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Spare Wasser und hilf beim Siegen!

21. April 2022

Die neue Parole lautet: Mehr Olf wagen und den Krieg gewinnen! Olf? Das ist die Geruchsbelastung, die von einem Normmenschen mit 1,8qm Körperoberfläche, bei sitzender Tätigkeit und mit durchschnittlich 0,7 Bädern pro Tag, ausgeht. Das Olf ist eine eher unbekannte Maßeinheit, weil sehr subjektiv, eher vergleichbar mit der Windchill-Temperatur. Wo der eine friert, fühlt sich der andere noch wohl, was dem einen stinkt, regt den anderen sogar an – so verschieden ist das. Es gibt Menschen, die können sich waschen, so oft sie wollen, sie riechen immer unangenehm. Dabei ist dieses Empfinden höchst subjektiv – irgendwer muss es mögen, sie würden sonst partnerlos bleiben. Und selbst merkt man es kaum – der eigene Furz riecht immer nach Lavendel. Das Olf ist also eher nicht für eine Einzelperson anwendbar – für große Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen, wo sich ein gewisser Müffel-Mittelwert einstellt, allerdings schon.

Der Geruchssinn ist sehr schnell erschöpft. Selbst merkt man das, wenn man in einer Parfümerie Geruchsproben nimmt – nach fünf Düften riecht alles gleich. Oder wenn man mal Urlaub auf dem Bauernhof gemacht hat und längere Zeit im Kuhstall- oder Schweinestall war, nach kurzer Zeit riecht man es nicht mehr. Was ich damit sagen will: wenn alle stinken, merkt es keiner.

Genau das müssen sich einige Protagonisten aus der Gilde derer, die bei der Arbeit frieren und beim Essen schwitzen, auch gedacht haben. Nichts ist mittlerweile abwegig, blöd und albern genug um nicht geeignet zu sein, den Krieg gegen Russland zu gewinnen. Nachdem der „Werte-Westen“ mit seinen völlig überzogenen und selbstschädigenden Sanktionsmaßnahmen den Selbstmord beschlossen hat, muss der Bürger auf die Reise in den Untergang mitgenommen und entsprechend eingestimmt werden.

Bleiben wir zunächst bei der Körperhygiene. Sich waschen ist eine völlig überschätzte Kulturtechnik. Im Europa des Christentums war die Berührung mit Wasser zum Zwecke der Körperreinigung jahrhundertelang verpönt. Außer durch Regen war die einzige Berührung mit Wasser die Taufe und das Weihwasserbecken. Sauberer Körper bedeutete unsaubere Seele, verstopfte Poren schützten vor ansteckenden Krankheiten. Man trug Leinenhemden zur Aufnahme von Dreck und Schweiß bis sie vom Leibe fielen. In die Straßen der aufkommenden Städte wurde alles entsorgt, Nachttöpfe aus dem Fenster gegossen, Schlachtabfälle vermischten sich mit Morast. Die Nähe einer mittelalterlichen Stadt kündete sich eher durch ihren Gestank an als durch die Sichtbarwerdung ihrer Kirchtürme. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts haben sich Ärzte nicht einmal die Hände gewaschen. Nach der Leichenöffnung ging es direkt zur Geburtshilfe – Kindbettfieber war an der Tagesordnung.

Also, zurück zur Natur – selbstverständlich erst einmal in kleinen Schritten. In den Medien werden erste Hinweise zum Sparen von Wasser gegeben. Unsicher ist man sich noch, ob es genügt vier oder fünf Stellen des Körpers mit einem feuchten Lappen zu reinigen. Favoriten sind Hände, Füße, Achseln sowie Brust- und Rückenmitte. Unklar ist man sich noch mit der Empfehlung, sich regelmäßig im Schritt zu waschen.

