Kellnern

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Neulich ist mir eingefallen, dass ich mal wieder etwas schreiben sollte. Doch ich kam schlichtweg nicht dazu, da ich mir in der Kneipe die Nächte um die Ohren schlug. Wer mich und meine Liebe zu frisch gezapftem Bier kennt, der hat jetzt vielleicht Angst, ich wäre zu den Alkoholikern konvertiert, aber keine Panik. Ich bin dort aus beruflichen Gründen.

Seit einigen Wochen gehe ich ab und an kellnern. Was für viele meine Freundinnen der absolute Albtraum-Job wäre, macht mir richtig Spaß. Endlich wieder Gastro-Luft schnuppern, hinter dem Tresen stehen und Bier zapfen – Weltklasse. Doch mein Tätigkeitsfeld beschränkt sich nicht allein darauf. Je nach Art der Veranstaltung muss ich Bestellungen aufnehmen, servieren, kassieren (und man muss zackig Kopfrechnen können!), abräumen, saubermachen, eindecken, spezielle Getränkewünsche der Gäste in die Realität umsetzen, Boomer-Witze aushalten,. Ich muss wissen wer wie heißt, damit ich das 27. Bier auch auf den richtigen Deckel schreibe und ab und an in der Küche aushelfen.

Wer jetzt denkt, dass es nicht Schlimmeres geben kann als anderen Menschen Getränke zu servieren, der wird es sich nach meinen Beweggründen womöglich noch einmal überlegen. Erstens: Egal, wie schwer die Gläser und Teller auch sein mögen, man schafft es in jedem Fall, alles sicher an den entsprechenden Tisch zu bringen. Das klappt.

Zweitens: Ich habe schon mit 15 in der Gaststätte meiner Tante ausgeholfen und auch zu Hause gab es immer große Feiern zu organisieren und umzusetzen. „Wir brauchen noch jemanden für den Bierwagen“, „Klara, würdest du kellnern kommen?“ „Kannst du mal eben einen Kuchen backen und nachher mitbringen?!“ NATÜRLICH. Kein Problem. Wo etwas zu tun ist, wo Menschen sind und Trubel, da arbeite ich gern. Das macht wirklich richtig Spaß. Versprochen.

Drittens: Man verdient recht schnell gutes Geld (wobei Brutto = Netto ist). Stundenlohn aushandeln und Trinkgeld kommt obendrauf. Und je höflicher und aufmerksamer man beim Bedienen ist, desto mehr gibt es davon. Meist mit den Worten „Hier Mädel, das ist für dich“. Oder ganz ohne Worte. Letztens reichte mir ein Gast die Hand und übergab mir mit dieser einen Schein. Dann nickte er mir zu und bedankte sich. Zack. So schnell geht das. Natürlich hast Du auch Leute dabei, die eher abgestandenes, warmes Bier von vor drei Wochen trinken würden, als dir auch nur einen Cent Trinkgeld zu geben. Aber das gleichen die großzügigen Menschen wieder aus.

Da ich bislang „nur“ gewöhnt war bei großen Familienfeiern auszuhelfen, stand mir die eigentliche Feuertaufe noch bevor. Denn anders als bei privaten Feten, muss man bei öffentlichen Veranstaltungen jeden sofort abkassieren, mehrere Tische gleichzeitig bedienen und das möglichst zügig. Der Männertag war angebrochen. Ab früh stand ich in der Kneipe und tätigte die letzten Handgriffe, bevor das Überfallkommando einrückte. Ein wilder Mix aus besoffenen Boomern und Jugendlichen, einigen Rentnern und gelegentlich einer Familie. Jetzt hieß es also jeden zu begrüßen, die Bestellung aufzunehmen, zu rechnen, servieren und abzukassieren.

Gelegentlich war so viel los, dass ich kaum mehr durch die Menschenmassen durchkam, um den entsprechenden Tisch zu erreichen. Rechts eine Schlachteplatte und links zwei große Biergläser in der Hand – das konnte schon mal „knifflig“ werden. Gut, wenn man in dem Fall 80% der Anwesenden persönlich kennt und Ansagen machen kann, wie „Lasst mich durch, sonst gibt’s kein Bier mehr für euch“. Dann wurde sofort Platz gemacht und mindestens einer rief immer „Lasst Klara durch, das Mädel bringt Bier!“

Manchmal machte mir die Bekanntheit aber auch zu schaffen, weil einem jeder um den Hals fiel, ganz viel zu erzählen hatte und wissen wollte, was man denn zurzeit sonst noch so macht und ob Kumpel XY meine Telefonnummer bekommt. Das stand der eigentlichen Arbeit dann etwas im Weg. Aber auch das gehört dazu und verschaffte mir an dem Tag ein fettes Trinkgeld.

