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iStock - Solovyova

Heimat und Sommersonnenwende

26. Juni 2024

Letzte Woche war der längste Tag des Jahres. Am 20. Juni schien die Sonne circa 17 Stunden lang über Deutschland und kündigte damit den Beginn des astronomischen Sommers an. Den europäischen Völkern der vorchristlichen Zeit galt die Sonnenwende als ein wichtiger Anlass für religiöse Feiern und Bräuche, deren lebendigstes Erbe wohl das schwedische Midsommarfest ist. Es gilt den Schweden als das zweitwichtigste Fest nach Weihnachten und wurde, anders als die restlichen heidnischen Feiertage, nie christlich überformt und hat damit keine theologische Bedeutung.

So gibt es den Brauch der „Midsommarstange“, die stark an den deutschen Maibaum erinnert: Es wird ein geschmückter Baum aufgestellt, anschließend formen die Teilnehmer des Festes einen Kreis und tanzen um den Baum herum. Und da die Natur in Schweden (ebenso wie im Rest Nord- und auch Mitteleuropas) um die Sonnenwende herum noch immer ihren frühlingshaften und sprießenden Charakter bewahrt hat und die ermattende Hochsommerhitze noch auf sich warten lässt, galt sie den Menschen gerade um Ende Juni herum als quasi mystisch – Elfen, Trolle und andere magische Wesen sollen da zum Vorschein gekommen sein.

Dort, wo die katholischen Missionare im Frühmittelalter erfolgreicher waren, gibt es immer noch Relikte der heidnischen Sonnenwendfeste: So ist es beispielsweise kein Zufall, dass der Gedenktag an Johannes den Täufer auf den 24. Juni gelegt wurde – an diesem Tag wurde nach dem julianischen Kalender die Sommersonnenwende gefeiert. In einigen Teilen Europas wird an diesem Tag das sogenannte Johannisfeuer entzündet, dessen Ursprung wohl offensichtlich nicht viel mit dem Täufer Jesu Christi zu tun hat.

Nun, auch in Deutschland gibt es Sonnenwendfeiern, die hier allerdings keinen Teil des allgemeinen Brauchtums darstellen, sondern dem neuheidnischen Milieu zuzuordnen sind. Eine dieser Feiern hat in der vergangenen Woche ganz besonders die Runde gemacht und für ordentlich Wirbel und Rummel bei den Medien gesorgt: „Neonazis feiern Sonnenwende: Hitlerjugend reloaded“ titelte die linksextreme „taz“, etwas neutraler formulierte es der öffentlich-rechtliche NDR („‚Junge Nationalisten‘ feiern Sommersonnenwende in Eschede“). Richtig: Die Sommersonnenwendefeier der Jugendorganisation der „Heimat“-Partei in Niedersachsen war der Auslöser des ganzen Medienrummels. Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr man sich darüber echauffiert hat. Die linken Journalisten haben mithilfe eines Krans in das Veranstaltungsgelände filmen und so Aufnahmen von den maskierten Teilnehmern des neuheidnischen Mittsommerspaßes machen können. Da sind sie nun aufmarschiert, diese bösen Menschen (die „taz“ betonte: Die Männer haben Hemden, die Frauen Röcke (!!) getragen!), mit ihren Trommeln, ihren Fackeln und Runen! Die Frage ist nur: Warum? Warum die Mühe, warum die Empörung?

Ich selbst schere mich nicht darum. Erstens, da mir als Christ Sonnenwendefeiern recht egal sind, zweitens, weil ich mit der JN nichts am Hut habe. Und davon mal abgesehen haben diese Leute überhaupt keine Relevanz: Die Heimat ist eine Kleinstpartei, ihr stehen keinerlei Machtmittel zur Verfügung, egal in welcher Form, und ihr ästhetischer Anspruch hatte ja schon immer gewisse Mängel aufgewiesen. Da haben also irgendwo in der niedersächsischen Pampa nicht einmal 100 Altrechte eine Sonnenwendefeier im vermeintlich altgermanischen Stil organisiert (vermutlich haben die christlichen Johannisfeuer mehr mit den germanischen Bräuchen gemein als das NS-Kitschfest der JN), und schon steht das Vierte Reich vor der Tür. Es reicht auf jeden Fall aus, um mit Kamerakränen den Kram zu filmen (wie viel der Spaß wohl gekostet haben muss…), ihn zu einem bedrohlichen Filmchen zu verarbeiten und anschließend so zu tun, als sei es die wichtigste Meldung der letzten Monate. Als Sahnehäubchen regt man sich in üblich perfider Journo-Manier darüber auf, dass die JNler Sturmhauben trugen – die sie ja überhaupt erst tragen mussten, weil die Journos, die sich darüber aufregen, am liebsten ihr Leben zerstören würden.

Der Grund dafür ist naheliegend: Ablenkung. Ablenkung von all dem, was tatsächlich schiefläuft in diesem Land. Von den migrantischen Jugendgangs, die auf autochthone Kinder einprügeln oder sie gleich totschlagen (man schaue nach Gera oder Bad Oeynhausen), von den täglichen Messerangriffen, von den allgemeinen Spannungen, die in der Luft liegen. Da muss man eben den alten Nazimythos heraufbeschwören, auf den der Bundesbürger so gut konditioniert wurde. Da kann man ein unbedeutendes Treffen einer altrechten Kleinstpartei zum Vorspiel des Vierten Reiches aufspielen – und der Normie da draußen kauft es. Fragt sich eben nur noch, wie lange. Bis dahin hoffe ich, lieber Leser, dass Sie Ihre Sommersonnenwende in guter Gesellschaft verbracht haben – egal, ob dabei das Johannisfeuer oder eine Rune gebrannt hat oder ob Sie diesen längsten Tag des Jahres auf völlig andere Weise zelebriert haben.

2 Comments

  1. Solange es keinen religiösen Anspruch darstellt, ist mir das eigentlich egal. Man kann es als Folklore betrachten.
    Darüber hinaus sollte man sich mit der Heimat etwas mehr kritisch – im positiven Sinn – auseinandersetzen. Lese ich die Beiträge ihres Vorsitzenden F. Franz, habe ich den Eindruck es mit einem anständigen Menschen zu tun zu haben.

  2. Gute Einschätzung. Zusätzlich sehe ich noch das JEDER positive Rückbezug auf die Vergangenheit und deutsches/europäisches Erbe den Ruch des Verwerflichen bekommen soll und altrechte LARPer dafür einen guten Ansatzpunkt bieten, weil die Übergänge tatsächlich fließend sind. Geht mal auf einen Mittelaltermarkt in der Ostprovinz, da würden dem Taz-Schreiberling Tränchen in den Augen stehen.

    Fazit: Die Gesellschaft der besonders Guten Menschen weiß, daß ihr ohne ein beständiges Aufrechterhalten der Nazidrohkulisse die Felle wegschwimmen würden (und ahnt, daß es wahrscheinlich trotzdem passieren wird), weswegen sie immer ganz dicht an der Hysterie entlangschreiben.

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Autor

Fridericus Vesargo

Aufgewachsen in der heilen Welt der ostdeutschen Provinz, studiert Vesargo jetzt irgendwas mit Musik in einer der schönsten und kulturträchtigsten Städte des zu Asche verfallenen Reiches. Da er als Bewahrer einer traditionsreichen, aber in der Moderne brotlos gewordenen Kunst am finanziellen Hungertuch nagen muss, sieht er sich gezwungen, jede Woche Texte für die Ausbeuter von der Krautzone zu schreiben. Immerhin bleiben ihm noch die Liebesgrüße linker Mitstudenten erspart…


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