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Reinhold Würth – Wahlempfehlung von ganz oben

18. Juni 2024

Reinhold Würth muss sich im Nachgang zur EU-Wahl gefühlt haben, als hätte er in den vergangenen Monaten versucht ein Seil zu stoßen, scheinen doch all seine Bemühungen die AfD klein zu halten keinerlei Wirkung zu zeitigen – schlimmer noch, in seinem Heimatwahlkreis Künzelsau kam die AfD auf 20,5 %. Dabei hat der 89-jährige durchaus gute Gründe an das Gewicht seiner Worte zu glauben, wenn man seine gesellschaftliche Stellung (mehr dazu unten) beachtet. So machte Würth im März des Jahres Schlagzeilen, als ein Brief an seine 25.000 Beschäftigten in Deutschland bekannt wurde, in dem er unverblümt von der Wahl der AfD abriet. So hieß es im Schreiben wohl:

„Bloß wegen ein bisschen Spaß an der Freude Rabatz zu machen und aus Unmut über die Ampelregierung die AfD zu wählen, ist einfach zu wenig.“

Es folgten ganzseitige Anzeigen in Tageszeitungen kurz vor der Wahl, in denen er die Bürger etwas subtiler aufforderte für die Parteien der sogenannten Mitte zu stimmen. Würth gehört den aussterbenden „Traditionals“ an, die noch tiefer im linkskonservativen Niemandsland verhaftet sind, als die viel gescholtenen Boomer, wie das Votum dieser Alterskohorte zeigt:

Sich seiner Ohnmacht gewahr, gerierte er sich wie ein beleidigtes Kind, als er nach der Wahl äußerte:

„Wenn dieser Trend anhält jetzt, 20 Prozent, dann müssen wir vorsichtig sein als Kaufleute, wo und wie wir investieren.“

Ob er mit dieser unverhohlenen Bedrohung von potentiellen AfD-Wählern mehr erreichen wird darf bezweifelt werden. Die Aussage zeugt auch von einer Verkennung der europäischen Realität – wo möchte Herr Würth denn in Europa noch investieren? Die BRD wird beim Thema Asyl und Zuwanderung bald die letzte Insel der Glückseligkeit sein, während alle um uns herum eine Schubumkehr einleiten oder dies bereits getan haben. Wie dem Leser bekannt sein dürfte haben Politiker fast aller Parteien sich für die Remigration von zugewanderten Antisemiten – auch mit deutscher Staatsbürgerschaft – ausgesprochen. Genau diese führte er aber als Hauptargument gegen die AfD ins Feld.

Die Würth Gruppe beschäftigt fast 90.000 Mitarbeiter in unzähligen Geschäftsbereichen und erwirtschaftet im Jahre 2023 einen Umsatz von über 20 Mrd. EUR – damit konnte die Gruppe den Umsatz in knapp 23 Jahren verfünffachen. Würth übernahm im Jahre 1954 mit damals 19 Jahren das Schrauben-Handelsunternehmen von seinem Vater und baute es zu einem internationalen Marktführer in der Befestigungs- und Montagetechnik um. So schaffte er auf Platz 47 der weltweit reichsten Menschen. Auch als Mäzen hat sich Würth durch Sport-Sponsoring, gesellschaftliches Engagement im Bereich Kunst, Kultur und Wissenschaft einen Namen gemacht.  All dies erreicht man nicht nur durch glückliche Fügungen und gebührt daher Respekt. Doch wird man diese Erfolgsgeschichte fortschreiben können?

Würth beklagte Umsatzeinbußen in Höhe von 1,5 Mio. EUR durch rebellierende Kunden. Nicht viel, aber auch nicht Nichts. Der Autor weiß von einem mittelständischen Unternehmer, welcher bei dessen Vertrieb angefragt hat, ob man ihn als AfD-Wähler nicht aus der Kundschaft tilgen möchte, was man ja konsequenterweise tun sollte, wenn man die Warnungen von Herrn Würth ernst nähme. Der zuständige Würth-Vertriebsmitarbeiter glättete die Wogen jedoch und betonte, dass man in der Belegschaft davon überzeugt sei, dass Politik aus dem Wirtschaftsbetrieb herausgehalten werden sollte und man eher unglücklich über den Sendungseifer von ihrem Patriarch sei. Der Erfolg der Würth Gruppe kann auf ein dichtes Niederlassungs- und Vertriebsnetz gepaart mit lokaler Lagerhaltung und guter Logistik zurückgeführt werden. Weiterhin spielen die erstklassige Produktdokumentation in Form von Katalogen und Datenblättern, sowie lange Produktlebenszyklen eine Rolle. 

Der Autor kennt die Produktpaletten der Befestigungs- und Montagetechnik, sowie der Elektroniksparte der Würth-Gruppe und allesamt zeichnen sich nicht bzw. nicht mehr durch ein hohes Innovationsniveau aus. Zudem werden diese größtenteils bei Zulieferern gefertigt. Diese Mischung aus geringer Fertigungstiefe und kaum vorhandenen Alleinstellungsmerkmalen ist ein einfach zu unterhöhlendes Geschäftsmodell. Alle genannten Standards sind durch eine weitere Professionalisierung der Konkurrenz aus Fernost speziell mit KI-Unterstützung einfach erreichbar. Die Kunden von Würth verfügen also über potente Alternativen, die zudem noch Einsparungen versprechen, da die Margen erheblich sein dürften. Nur durch diesen Druck des Marktes wird Würth aber international konkurrenzfähig bleiben.

Dieser Umstand wird Herrn Würth bekannt sein und daher stellt sich die Frage, warum er seinen Mitarbeitern die Ausübung von Druck auf die Einheitsparteien über die politische Konkurrenz ausreden möchte. Welche Partei sollte der Bürger denn wählen, wenn er alleine die Abschiebung ausreisepflichtiger Zuwanderer – ein Anliegen, hinter dem die Mehrheit der Bevölkerung steht – verwirklicht sehen möchte? Der Wähler wird zunehmend merken, dass die CDU zu wählen dem Versuch gleich kommt ein Seil zu stoßen.

1 Comment

  1. wenn die lehrer in absossender und undemokratischer weise, so wie die staatlich alimentierte regierungstreue Presse und TV gegen die afd hetzt und anschliessend toleranz im umgang mit dem anderen einfordern,der eine andere meinung oder einstellung hat, toleranz gegenüber ültraradikalen moslems fordern, dann darf man sich nicht wundern, dass die jugendlichen der verspotteten und diskriminierten partei näherkommen.

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Daniel Meyer

Baujahr 1979, war, seitdem er denken kann, ein politischer Mensch, der ohne große Schwankungen in seiner Ausrichtung auskam und sich heute als patriotisch-libertär einordnet. Für einige Jahre hatte er in der FDP eine parteipolitische Behausung, die er jedoch aufgrund der Baufälligkeit der Baracke verlassen musste. Meyer ist Technik-Freak, was ihm in seiner beruflichen Laufbahn zu einer gutbürgerlichen Existenz verhalf. Wenn er nicht arbeitet, ist er zuvörderst Familienvater und betätigt sich gerne sportlich. Grundlage seines Erfolgs muss das Mana sein, welches er aus seiner ethnokulturellen Identität zieht.


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