„Hart aber fair“ – Die Expertendiktatur weiß, was gut für dich ist

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Wie sich rumgesprochen haben dürfte, hat „Hart aber fair“, das „knallharte Polit-Talkmagazin im WDR“, einen neuen Moderator: Louis Klamroth, den romantischen Partner der Fridays-for-Future-Anführerin Luisa Neubauer. Noch vor wenigen Tagen hieß es, Klamroth habe die Beziehung dem Sender gegenüber verschwiegen und „hätte diesen Job eigentlich nicht bekommen dürfen“, gestern, am Dienstag, allerdings sagte eine WDR-Sprecherin dann dem „Focus“, er habe sie vor Vertragsabschluss darüber informiert. Wir haben es also bei den Verantwortlichen wieder einmal mit einem Bedauern nicht ihrer Handlung, sondern des Umstands, dass sie erwischt wurden, zu tun, und ich bin nicht sonderlich überrascht.

Ich stellte vor einigen Wochen, als die Geschichte erstmals bekannt wurde, ja schon die Frage, wie man mit dem offensichtlichen Interessenkonflikt der heißen Luft, die im Hause Klamroth/Neubauer herrschen dürfte, wenn ein Zögling Luisas dort zu kritisch hinterfragt würde, umgehen wolle. Es wurde zunächst großspurig angekündigt, Neubauer selber nicht mehr einzuladen. Wow. Keine Pärchenabende zwischen der deutschen Ausgabe von Greta und dem superneutralen Moderator also im WDR, professionell und vorbildlich gelöst. Aber wer soll uns denn dann darüber aufklären, welche Pipeline man als Nächstes in die Luft jagen sollte? In der Sendung am vergangenen Montag kam nun schließlich eine weitere prominente FFF-Aktivistin, Aimée van Baalen, zu Wort.

Van Baalen ist nicht nur in Neubauers Verein, sondern auch bei der Letzten Generation tätig, für die sie sich schon mehrfach auf deutsche Straßen klebte. In ihrem Namen kündigte sie gerade erst an, diesen Monat den „Protest“ bundesweit auszudehnen und den Alltag zu „unterbrechen“. Ob ein konservativer Aktivist, der als Gesicht und Sprecher für eine Aktionsform auftritt, die in Deutschland sowie Großbritannien schon Menschenleben gefordert hat, noch halbmonatlich den Weg auf kuschelige Talkshow-Couches der Öffentlich-Rechtlichen finden würde, mag sich jeder mal selber überlegen. Aber ihre bloße Anwesenheit in der Talkshow der Flamme ihrer Aktivisten-Chefin blieb nicht das einzige Brisante.



Ihre Kernforderung: „Bürger*Innen des Landes“ sollen zufällig ausgelost als „eine Art kleines Deutschland“ zusammenkommen und dann Sachen entscheiden.

Für die Politik bindend entscheiden. Eigenartiger Vorschlag erst mal, könnte verrücktes Zeug bei rauskommen, und zwar nicht ausschließlich in die Richtung, die man sich von ihrer sowie öffentlich-rechtlicher Seite wünschen würde – so man es mit dem „zufällig ausgelost“ etwas genauer nehmen würde als beispielsweise im „Bürgerparlament“, dieser NDR-Sendung, in der angeblich ganz normale Leute von der Straße ihre Ideen austauschen können sollen – in der Realität sind es meist Aktivisten und Politiker der Blockparteien unter falscher Flagge.

Aber halt, sie war noch nicht fertig: „Die werden beraten von Expert*Innen und diskutieren dort über Wochen aus, welche Maßnahmen dann wirklich umgesetzt werden.“ Auf den Einwurf „und die machen Vorschläge“ entgegnete sie: „Nein, die (Maßnahmen) müssen dann umgesetzt werden.“ Mit anderen Worten: Der akademisch-mediale Komplex wird zum De-facto-Herrscher, und jegliche Reste demokratischer Kontrolle über die Politik sollen ausgehebelt werden. Ein Haufen (vermutlich letztlich durch irgendwelche Ausschlusskriterien à la „demokratiefeindliche Facebook-Likes“) handselektierte Grünen-Gieselas und SPD-Sebastians sollen dem Ganzen einen Anstrich verleihen, dem der öko-oligarchische Charakter nicht aus jeder Pore tropft, um dann einfach alles abzunicken, was die vorgesetzten Autoritäten von ihnen wollen.

Interessanterweise greift man hier einen Ansatz der Angebeteten von Moderator Klamroth auf: Neubauer verkündete im Herbst letzten Jahres, wir hätten „keine Wahl zwischen Zeit und Demokratie“, da, wenn wir „die fundamentalen Krisen dieser Zeit nicht in den Griff bekommen“ würden, sich jedwede Demokratie sowieso erledigt hätte, da man nur noch „von Notstand zu Notstand diktiert“ würde. Es scheint Konsens bei der Habeck-Jugend zu sein, dass der Pöbel nun endlich mal auf seinen Platz und in seine Schranken verwiesen gehöre, da der drohende Weltuntergang jede autoritäre Maßnahme rechtfertige. Die klebrigere Version von Neubauer, die wir vorgestern im WDR gehört haben, hat nur noch mal versucht, der vorgesehenen Abschaffung der Demokratie einen demokratischeren Anstrich zu verleihen. Und dass dieser Versuch noch schockiert, zeigt, wie viele Leute weder den Schuss gehört noch die Lunte gerochen haben. Und dafür wird es allmählich wirklich Zeit.

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