Sparen wir Wasser, vor allem warmes, wo es geht – Kleidung waschen kann auch auf ein Minimum reduziert werden. Dabei ist unseren Verzichtspredigern in ihren Elfenbeintürmen wohl entgangen, dass die Feuerwehr regelmäßig mit hohem Wasserdruck die Abwasserrohre von den Ablagerungen freispritzen muss, die sich dort bereits jetzt regelmäßig durch ungenügenden Wasserfluss ablagern. Aber wie gesagt – wahrscheinlich ist Kanalisation zukünftig auch wieder entbehrlich.

Wir sind aber noch nicht fertig, es geht weiter auf der Fahrt in das Mittelalter. Unsere deutschen, langsam zu Kriegshetzern mutierenden Ökosozialisten haben nun das Eigenheim auf dem Zettel. Wo kommen wir auch hin, wenn neben der Bodenversiegelung und Waldvernichtung durch Windmühlen nun auch noch der kleine Mann seinen Beitrag zur Umweltzerstörung beitragen möchte indem er von einem Häuschen im Grünen träumt. Das geht entweder gar nicht und wenn, dann nur unter Verwendung anderer Baustoffe. Holz und Lehm. Stroh haben sie noch vergessen. Das passt – man muss den Dingen auch einmal seine positiven Seiten abgewinnen. Damit kommen endlich unsere zugewanderten Fachkräfte zum Zuge. Festgestampfter Lehmboden, Holzpfähle als Wände und Stroh als Dach – damit gibt es sicher reichlich Erfahrung. Im Winter wird es etwas schwierig aber auch daran gewöhnen wir uns. Die Eskimos haben schließlich auch keine Heizung. Man kann ruhig doof sein, man muss sich nur zu helfen wissen – jetzt, wo der Wohnungsbau im nächsten Jahr deutlich einbrechen wird.

Was haben wir denn noch? Ach ja, Tempolimit – die fixe Idee der Grünen, irgendwann schaffen sie es. Weniger heizen – zu Hause, im Büro und in den Schwimmbädern – ist auch gut, dient der Abhärtung und der Volksertüchtigung wenn es demnächst Richtung Osten geht. Kein Fleisch mehr essen. Sehr gut. Der Mensch würde zwar heute noch auf den Bäumen leben, hätte er nicht reichlich Proteine durch Fleischverzehr zu sich genommen und dadurch sein Gehirn wachsen lassem – heutzutage entbehrlich und eher kontraproduktiv. Hirnschrumpfung bei der Masse ist zeitgeistig angemessen. Die Bonzen werden weiterhin der Völlerei frönen und vor Lachen nicht in den Schlaf kommen.

Reisen oder gar selbst Auto fahren geht auch nicht mehr. Brauchen wir auch nicht. Die Zukunft ist die Cyberbrille und das Metaversum. Touristen belasten Umwelt und Kulturgüter und schließlich will nicht jeder Multimilliardär beim Besuch eines Weltwunders seiner Putzfrau über den Weg laufen.

Habe ich etwas vergessen? Ich glaube es reicht erst einmal. Alle Alarmanlagen sollte angehen, wenn mit üppigem Salär versorgte Minderleister den Verzicht predigen. Nicht für sich selbst – für die anderen. Nicht zu vergessen: nur so gewinnen wir den Krieg gegen Putin. Ich lasse mir jetzt jedenfalls erst einmal ein Vollbad ein und werde danach mit guten Freunden einige Bratwürste auf den Grill, selbstverständlich mit Holzkohle, legen.

P.S.: Warum ist niemand für sofortigen Waffenstillstand? Warum weitere Eskalationen und Kampf bis zum letzten Ukrainer? Hat jemand ausgerechnet, wieviel CO2 durch den Krieg freigesetzt wurde und wieviel davon wir ab sofort mehr einsparen müssen?

Udo Holm

Glücklicher Privatier und Hobbyschreiber mit grimmigem Humor und zunehmender Altersmilde. Geboren im grünen Herzen Deutschlands als Grün noch die Farbe der Blätter und nicht die Beschreibung eines Geisteszustandes war. Als guter Beobachter erkennt er seine Schweine am Gang und lässt sich nichts mehr vom Pferd erzählen. Lebt in Berlin und schreibt im "Spiegelsaal".


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