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Geisteskrank und bösartig

15. Februar 2024

Seit einiger Zeit bemühe ich oft und gern die Binsenweisheit, dass Linke geisteskrank und bösartig sind. Der Ausspruch resonierte in weiten Teilen unseres Lagers und hat inzwischen gar zu einer innerrechten Debatte darüber geführt, ob und in welchem Maß man Linken ihre bösartigen Ziele und die Mittel, mit denen sie diese verwirklichen, moralisch anlasten kann, sprich: ob sie tatsächlich bösartig sind.

In dieser Debatte selbst mache ich ironischerweise genau die Schwäche aus, von der ich uns mit dem Frame heilen möchte. Wenn bei den Linken einer von uns als, na ja, einer von uns, ergo Feind, markiert wird, dann gibt es keine langen philosophischen Abhandlungen darüber, inwieweit dieser Feind auch verantwortlich für sein Feind-Sein ist, dann gibt es Angriffe auf verschiedensten Ebenen: Konto weg, soziales Umfeld weg, Einkommen weg, und da hört es nicht auf. Das ist, ohne größere Reibung im linken Lager auszulösen, der Fall, weil sie starke moralische Frames gegen uns haben: Nazi, Faschist, Rassist, ihr kennt die Liste. Die inhaltliche Kernaussage dieser Worte ist im Wesentlichen deckungsgleich mit den Worten „bösartig und geisteskrank“, jedoch schwingt der metaphysisch bösartige Totschlaghammer von Holocaust, Sklaverei et cetera mit und sorgt dafür, dass eine innerlinke Debatte über die Bösartigkeit der Gegenseite gar nicht erst entsteht. Und das ist eine Stärke.

Dieser Frame, die Herrschaft des unhinterfragbar Bösartigen verhindern zu müssen, ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die verschiedenen Schichten linker Akteure sich nicht bedeutungsvoll voneinander distanzieren. Auch wenn das Vorgehen von Untergruppe XY Untergruppe YZ widerstrebt, nimmt Kritik daran eine strategische Form an, im Sinne von: „Das hilft aber am Ende nur den Nazis“. Genauso sollte es auch bei uns sein: Moralisch schlecht kann eine Maßnahme in erster Linie (!) nur sein, weil sie dem übergeordneten Bösen in die Karten spielt. Was wiederum ein völlig valider Punkt sein kann. Ehrlich empfundener Herzschmerz über übermäßiges Leid auf Seiten des Feindes jedoch ist Schwäche. Und zwar eine Schwäche, die der Feind uns gegenüber seit Langem überwunden hat, was es notwendig macht, auch hier mit ihm gleichzuziehen.

Das heißt nicht, dass extreme Grenzüberschreitungen in den eigenen Reihen niemals moralisch verurteilt werden dürfen. Diese direkte moralische Verurteilung darf nur niemals im Vordergrund stehen. In der Praxis findet alles, was ich gerade beschreibe, auf der Gegenseite bereits selbstverständliche Anwendung.
Ganz ehrlich: Keine noch so niederträchtige Tat würde dazu führen, dass sich der linke Komplex in Politik, Medien oder Kultur vom Täter distanzierte. Man würde sich zwar etwa von ausufernder Gewalt kurz und knapp distanzieren, jedoch eingebettet in eine Anprangerung des Propagandasieges, der für den Feind daraus resultiert. In Politikersprache: „Wir verurteilen den Anschlag auf AfD-Politiker XY. Gewalt ist niemals die Antwort und gibt den rechten Scharfmachern nur die Gelegenheit, sich in der Opferrolle zu suhlen. Wir müssen die Feinde der Demokratie argumentativ stellen.“ Zack, ausdrücklich von der Gewalt distanziert und gleichzeitig trotzdem wieder die Priorität auf die Verkommenheit des Feindes gelenkt.

Hinzu kommt, dass Rechte bislang völlig unfähig waren, ein tatsächlich abschreckendes Stigma für’s Linkssein zu entwickeln. Einen miesen Geruch, den niemand an sich haften haben möchte. Worte wie „Gutmensch“ spiegeln, wenn sie nicht in Bezug auf naive Muttchen, die wegen des Klimas die Grünen wählen, sondern auf ernsthafte linke Akteure gebraucht werden, im Gegenteil in trauriger Manier wieder, dass selbst relevante Teile des rechten Lagers den Feind nicht als solchen erachten, sondern für wohlmeinende Sensibelchen halten. Mit der Popularisierung vom Kerninhalt der Anti-rechts-Frames gegen links beheben wir beide Probleme.

Ups, jetzt habe ich den gesamten Artikel lang rein strategisch und mit keiner Silbe inhaltlich argumentiert. Äh, sie schneiden kleinen Kindern den Pipimann ab, wollen den Menschen aus jeder bedeutsamen Identität herausbrechen, um ihn in einer bunt angemalten grauen Masse dahinvegetieren zu lassen, und rotten uns auf Raten aus. Das wird fürs Erste als unser metaphysisches, nicht zu hinterfragendes Böses herhalten müssen.

Shlomo Finkelstein

Shlomo Finkelstein wollte immer schon irgendwas mit Hass machen. Seit 2015 erstellt er als "Die vulgäre Analyse" Videos, und seit 2019 zusammen mit Idiotenwatch den Podcast "Honigwabe".

Belltower News schreibt über ihn: "Da er vorgibt, sein Hass sei rational begründet, sind besonders junge Menschen der Gefahr ausgesetzt, die Thesen für bare Münze zu nehmen und sich so zu radikalisieren."


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