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Die Tragödie von Iqrit

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In klassisch-liberalen, libertären und rechtskonservativen Kreisen Deutschlands ist heutzutage eine große Sympathie für Israel vorhanden. Begründet wird dies oft u. a. damit, daß in Israel Christen Religionsfreiheit genießen und nicht verfolgt werden. In der heutigen Zeit stimmt das auch größtenteils.

Was aber in diesen Kreisen gerne, aus ideologischen Gründen, ausgeblendet wird, ist die massenhafte Vertreibung von christlichen Palästinensern und der Zerstörung ihrer Dörfer während des Krieges von 1948, als sich der israelische Staat gerade in der Gründungsphase befand.

Ein besonders dramatisches Beispiel ist die Geschichte des christlichen Dorfes Iqrit (Die Einwohner waren griechisch-katholische Melkiten), dessen tragisches Schicksal sich heuer am heiligen Abend zum siebzigsten mal jährt. Denn die Geschichte des Dorfes endete nicht mit den Vertreibungen von 1948.

Im Oktober 1948 startete die israelische Armee eine Offensive, um das nördliche Galiläa unter Kontrolle zu bekommen, welches zu diesem Zeitpunkt noch von der “Arabischen Befreiungsarmee” beherrscht wurde. Ben-Gurions Ziel mit der Operation war es offenbar, wie mehrere israelische Wissenschaftler darlegten, einen von Palästinensern entvölkerten Streifen als Pufferzone an der Grenze zum Libanon zu schaffen.

Am 31. Oktober ergaben sich die Dorfbewohner den israelischen Truppen. Nur wenige Tage später, ordnete das Militär die Evakuierung sämtlicher Einwohner an. Die meisten verließen das Dorf und siedelten in das von Drusen bewohnte Dorf Ramleh um, eine Minderheit floh in den Libanon. Perfiderweise wurde ihnen aber die Möglichkeit zur Rückkehr in wenigen Wochen versprochen, sobald alle Operationen in dem Gebiet beendet waren. Doch dieses Versprechen wurde nie eingehalten, die ehemaligen Bewohner, ihre Kinder und Enkelkinder, sind bis heute “Internally Displaced Persons”.

IDPs sind Palästinenser, die während des Palästinakrieges von 1948 zwar vertrieben wurden, aber innerhalb des israelischen Staatsgebiets verblieben sind, und somit auch über die israelische Staatsbürgerschaft verfügen, aber bis heute nicht in ihre angestammten Dörfer zurückkehren dürfen. Teilweise leben sie sogar nur wenige Kilometer von ihren ursprünglichen Dörfern entfernt. Heute gibt es mehrere Tausend von ihnen in Israel, die, anders als Juden in Ostjerusalem, ihr Eigentum nicht zurückverlangen können.

Die Bewohner von Iqrit akzeptierten diesen Status jedoch nicht, und zogen vor Gericht. Dort hatten sie sogar Erfolg: Im Juli 1951 entschied das Oberste Gericht, daß die ehemaligen Bewohner zurückkehren dürfen. Da das israelische Militär aber einen neuen Einwand fand, warum dies nicht möglich war, wurde die endgültige Entscheidung auf 1952 vertagt. Doch dazu kam es nicht mehr.

Am 24. Dezember 1951, kamen erneut israelische Truppen in das Dorf und zerstörten sämtliche Häuser. Nur die Kirche und der Friedhof blieben unversehrt und das Gebiet wurde zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Damit kehrte erstmal Ruhe zu dem Thema ein.

In den 90ern kam aber wieder Bewegung in die Sache: Der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin ließ konkrete Pläne anfertigen, einen Teil des Gebietes zurückzugeben, um dort das Dorf neu errichten zu können. Doch Rabin wurde ermordet. Ariel Sharon verlautbarte schließlich 2002, daß man das Versprechen von 1948 nicht mehr einlösen könne, denn sonst würden noch mehr vertriebene Palästinenser zurückkehren wollen. Er fürchtete, Iqrit könnte zu einem Präzedenzfall werden.

