Dark
Light
Dark
Light

Sowjetische Denkmäler in Berlin

21. April 2022

Im Zuge des Ukrainekriegs ist ein ganz pikantes Thema in den Fokus gerückt worden: die sowjetischen Denkmäler, wie sie nicht nur in Berlin, wo im Tiergarten und im Treptower Park die berühmtesten Beispiele solcher Ehrenmale zu finden sind, sondern auch an anderen Orten in Deutschland stehen. Von den Siegern aus dem Osten wurden sie errichtet, nicht nur, um ihrer Gefallenen zu gedenken, sondern auch und vor allem, um an den Sieg über Deutschland und den Nationalsozialismus zu erinnern. Als die Sowjetunion zerfiel und ihre Truppen aus dem Gebiet zurückzog, verpflichtete sich das wiedervereinigte Deutschland im Jahre 1992, sowohl die russischen Soldatenfriedhöfe als auch die Denkmäler weiterhin zu pflegen und instand zu halten.

Nun, nach fast 30 Jahren, steht offen zur Debatte, ob diese Denkmäler nicht teilweise entfernt werden sollen. So schlug die CDU-Politikerin Stefanie Bung aus Berlin vor, die Kanonen und Panzer am Ehrenmal im Tiergarten entfernen zu lassen. Natürlich nicht wegen der kommunistischen Unterdrückung der Völker östlich der Elbe oder der Kriegsverbrechen der Rotarmisten in den Ostgebieten des Deutschen Reiches – warum sollte man das tun?! –, sondern um Putin einen Denkzettel zu verpassen. Die Funktion als Mahnmal habe das Tiergarten-Denkmal durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine jedenfalls verloren. „Heute steht der Panzer in Tiergarten nicht mehr nur für die Befreiung Deutschlands vom Nazi-Faschismus, sondern für die aggressive, territoriale Grenzen und Menschenleben missachtende Kriegsführung des Putin-Regimes“, sagte Bung laut „Spiegel“. Das übliche Gesülze also, wie wir es von Christdemokraten eben erwarten können.

Mehr überrascht hat mich hingegen das Statement der AfD-Fraktion Berlin zu dieser Posse: Sie setzte sich nämlich für die Erhaltung der Denkmäler ein. Begründet wurde das mit dem lateinischen Juristen-Bonmot „Pacta sunt servanda“ – also „Verträge sind einzuhalten“ – und dem Vorwurf gegen die CDU, billigen Populismus zu betreiben. Nun kann ich verstehen, wenn man angesichts der abgeschlossenen Verträge in der Zwickmühle zu sein glaubt, und dass die CDU nicht ernst zu nehmen ist, sollte hier sowieso jedem klar sein. Doch sollte man seitens der AfD nicht klarstellen, dass man die eigentliche Botschaft der Denkmäler – nämlich den Triumph des Siegers über den Besiegten – ablehnt? Warum wurde das nicht explizit erwähnt? Warum spricht man nur vom „ambivalenten Charakter“ der Denkmäler, nicht aber von den Kriegsverbrechen der Roten Armee oder von der Tyrannei des Bolschewismus? Hat man etwa in Teilen der AfD Angst vor der Reaktion aus Moskau? So scheint es mir.

Aber was soll den nun mit den Denkmälern geschehen? Angenommen, ich hätte die Macht und würde die Russen nicht unnötig mit dem Vertragsbruch brüskieren, so würde ich die Mahnmale selbst entfernen lassen. Die Gründe dafür sollten offensichtlich sein. Zu groß sind die Schatten der Sowjetverbrecher, als dass man die Denkmäler so stehen lassen könnte. Die Soldatenfriedhöfe hingegen – die würde ich nicht anrühren. Die Toten sollen in Frieden ruhen, auch die unserer Feinde. Ein Gedenkstein soll aufklären, wer auf den Schlachtfeldern Berlins begraben liegt – aber das war es. Wohl kaum sollte der Sowjetunion als Staat Ehre in irgendeiner Form – schon gar nicht als „Befreier“ – erwiesen werden. Warum sollten wir uns das antun? Die AfD täte gut daran, diesen Aspekt in der Denkmalsfrage offen darzulegen – auch gegenüber vermeintlichen Freunden in Moskau: Die Verehrung bolschewistischer Gewaltherrschaft und Eroberungslust kommt nicht infrage.

Fridericus Vesargo

Aufgewachsen in der heilen Welt der ostdeutschen Provinz, studiert Vesargo jetzt irgendwas mit Musik in einer der schönsten und kulturträchtigsten Städte des zu Asche verfallenen Reiches. Da er als Bewahrer einer traditionsreichen, aber in der Moderne brotlos gewordenen Kunst am finanziellen Hungertuch nagen muss, sieht er sich gezwungen, jede Woche Texte für die Ausbeuter von der Krautzone zu schreiben. Immerhin bleiben ihm noch die Liebesgrüße linker Mitstudenten erspart…

Krautzone als Print – jetzt abonnieren!

Kampf gegen Staatsmedien und linken Einheitsbrei