Nettigkeiten von Anetta

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„Finkelstein ist wichtig für den Kulturkampf von rechts.“ (…) „für die extrem rechte Mobilmachung, Propaganda und im Kampf um die Meinungshoheit von unschätzbarem Wert“ (…) „nicht irgendein rechtsalternativer Medien-Aktivist“… Wow. Nein, alles gut, ich hab‘ nur was im Auge. Das ist ja das Netteste, was seit Beginn meiner YouTube-Karriere irgendjemand über mich gesagt hat.

Gut, ein paar Ecken und Kanten hatte dieser Liebesbrief dann doch, den ein Autor der Amadeu Antonio Stiftung unter der Leitung von Anetta Kahane im Verlauf der letzten Tage und Wochen in die Tasten gehackt hat. Zum Beispiel, als von meinem „selbstgefälligen Genöle“, „Gejammer“ und „pseudointellektuellen, menschenfeindlichen Dummgeschwätz“ die Rede war oder etwa davon, dass es sich bei meinem wöchentlichen Podcast um „mehrstündige verbale Folter“ handle, schimmerte schon eine gewisse Zwiespältigkeit in der Einstellung des Verfassers zu meiner Person durch, welche allerdings, eingebettet in solch süße Töne, dem Wohlgeschmack nur noch mehr Komplexität verlieh – so wie eine Prise Salz einer edlen Schokolade.

Dann stellte sich auch noch heraus, dass die lieblichen Worte mit einer zwar kleineren, aber dennoch symbolträchtigen Finanzspritze von einem US-Dollar verknüpft gewesen sein könnten. Reine Mutmaßung, aber es verdutzte mich schon etwas, wie nicht nur ein AAS-Journalist just in dem Moment, als jemand, der sich „Adolf Hitler“ nannte, einen völlig aus dem Muster unserer sonstigen Spendennachrichten fallenden Superchat über „neue Kreuzzüge“ abließ, zum Screenshotten bereit vor dem Rechner saß, sondern auch noch dieser Superchat von einer PayPal-Adresse aus gesendet wurde, die im gesamten zweieinhalbjährigen Bestehen des Podcasts noch nie zuvor an uns gespendet hatte. Eine anonyme Rose im Briefkasten, wenn man so will.

Doch die Kontaktaufnahme hatte, neben dieser knisternden Aura des Mysteriösen, auch eine, wahrscheinlich unbeabsichtigte, Schattenseite: Wohl liebevoll gemeinte Neckereien über meine berufliche Vergangenheit als „gescheiterter Grungemusiker aus NRW“, dem zu wünschen gewesen wäre, „doch zumindest ein kleines bisschen Erfolg mit seiner Musik zu haben“, da dem Internet so meine abstoßende Präsenz als Kommentator möglicherweise erspart geblieben wäre, gaben mir schon leichte Stalker-Vibes. Aber nichts für ungut, denn wir wissen alle: Genug Aggressivität an den Tag zu legen, um Neugier zu wecken, aber nicht so viel, dass man das Objekt der Begierde verschreckt, kann ein echter Drahtseilakt sein. Trotzdem hoffe ich doch, dass das Augenpaar, das mir auf dem Weg zum Bäcker ab und an aus dem Rhododendronbusch zuzwinkert, einer streunenden Katze gehört.

Ich nehme diese Aufforderung zum ersten Date also an, rechne aber nicht mit mehrstündiger verbaler Folter direkt nach dem ersten Abendessen. Ich bin nicht so ein Hetzer. Ich bin, wie Du sehr richtig schreibst, „Kolumnist beim extrem rechten Krautzone-Magazin“, und wir haben Standards. Daher auch hier noch mal die Einladung: Du schreibst von meiner „Feigheit, aus der Anonymität heraus gegen andere zu hetzen“, Du spottest darüber, wie ich mein Gesicht in Interviews verdecke. Du hast die Möglichkeit, das ein für alle Mal zu ändern: Schreib eine Mail an [email protected], liebe „Samira“ von „Belltower.News“, die ihr Gesicht genauso wenig preisgibt wie ich das (zumindest aktuelle) meinige, und wir gehen nächsten Sonntag um 18 Uhr in der „Honigwabe“ zusammen live.

Die einzige Bedingung: Wir beide mit Facecam. Keine Kartoffel, einigermaßen vernünftige Qualität. Noch wortwörtlicher kann man doch eigentlich keine „Nazis entlarven“, oder? Bisher warte ich nämlich noch auf Deine E-Mail, mittlerweile seit drei Tagen, und das, obwohl Euch mein Angebot in Videoform auf Twitter schon vielfach geschickt wurde. Weitere drei Tage hast Du noch, am Samstag muss nämlich die Folge geplant werden, und wenn wir nur darüber reden würden, dass Du nicht kamst, beschweren sich unsere Zuschauer noch über mangelnde Grausamkeit ihrer Folterknechte.

Aber abschließend noch mal ganz im Ernst: Das würde von unserer Seite aus ein faires Gespräch und selbstverständlich ohne jede Beleidigung, Untergriffigkeit oder sonstige Geschmacklosigkeit auskommen. Gezeichnet: Aron Pielka. Und nicht „Aaron“, Herrgott noch mal.

1 Comment

  1. Mir deucht, so einiges, was die werte „Samira“ dem Herrn Finkelstein unterstellt, trifft auf die Person selbst zu. Nie im Leben erscheint er/sie/es in der HW. Dann müsste man nachher noch auf Basis von Fakten argumentierte. Ist doch viel leichter, anonym, mit Rückendeckung der AA-Stiftung, zu stänkern. Ganz erbärmlich.

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