Bis heute bleiben die ehemaligen Einwohner und ihre Nachfahren aber nicht untätig. Obwohl sie heute verstreut im Norden Israels leben, haben sie sich zu Organisationen zusammengeschlossen, um die Kirche und den Friedhof zu verwalten, um Sommercamps auf dem Kirchengelände zu organisieren, oder Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen abzuhalten. Zudem wird zu Beginn jedes Monats ein Gottesdienst in der Dorfkirche gefeiert.

Vor allem die dritte Generation der Bewohner Iqrits, pflegt das Erbe ihre Großeltern mit großer Leidenschaft. Sie haben den Traum an eine Rückkehr in die Heimat ihrer Vorfahren nicht aufgegeben. Dem palästinensischen Onlineportal “+972 Magazine”, sagte Suheil Khoury, der Priester Iqrits: “Es gibt drei wichtige Ereignisse im Leben jeder Person: Die Geburt, die Hochzeit und den Tod. Es ist wichtig für uns, alle drei Ereignisse in unserem Dorf erleben.”

Zum Abschluß bleibt nur zu sagen, daß es gut wäre, wenn sich hiesige rechte und alternative Kreise auch mit solchen Kapiteln der Geschichte Israels befassen würden.

11 Comments

  1. 1948 war die Staatsgründung Israels und Israel wurde unmittelbar danach von den umliegenden arabischen Staaten angegriffen. Die Geschichte spielt im Rahmen dieses Verteidigungskriegs, oder? Ich finde es seltsam, dass dies gar nicht erwähnt wird.

    • Das ist richtig, allerdings wurde Israel nicht aus heiterem Himmel angegriffen, sondern es tobte bereits seit 1947 ein Bürgerkrieg zwischen zionistischen und palästinensischen Milizen in Palästina. Das nur als Anmerkung, denn für den Fall Iqrit ist das sekundär.

      Iqrit ist einer der vielen Belege dafür, daß die "Nakhba" (Die Vertreibung der Palästinenser) Realität ist und die Palästinenser keineswegs aus Freiwilligkeit ihre Dörfer verließen, oder, weil arabische Führer ihnen dies befohlen hätten. Verschiedene israelische Historiker (zB. Tom Segev, dessen Werke ich sehr schätze) haben diesen Mythos widerlegt, der sich aber leider bis heute in liberalen und libertären Kreisen hält. Und Iqrit ist leider kein Einzelfall. Ein ähnliches Schicksal erlitt das, ebenfalls christliche, Dorf Kafr Birim.
      Die Tragik hierbei ist, daß Israel hier noch einen draufgesetzt hat und im Nachhinein ein ganzes Dorf zerstört hat und dabei Beschlüsse seines eigenen Gerichtshofs ignoriert wurden. Die ehemaligen Dorfbewohner werden bis heute gepiesackt.

  2. https://www.campus.de/pdf/israellobby.pdf

    ob sich Israel für den Westen überhaupt rechnet wollte Mearsheimer wissen und kam mit einer interessanten Betrachtung um die Ecke . Großes Hallo bei den Gutmenschen , viele Vorwürfe. aber : Staaten haben Interessen , keine Freunde . Trump war und ist beschter Israelkumpel – bringt ihm aber nüschts aldiweil er doch "irgendwie" antisemitisch unterwegs ist ( gefühlt antisemitisch ) wenn es irgendwie in den Schlampidiskurs des juste milieu passt . Die Frage lautet auch nicht : sind die Israelis gut oder böse , nett oder doof sondern : ist Israel nützlich für den Westen ? ( nato + usa ) .Wieviel Verteidigung im Pazifik und in Asien bekommt man für 30 Jahre Israelpolitik ? China breitet sich aus , die usa wollen nicht bis zur Midway-Linie verdrängt werden – dann rechnet im Pentagon jemand nach , zieht die richtigen Schlüsse , definiert neue Strategien und schon ist die us Politik für Israel teuer , nutzlos und gefährlich – Mearsheimer hat einfach mal ein paar gute Fragen gestellt – und das mag man in der "Zeit" und "sz" Redaktion nicht . Abgesehen davon sind 260 taktische Kernwaffen in den Händen nervöser Menschen keine gute Idee

