Interessante Ereignisse haben sich in der letzten Woche an der Humboldt-Universitรคt abgespielt. Die Biologin und Feministin Marie-Luise Vollbrecht gedachte am Samstag, dem 2. Juli, einen Vortrag an besagter Universitรคt zu halten, welcher sich mit der evolutionรคren Entwicklung der Zweigeschlechtlichkeit bei hรถher entwickelten Tieren beschรคftigte. Wie nicht anders zu erwarten, bekam das Vorhaben Gegenwind seitens der โwokenโ Linken und Trans-Demagogen, die die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen leugnen und auflรถsen wollen. Die Humboldt-Universitรคt reagierte ebenfalls auf eine nicht unerwartete Weise: Sie sagte den Vortrag ab โ aus โSicherheitsgrรผndenโ, wie es heiรt. Vollbrecht lieร sich das nicht gefallen, verรถffentlichte den Vorfall auf Twitter und lieร schlieรlich ihren Vortrag auf YouTube streamen โ dieses Video wurde nun von bis zu 100.000 Leuten gesehen; das ist circa das Tausendfache derjenigen, die den Vortrag verfolgt hรคtten, hรคtte er wie geplant stattfinden kรถnnen.
Was darauf folgte, war ein medialer Kleinkrieg zwischen sogenannten โTERFsโ (was ist das denn schon wieder?! โTransexclusive radical feministsโ โ kurz gesagt: Feministen, meistens aus der zweiten Welle stammend, die das Transentum ablehnen) und den โWokenโ, der nicht nur auf Twitter sein Schlachtfeld suchte, sondern auch in Zeitungen wie der โZeitโ ausgetragen wurde. Damit geriet dieser Streit in einen nicht zu ignorierenden medialen Fokus. Und wรคhrend die TERFs vehement auf den zwei Geschlechtern der menschlichen Spezies beharren, gelten eben jene fรผr die Woken als altbacken, โkonservativโ, ja gar als Steigbรผgelhalter der Rechten โ zu meinem รrgernis meine ich in diesem Zusammenhang auch das Wรถrtchen โreaktionรคrโ wieder gelesen zu haben. Jaja, so weit ist es gekommen: Die vollstรคndige Emanzipation der Frau anzuerkennen, wobei nur Frauen Frauen sein kรถnnen, gilt heute schon als โreaktionรคrโ.
So weit, so amรผsant, doch was bedeutet das fรผr uns? In erster Linie stellt sich die Frage: Sind TERFs geeignete Verbรผndete? Wohl kaum. Erstens wollen viele von ihnen gar nichts mit Rechten zu tun haben, zweitens dรผrfen wir ja wohl nicht vergessen, dass wir es immer noch mit linksradikalen Feministen zu tun haben. Mit solchen Leuten verbrรผdert man sich nicht, haben sie uns doch ebenso hart bekรคmpft, wie es die Woken nun mit ihnen tun. Eher sollten wir uns zurรผcklehnen und die Schlammschlacht genieรen โ ja, eher noch รl ins Feuer gieรen. Die TERFs lieรen sich fรผr die Schwรคchung des linken Lagers doch gut ausnutzen, oder nicht? Sie wรคren der ideale Keil, um zumindest einen kleinen Riss in die gegnerischen Reihen zu reiรen. Ideales Kanonenfutter also.
Hinzu kommt, dass einige TERFs glauben, die Woken kรถnnten mit Argumenten รผberzeugt werden. Das wollen sie nicht. Man kann noch so viele Vortrรคge รผber die Zweigeschlechtlichkeit oder รผber Geschlechtsdimorphismus halten, es wird sie nicht interessieren. Die TERFs stehen ihren machtpolitischen Zielen im Weg, deshalb gehรถren sie beseitigt. Wie in den letzten Kolumnen herausgestellt, arbeiten die Woken an der Auflรถsung der Geschlechter, da sind Vortrรคge dieser Art eher hinderlich. Deshalb โ weg damit. Es geht hier um Macht, nicht um ehrlichen Austausch. Das sollten alle mal langsam begriffen haben…
Wie oben angedeutet, hรคlt sich mein Mitleid mit den TERFs in Grenzen. Ihnen haben wir es zu verdanken, dass das geistige Nest, in dem der Wokismus ausgebrรผtet wurde, erbaut worden ist. Und das sollen sie ruhig zu spรผren bekommen. Nur weil Stalin Trotzki bekรคmpft und besiegt hat, muss man noch lange kein Mitleid mit dem Eispickelschรคdel aufbringen, nicht wahr? Daher meine einzige Frage, die ich an die TERF-Fraktion zu richten habe: Wie fรผhlt es sich an, von der eigenen Revolution gefressen zu werden?