Ich dachte, dieser gelungene „erste“ Tag wäre die Feuertaufe gewesen. Doch weit gefehlt. Am Tag darauf gab es eine Veranstaltung mit Live-Band, Tanzauftritten und der gesamte Saal war mit trinkwütigen Menschen gefüllt, die bedient werden wollten. Dieses Mal musste aber jede Bestellung gebongt werden, was ziemliches Neuland war. Und obwohl ich kurzzeitig 20 Tische mit jeweils acht Personen allein bediente, verlief alles sehr gut. So auch die Abrechnung nach Schichtende. Ich war beruhigt, dass ich das alles hinbekommen hatte, auch wenn es wirklich harte Arbeit war. Für kommenden Hochzeiten und Tanzabende bin ich nun wieder bestens gerüstet.

Eines sollte ich vielleicht noch erwähnen: Kaffee servieren ist DIE AUSBRUT SATANS. Wer in einer Kneipe Kaffee bestellt, obwohl er ein Bier haben könnte, der läuft sowieso nicht ganz rund. Aber diese Tasse an den Tisch zu bekommen, während man sich durch die oben erwähnte Menschenmasse drängt, ist einfach nur schrecklich. Genauso: Biergläser für Hefeweizen. Unten schmaler Fuß und am Rand einen dreimal so großer Durchmesser. Da frage ich mich wirklich, was das soll. Wovon ich persönlich auch kein Fan bin und mich ernsthaft frage, wieso man es sich bestellt, ist KIBA. Kirsch- und Bananensaft in einem Glas drapiert, als würde man mit Aquarellfarben malen.

Also eine Bitte: Liebe Leute, bestellt doch einfach ein frisch gezapftes Bier, eine rote Brause oder Pfeffi. Wir sind hier auf dem Dorf und hier wird dir niemand einen Doppel-Soja-Latte-Mist zusammenkippen. Das gibt es hier nicht. Und liebe Frauen, tut es euren Männern gleich und entschiedet euch einfach, wenn ihr etwas bestellt, anstatt eeewig zu überlegen. Macht es der Bedienung bitte nicht schwerer, als die Tabletts, die sie zu tragen hat.

In diesem Sinne – viel Spaß beim nächsten Kneipenaufenthalt.

3 Comments

  1. Vool meinne RESPEKT ! Könnte ich nie. Bin schlecht im Kopfrechenne und eine Schulprüfungssituation hat mir ein Tharuma verpasst welches dazu führt, das ich nicht mehr kopfrechnen kjann sobald mich Personne erwartungsvoll anschauen. Auch ist mir nicht entgangen wie beäugt eine Kellnerin wird wenn sie nicht megasouverän auftritt und alles locker schmeißt. Dies eextreme Beobachtung , mitunter auch mit Augenüberdrehen lässt mich jede souveräne Bedienung sehr wertschätzen. Einfach weil ich es nicht kann.
    Mit Trinkgeld hast du recht, da kann man eine Wissenschaft daraus machen wie man möglichst viel rausleiert bei Kunden /Besuchern ohne zu offensiv zu sein. A bisl Zeit lassen beim Geldannehmen kann schon die NAchdenkzeit bringen die ein Besucher braucht damit ihm einfällt das Trinkgeld angebracht wäre. WENN dies dann andere zahlende Gäste mitbekommen, geben sie automatisch auch Trinkgeld. Wenn alles zu flott geht vergessen sie darauf. Es gäbe noch mehr Tipps , sprengt aber den Ramen.

    Toller Artikel!

  2. Puh… das war ein Griff ins Klo: Erst über Freude am (Mit?)Menschen bedienen schreiben, aber dann über vergleichsweise harmlose Sonderwünsche und harmlose Eigenheiten nölen.

    Ein helles Hefe gehört zum Grundinventar, und auch für Kaffe in der Kneipe gibts einen guten Grund – zumindest für denjenigen der die Freunde und Verwandten als Fahrer wieder heil nach Hause bringen muß.

    Etwas mehr Gelassenheit wäre gut, dann machts auch mehr Spaß im Service.

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