    • Schreib doch mal aus geopolitischer/neorealistischer Sicht einen Gastartikel zu dem Thema (gerne auch die PoWi-Schulen ansprechen, und dass viele Leute ja noch immer dem konstruktivistischen Ansatz nachhängen und sich dann auf einmal aus allen Wolken fallen, dass es nur um Macht geht)

  3. Wer sich Christ nennt und für Israel auch nur irgendwelche Sympathien hegt, ist ein Heuchler. Und Leute, die nur für christliche Palästinenser Sympathie haben, mal genauso. Find es als Assyrerin übrigens auch witzig, wie der Schreiber von dem Artikel eine deutsche Kartoffel ist, die sich im Internet als „Nahostexperte“ darstellt. Einfach nur peinlich

    • Blöd nur, daß der Verfasser dieses Artikels keine "deutsche Kartoffel" ist, sondern Österreicher mit tschechisch-polnischen Vorfahren 😉
      Ich weiß zwar nicht, wo geschrieben wurde, daß ich nur für christliche Palästinenser Sympathien habe. Meine Sympathien gelten Armeniern, Suryoye, christlichen Libanesen, Syrern oder Irakern, sowie Nichtchristen wie Drusen, Eziden oder Alawiten.

      Keine Sorge, eines, was ich definitiv nicht sein will, ist "Nahostexperte". "Experten" gibt es nämlich eh viel zu viele 😉

      • Als Christ muss man den Zionismus allein schon deshalb ablehnen, weil der Dispensationalismus eine Häresie ist. Aber natürlich auch, weil es einfach das Richtige ist, wenn man sich ansieht, was mit der palästinensischen Bevölkerung gibt, aus einer christlichen Perspektive.

        "Suryoye" bzw. "Aramäer" finde ich als Begrifflichkeiten nicht gut, es sind Assyrer.

        Naja, ich finde dieser Artikel vermittelt den Eindruck, dass für dich die muslimischen Palästinenser nicht von Belang sind. Und das finde ich nicht gut. Auch zeigt sich hier schon wieder, dass du keine Ahnung hast, wenn du pauschal von "christlichen Libanesen" sprichst. Denkst du, die Maroniten, die für Sabra und Shatila verantwortlich waren, sind mit griechisch-orthodoxen Christen der SSNP gut? Vielleicht informierst du dich erstmal bevor du, wegen deiner Selbstüberschätzung, denkst, du bist qualifiziert für das schreiben von Artikeln.

  4. re "E." Wotan sei Dank muss ich mich nicht mit den Problemen der 3. Welt beschäftigen – dafür gibt`s Frontex und Militär ; grundsätzlich sollten sich alle europäischen Völker gegen die Zumutungen dysfunktionaler Minderheiten schützen .

    Der Monothesimus an sich ist ein Irrtum – so wie alle orientalischen "Gesellschaften" gescheitert sind . Wir fliegen zu den Sternen und der Weltmitbürger zündet Autoreifen an und belästigt die Nachbarn – ob das nun Israelis sind oder nicht spielt keine Rolle – bestimmte Leute kriegen ihren irrationalen Impuls nicht in den Griff und werden zum Problem . Der Palästinaversteher bei der "taz" und beim "deutschlandfunk" ist eben ein Idiot .Diese Welt wird durch mehrheitlich weiße Technikmänner definiert – gewöhnt euch dran und geht uns nicht auf den Sack .

  5. Wie es in “Der Diktator” von Sacha Baren Cohen hiess: “Für mich seid ihr alle Araber!” Alle 3 Nahostreligionen sind rückständig, aggressiv missionierend und grausam gegenüber Tieren. Letzteres vor allem verübt von Moslems und Juden. Es wäre besser, wenn sich die europäischen Völker dem arischen Buddhismus oder Hinduismus zuwenden würden.

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