuber. Erst später sah ich Krippen, in denen nicht nur das Gebäude, sondern auch die Darstellung der Figuren mehr dem Orientalischen nachempfunden war. Was man mehr schätzt, ist eigentlich zweitrangig. Wichtig ist die Liebe zum Detail – je mehr Zeit der Krippenbauer in sein Diorama steckt, desto mehr hat der Betrachter schließlich zu bestaunen. Daher meine Empfehlung: Krippenausstellung besuchen, betrachten, staunen, Zeit nehmen. Zu Hause dann gerne selbst eine Krippe aufstellen.

2.) Lebkuchen! Ich rede hier nicht vom roten Karton aus dem Discounter mit der verheißungsvollen Aufschrift „Herze, Sterne, Brezeln“. Mir kommt nur noch Qualitätsware auf den Tisch, etwa die Elisen von Lebkuchen Schmidt oder auch gerne mal eine Kostprobe vom Weihnachtsmarkt. Lebkuchen ist ein sehr, sehr gehaltvolles Gebäck und sollte in Maßen genossen werden. Aber was das dann für ein Genuss ist, unbeschreiblich! Selbstverständlich isst das Auge mit – die bereits erwähnte Firma Schmidt wartet seit Jahrzehnten mit ihren schönen Blechdosen auf. Nürnberger Stadtansichten, Kaiserporträts, Ritter, Burgen,… – einfach herrlich! Auch die Spekulatiusfraktion kommt auf ihre Kosten.

Es soll ja Maden geben, die sich bereits im September die Weihnachtsware einverleiben. Ekelhaft! Für Kulturmenschen beginnt die Zeit des gewürzten Gebäcks pünktlich ab dem 1. Advent und wie alles Schöne muss auch sie irgendwann (zwischen den Jahren) ihr Ende haben.

3.) Märchen, Sagen und Legenden: Es ist kalt, es ist nass, es wird früh dunkel. Liegt kein Schnee, ist der Dezember auch nur ein weiterer November. Aber mit oder ohne Dichtkristallpulver ist die Weihnachtszeit die Gelegenheit, um sich mal wieder Zeit für die wirklich wichtigen Dinge zu nehmen: die Geschichten, die uns zu dem gemacht haben, der wir heute sind. In jeden Haushalt gehört mindestens ein Märchenbuch – die schönen, mit den detailreichen Illustrationen und ungekürzten Texten gibt es für die sprichwörtlichen Appel und Ei in der Auslage jeder Buchhandlung. Zur liebgewonnenen Tradition gehört für viele mittlerweile auch „Der Herr der Ringe“. Warum nicht? Lest und schaut, was Euch erbaut.

4.) Kurz und knapp: Eine Kerze am Fenster für alle, an die wir denken. Eine Sache, die keiner Erklärung bedarf, sondern die man macht, weil man das schon immer so gemacht hat.

5.) Moderne Kommunikation nervt unfassbar. WhatsApp-Gruppen, unbeantwortete Nachrichten, hier ein Smiley, da irgendein dummes Video. Ständiger Druck, zu antworten, zu kommentieren, die Aufmerksamkeitsökonomie am Laufen zu halten. Digitale Kommunikation ist der Krebs unserer Zeit. Besorgt einfach ein paar Weihnachtskarten und schickt handgeschriebene Grüße, also echte Aufmerksamkeitsbekundungen an die Menschen, die Euch wichtig sind. Wer erwartet denn heute noch so etwas wie eine Weihnachtskarte, wenn er den Briefkasten aufmacht? Eben! Im Alltäglichen entfaltet jede reaktionäre Geste ihre maximale Wirkung.

Friedrich Fechter

Fechter studiert im Herzen Deutschlands und muss sich an seiner linksversifften Universität den typischen Gängelungen aussetzen. Er interessiert sich für Kunst, Geschichte und ist Meister der Halbsätze. Als Fechter das erste Mal ein Cover der Krautzone sah, hielt er das pixelige Layout für eine durchtriebene Werbestrategie. "Bestimmt", dachte er sich beim Durchblättern, "hier sind verschlagene Profis am Werk."


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