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Pfingstpredigt – Wer stoppt die Sprachverwirrung?

20. Mai 2024

Nicht schön aber teuer – diesen Eindruck bekommt man, wenn man das Gebäude des europäischen Parlaments in Straßburg besichtigt. Innen wird versucht mit bepflanzten Wänden eine Art Natur-Atmosphäre im kargen Glasbau zu erwecken, was sich irgendwie nach Science-Ficiton-Dystopie anfühlt. Von Außen sieht das Gebäude aus wie der Turmbau zu Babel im berühmten Bild des niederländischen Künstlers Bruegel. In der biblischen Geschichte vom Turmbau ging es schließlich auch um internationale Einigung. Die Idee war es die Menschheit über ein riesiges Bauprojekt zusammenzuhalten und Gott im Himmel Konkurrenz zu machen. In der Bibel heisst es:

„Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reich, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder“

Genesis 11,4

Da klingt doch was durch von der Einheit der Völker anhand der globalen Herausforderungen die bevorstehen oder? „Lasst uns eine riesige Union samt teuren Organen errichten, sonst zerstreuen wir uns noch in Nationalstaaten!“, könnte der Ruf heute lauten. Das Ziel der Einheit kann man den EU-Fanatikern jedenfalls nicht absprechen. Nach der einheitlichen Währung und der einheitlichen Gurkenkrümmung soll am liebsten die Schuldenunion (eigentlich eh schon da) und schließlich der gemeinsame Staat kommen. In den Himmel aufsteigen und sich neben Gott setzen steht auch dieses Mal mit auf dem Plan. So wurde die europäische Verfassung von vornherein ohne Gottesbezug verabschiedet und es gibt bereits die Forderung Herr über Leben und Tod zu spielen und vorgeburtliche Kindstötung als EU-Menschenrecht festzulegen. Als Christ kann man sich da schon fragen, wie lange Gott sich so etwas noch bieten lässt. In der Geschichte vom Turmbau reagiert er zumindest ziemlich lässig.

„Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten“

Genesis 11,5

An dieser Stelle hat Gott Humor. Die Bibel betont, dass er trotz Allwissenheit herunterfahren muss, weil er die Stadt vom Himmel aus leider nicht sehen kann. Damit wird die Nichtigkeit und Armseligkeit des menschlichen Hochmuts dargestellt. Der Turm ist so klein, dass Gott ihn von oben nicht mal findet. Dann kommt er herab und verwirrt die Sprachen der Völker. Dies war, nach dem Bericht der Bibel, der Ausgangspunkt der Völker und Kulturen. Die Sprachverwirrung ist damit gleichzeitig eine Strafe und Einschränkung Gottes um den menschlichen Ehrgeiz und Hochmut zu begrenzen, aber auch eine Chance für die Entwicklung mannigfaltiger Kulturen.

Nach diesem Ereignis gelingt es allerdings niemandem mehr die ganze Menschheit zu vereinen. Es gibt immer wieder Herrscher die mächtig sind und viele Völker beherrschen. Von den Babyloniern über die Perser, bis zu den Griechen und Römern in der Bibel und bis zur EU und anderen Staatenbünden heute. Eine wirkliche Einheit ist allerdings trotz 27 Amtssprachen und Simultanübersetzung nicht in Sicht. Und damit kommen wir zur neutestamentlichen Antwort auf den Turmbau zu Babel und den aktuellen Feiertag: Pfingsten! An Pfingsten feiern wir Christen die Ausgießung des Heiligen Geistes und die Entstehung der Christenheit. Der Geist Gottes kommt dort nämlich bei einem riesigen jüdischen Fest durch einen Wind erstmals über die Apostel. Es wird berichtet:

„Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden“

Apostelgeschichte 2,6

Der Heilige Geist stellt also wieder her, was die babylonische Menschheit in ihrem Hochmut verbockt hat: Einheit und Verständnis zwischen Menschen unterschiedlicher Sprachen. Da wo Menschen Gott spielen wollten, folgte die Trennung und Demütigung. Da wo sie ihre Knie vor dem Himmlischen Herrscher beugen, schenkt er ihnen Einheit und Verständnis durch seinen Geist.

Einheit ohne Gleichmacherei oder Zwang. Einheit in Unterschiedlichkeit, weil man im Wichtigsten verbunden ist. In Jesus. Das ist die Botschaft von Pfingsten.

Autor

Karl Napf

Karl Napf vereint etliche Widersprüche in sich. Er ist badischer Protestant, anarchistischer Demokrat und libertärer Antikapitalist. Er strebt dem Ende seines Theologiestudiums entgegen und hegt große Sympathien für Erweckungsprediger wie Spurgeon, Whitefield oder seinen badischen Landsmann Aloys Henhöfer.


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