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Kaltbaden bis zur Gedächtnislücke

22. August 2022

Es ist Ende August. Die Tage werden wieder kürzer und die Nächte länger. Der Herbst steht vor der Tür. Um bei steigenden Kosten und erwartbarer Energieknappheit für die kalten Monate gerüstet zu sein, stellten in den vergangenen Wochen sämtliche Landkreise und Städte ihre Sparkonzepte vor. Öffentliche Gebäude beispielsweise sollen demnächst erst ab unter zwölf Grad Außentemperatur und nur bis maximal 19 Grad beheizt werden. In öffentlichen Sportanlagen bleiben die Duschen vorerst kalt und werden im Winter voraussichtlich nur noch auf maximal 34 Grad aufgedreht. Ampelanlagen sowie Straßenlaternen auf wenig befahrenen Straßen bleiben nachts komplett aus. