Die Schwäche des Rechtspopulismus

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Ich habe mir neulich das Interview der beiden „Honigwabe“-Moderatoren mit HC Strache angehört. An sich, das will ich bei aller Kritik lobend hervorheben, muss man vor den beiden den Hut ziehen, solch eine Persönlichkeit, die bis vor ein paar Jahren eines der höchsten Ämter eines mitteleuropäischen Landes bekleidet hat, für ein Interview zu gewinnen.
Das ist auf jeden Fall ein Erfolg für die „Honigwabe“. Auf der anderen Seite ist es fraglich, ob sich Strache je auf dieses Interview eingelassen hätte, wäre er vor zwei Jahren nicht so tief gefallen. Aber das soll heute nicht der Hauptkritikpunkt sein:
Als es um das Thema Islamisierung ging, merkte Strache in einem Nebensatz an, dass der Islam unter anderem deshalb nicht zu Europa passe, weil er nie eine Aufklärung mitgemacht habe und deshalb westliche Werte ablehne. Der Islam sei damit auch nicht mit unseren Gesetzen vereinbar. Soso, da haben wir eines der größten Probleme des modernen Rechtspopulismus: Er verteidigt die „Errungenschaften“ der progressiven Kräfte der letzten 200 Jahre vehement, ohne jedoch ein eigenes, alternatives Weltbild zu schaffen. Es scheint, als wollten viele Rechtspopulisten einschließlich Strache einfach etwas weniger progressiven Globohomo-„Liberalismus“ (ja, ich weiß, es ist bei Weitem kein klassischer Liberalismus, jedoch fällt mir kein passendes Wort für den Status quo ein) mit weniger Ausländern. Ein Großteil der AfD denkt leider ebenfalls so; ihr symptomatischer Grundgesetz-Autismus wird weder von ihren Gegnern noch von Teilen ihrer Sympathisanten ernst genommen.
Das scheint ein großer Teil rechter Parteien nach all den Demütigungen noch lernen zu müssen: dass innerhalb des Status quo nichts mehr zu retten ist, dass das System der demokratischen Nationalstaaten nicht zu erhalten ist und im Sterben liegt. Die sich daraus ableitende Frage sei nicht nur rechtspopulistischen Politikern, sondern auch Shlomo, Kasper und ihrem direkten Umfeld auf YouTube gestellt: Lohnt es sich wirklich, den Islam zu kritisieren, weil er auf unsere „westlichen Werte“™ pfeift und progressive Auswüchse wie CSD-Paraden ablehnt, anstatt ihn deshalb abzulehnen, weil er Teil einer dem Abendland fremden Kultur ist? Gewiss, es ist ein Dilemma, da man – vielleicht zu Recht – glaubt, mit ersterer Variante in diesen degenerierten Zeiten mehr Zuspruch bei der Bevölkerung zu erhalten. Gleichzeitig verwehrt man sich mit dieser Strategie jeder alternativen Weltanschauung, ohne sich unglaubwürdig zu machen. Andererseits, und das muss man insbesondere Shlomo und Kasper zugutehalten, eröffnen sie denjenigen den ersten Schritt, der notwendig ist, um das linksliberale Weltbild zu verlassen und sich in die Tiefen des Kaninchenbaus rechter Weltsichten zu begeben. Sie liefern die ersten, leicht verdaulichen Redpills, die die Heilung vom Mainstream-Weltbild darstellen – ich muss es schließlich wissen, bin ich dank ihnen doch erst diesen langen Weg gegangen. Ohne sie wäre ich nicht der, der ich heute bin.

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