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I Spit On Your Gravy – Hass und Hetze unter Hobbyköchen

1. Dezember 2021

Ich verstehe diesen Hass nicht. Und ich meine das vollkommen ernst. Ich verstehe den ganzen Hass und die Hetze im Netz tatsächlich nicht mehr. Vielleicht sollte ich spezifischer sein: Den unter Impf-„Pflicht“-Propaganda, Masseneinwanderungs-Werbefilmchen und „antirassistischen“ antiweißen Schmähreden, den verstehe ich sogar sehr gut. Was ich nicht verstehe, ist der Hass auf Semmelknödel, Lasagne und Vanillekekse mit Schokoüberzug.
„Wibi79“ schrieb zum Rezept „Lasagne Bolognese“ auf gutekueche.at: „Wenn es nach meinem Sohn ginge, würde Lasagne jeden Tag bei uns auf dem Tisch stehen. 😉 Schmeckt am nächsten Tag aufgewärmt noch besser.“ – 107 Dislikes, 189 Likes. „Shitake26“ wies auf die gute Einfrierbarkeit der Semmelknödel hin – 568 Dislikes, 821 Likes. „martha“ bedankte sich bei einem anderen Nutzer für einen Tipp hinsichtlich vegetarischen Kartoffelgratins, und bekundete, diesen bald ausprobieren zu wollen – 48 Dislikes zu 46 Likes. „hexy235“ zeigte sich von einem einfachen Entenbrustrezept ermutigt, sich auch mal an das Gericht zu wagen – 286 Dislikes, 261 Likes. „-michi-“ bemerkte über die Spinat-Lasagne: „Das werde ich bestimmt mal nachkochen. Feta und Spinat finde ich eine super Kombination. Kann mir noch getrocknete Tomaten gut darin vorstellen.“ Schäm dich, Michi! 28 Dislikes, 11 Likes. Solche radikalen Vorschläge spalten unsere ohnehin schon fragile Gesellschaft nur noch mehr, so hat es den Anschein.
Dass gerade bei Hobbyköchen eine derartige Grundaggressivität vorzuherrschen scheint, hat mich schon etwas verdutzt. So auch „MaryLou“, die, nachdem ihr Vorschlag, Vanillekekse in Schokolade zu tunken, mit inzwischen 615 negativen Bewertungen abgestraft wurde, ihr Unverständnis zum Ausdruck brachte: „Was hab ich da wieder Falsches geschrieben?! Ist es die Schokolade oder was ist hier los? Sie schmecken mit und ohne Schoko.“ Die Seiteninhaber sicherten ihr beruhigend zu, dass sie trotz der aufgeheizten Stimmung beim Reizthema Vanillekekse keine Selbstjustiz in der echten Welt zu befürchten habe: „Macht nichts, manche User klicken nur, um zu klicken – keine Bange, es passiert nichts.“
Es ist kurios. Ein Klima wie bei Streitigkeiten um die letzte saubere Nadel im Görli scheint zu herrschen unter diesen Familienmüttern, Hausfrauen und Freizeit-Kochenthusiasten. Wenn es um die Eierspätzle geht, hört der Spaß auf. Was, karamellisierte Zwiebeln, was? Deine Mutter ist eine karamellisierte Zwiebel.
Häufig sind es aber nicht einmal Vorschläge, wie man das Rezept noch verfeinern könnte, sondern einfaches Lob an dem Rezept. Aber das Rezept kann man doch ganz oben auf der Seite selber bewerten, und das wird auch zehntausendfach getan; und das, bei allen eben genannten Gerichten, äußerst positiv. Hasst eine kleine Minderheit diese Rezepte so inbrünstig, dass es ihr nicht reicht, diese selbst mit einem Stern zu bewerten, und sie jedem den Tag vermiesen will, dem sie schmecken?
Für Wochen habe ich nun darüber gerätselt, welche sonderbare Macht hier am Werke ist. Wildgewordene Veganer? Nein, die Dislikes erstrecken sich über die Kommentarspalten jeder Art von Gerichten, einschließlich derer, die nur aus Fallobst zubereitet werden. Wütende Kommentare findet man gleichzeitig kaum bis gar nicht, es sind tatsächlich nur die Bewertungen, die ein so negatives Bild zeichnen. Die Wortmeldungen, die das Phänomen thematisieren, drücken mehr oder minder durch die Bank Verwunderung, Verwirrung oder Bestürzung darüber aus, dass man sie scheinbar an der nächsten Laterne aufhängen will, weil sie so gerne Spinatlasagne essen. Wenn YouTube so aussehen würde wie gutekueche.at, dann könnte ich das mit den Dislikes sogar irgendwo verstehen.
Ein Benutzer namens „Mario_87“ lieferte schließlich den entscheidenden Hinweis darauf, was hier vor sich gehen könnte: „Ich behaupte mal, dass das mit den negativen Bewertungen größtenteils unabsichtlich passiert – und zwar beim nach unten Scrollen mit dem Smartphone. Ist mir selber auch schon passiert und lässt sich leider nicht rückgängig machen. Das Symbol für die negativen Bewertungen ist nämlich genau da, wo ich das Display mit dem rechten Daumen berühre. Einmal angetippt und schon ist es passiert. Hier sollte mal das Design der mobilen Website überarbeitet werden.“
Und so endete meine kleine Kaninchenbau-Erkundung der grundangepissten Plätzchenbäcker leider recht unspektakulär. Heißt das, im Endeffekt habe ich gerade einfach nur fünf Minuten Eurer Zeit mit einem völlig bedeutungslosen Bug auf einer Rezepteseite verschwendet? Ja. Muss auch mal sein. Nächste Woche geht dann weiter die Welt unter.

Shlomo Finkelstein

Shlomo Finkelstein wollte immer schon irgendwas mit Hass machen. Seit 2015 erstellt er als "Die vulgäre Analyse" Videos, und seit 2019 zusammen mit Idiotenwatch den Podcast "Honigwabe".

Belltower News schreibt über ihn: "Da er vorgibt, sein Hass sei rational begründet, sind besonders junge Menschen der Gefahr ausgesetzt, die Thesen für bare Münze zu nehmen und sich so zu radikalisieren."


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