Karneval, Krieg, Corona

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Der Februar neigt sich dem Ende zu. Seit vier Tagen herrscht Krieg zwischen der Ukraine und Russland – Bilder von Panzern, Raketen und Explosionen. Etliche Prominente kündigen bereits Geldspenden an die Ukraine an. Im Bundestag kam es am gestrigen Sonntag zu einer Sondersitzung.

Zeitgleich gingen am Wochenende mehrere Hunderttausend Menschen auf die Straße. In Berlin ist die Rede von 500.000 Personen, die sich der Friedensdemo angeschlossen hätten. Wer es nicht schafft, rechtzeitig auf die Straße zu gehen, kann der Welt wahlweise mit einem Ukraine-Profilfilter auf Facebook zeigen, wie solidarisch er doch ist. 

Grüne und Linke können erstmalig feststellen, dass ein Krieg nicht mit Einhornpanzern, Offizier*innen im Minirock und Verteidigungsministerinnen im rosa Kostüm geführt wird. Nach anfänglicher Sperre liefert Deutschland nun doch Waffen an die Ukrainer. Helme und Streuselkuchen haben eben nicht gereicht. Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte gestern an, 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr lockerzumachen. 

Während allerorts von Krieg gesprochen wird, kritisierte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach dieser Tage, es gäbe „Besseres zu tun, als sich mit den Großmachtfantasien von Putin zu beschäftigen“. Für ihn müsse die Bekämpfung der Corona-Pandemie sowie die des Klimawandels im Fokus stehen. Die Regierung gab vor Kurzem bekannt, dass Deutschland nicht auf russisches Gas angewiesen sei, solange es nicht kalt wird. Vielleicht sollte man an dieser Stelle doch den Klimawandel begrüßen, um sich endgültig von russischen Rohstoffen frei zu machen. 

Trotz anhaltender Corona-Maßnahmen und Krieg im Osten läuft die Karnevalssession. In mehreren Städten wurden passend dazu 2G++- Zonen eingerichtet. Feiern darf nur, wer Maske trägt und neben Impfung und Booster einen tagesaktuellen Test dabei hat. In Bonn gilt in sämtlichen Innenstadtbereichen neben der Maskenpflicht auch ein allgemeines Alkoholverbot. In diesen Bereichen darf man sich die Welt nicht einmal mehr schönsaufen.

An Weiberfastnacht musste die Kölner Zülpicher Straße zeitweise wegen des „Party-Volks“ dichtgemacht werden. Sonntagmorgen meldete die Kölner Polizei mehrere Fälle von Körperverletzung. Unter den Feiernden in Köln befanden sich auch zwei junge Frauen aus Hürth, die trotz Corona- und kriegsbedingter Karnevalseinschränkungen Party machten. „Wir wissen, dass in der Ukraine gekämpft wird. Und das finden wir ganz schlimm. Aber es ändert ja nichts, wenn wir hier aufs Feiern verzichten.“ Darauf erst einmal ein solidarischer Alkoholexzess. 

Während in Köln mancherorts der Bär steppt, ließ sich vom Karnevalstreiben im Bundesnest wenig spüren. Hier und da eine kotzende 15-Jährige in der Straßenbahn. Andernorts ein bunter Vogel mit FFP2-Maske. Karneval, Clownswelt oder beides? Die Frage bleibt an dieser Stelle offen.

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