Inflation Reduction Act

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Ja, der Klimawandel – was haben wir ihm nicht alles zu verdanken? Teure Elektroautos in Zeiten von Strommangel, unzählige neue Gesetze und Vorschriften für Häuslebauer und solche, die bereits ein bescheidenes Eigenheim besitzen und bewohnen. Kaum ein westliches Land, das nicht unter Inflationsraten leidet, die dessen sich mittlerweile krumm und bucklig gearbeiteten Bevölkerung drohen, endgültig das Genick zu brechen. Und, ach ja, fast hätte ich es vergessen, das mittlerweile zum ständigen Begleiter gewordene schlechte Gewissen, das sich zu Wort meldet, wenn man Hand an den Heizungsknopf legt oder im Supermarkt ein Päckchen Papierservietten mit Weihnachtsmotiv kauft, weil man wenigstens einmal im Jahr zur Feier des Herrn die Festtafel ansehnlich schmücken möchte.

Wir schlucken das alles brav und kämpfen weiter, denn schließlich ist das unsere Pflicht. Außerdem meckern wir ja sowieso notorisch auf hohem Niveau. Tun Staat und EU nicht alles dafür, uns bei unserem Kreuzzug Richtung „klimagerechter“ Welt zu unterstützen, wo es nur geht? Subventionen und Entlastungen winken doch an jeder Straßenecke! Und im Geldtopf aus Brüssel warten noch Zweidrittel der 730 Milliarden Euro des Coronahilfsfonds auf ein neues Zuhause. Wird also schon werden, denkt man bei sich. Europa für den Rest der Welt.

Oder doch nicht ganz? Fasst könnte man bei all dem Eigenlob vergessen, dass hinter dem großen Teich ein anderer Riese schlummert, der den Zweitnamen „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ trägt. Dieser Riese hat ein etwas anderes Verständnis von der Rettung der Welt, und ob man es glaubt oder nicht, dieses Verständnis ist partei- und vom jeweils amtierenden Präsidenten unabhängig: America First.

So geschah es nun, dass aufgrund verschiedener globaler Ereignisse (neben der ausgerufenen „Klimakrise“) auch dieser Riese mit gewissen Problemen konfrontiert wurde, die die dortige Wirtschaft ins Wanken brachten. Um dieser Abwärtsbewegung zu begegnen, setzte man sich also auch dort an den Runden Tisch und machte sich auf die Suche nach Lösungen. Und siehe da, es schlug die Sternstunde des Pragmatismus: Der sogenannte Inflation Reduction Act war geboren. 



Dieses sehr umfangreiche Dokument im Detail zu beleuchten, würde hier den Rahmen sprengen (und ob wirklich sämtliche Inhalte des Dokuments dem amerikanischen Staatsbürger dienlich sind, sei dahingestellt). Von zentraler Bedeutung für den EU Bürger ist jedoch der Passus, der beinhaltet, dass bestimmte Exportgüter der USA, wenn sie zu einem überwiegenden Teil aus amerikanischer Produktion stammen, dem Käufer auch in anderen Ländern enorme Preisvorteile bieten, da sie niedriger besteuert werden. Es ist nachvollziehbar, was das bedeutet: Die ohnehin schon finanziell am Abgrund balancierenden Bürger der EU werden natürlich zum wesentlich günstigeren Produkt „Made in USA“ greifen, statt die heimische Wirtschaft mit ihrem Geld zu beglücken. 

Der Aufschrei ist groß, sehen sich unsere Vertreter in Brüssel doch mit dem Rücken zur Wand. Man reist, man bespricht sich hinter verschlossenen Türen, man zermartert sich die Gehirne, ein Ausweg muss her. Die Großen der heimischen Wirtschaft quälen sich durch schlaflose Nächte. Wird man eine Lösung finden, diese sogenannten „Subventionen“ auszuhebeln? Oder wird am Ende doch wieder der Große Bruder siegen und der geographischen Pufferzone zu Russland den Stinkefinger zeigen? Noch ist alles offen, aber große Hoffnung hat man nicht, vor allem, weil, natürlich, könnte man sagen, einmal mehr sogar unsere eigenen Mitgliedstaaten uneins sind. So will man nun in totaler Verzweiflung die WTO anrufen, auf dass diese ein Machtwort spräche, Holland und Schweden jedoch zieren sich hier als Freunde des unbegrenzten Welthandels… 

Nun fällt es dem Normalbürger schwer, komplizierte Vereinbarungen in Gänze zu durchdringen, und man wurde ja auch nicht müde, uns zu erzählen, dass die Welt komplizierter sei als Populisten es gerne verkünden. Es bräuchte schon Experten mit Sachverstand, die ja ganz offensichtlich auch immer seltener zu Lösungen fänden. Nur gut, dass es doch ab und an noch den einen oder anderen Mitbürger gibt, der sich die Funktionsweise eines Kaffeefilters nicht als Raketenwissenschaft verkaufen lässt. Wenn dieser selbst denkende Mensch dann über den Inflation Reduction Act sinniert, könnte es ihm dämmern, dass die einfachste Überlegung die beste wäre: Warum senkt man nicht einfach auch die Steuern auf Produkte aus EU eigener Herstellung? Ach so, stimmt, das geht ja nicht, denn dann bliebe am Ende kein Geld mehr für Uschi von der Leyens täglichen Friseurtermin…

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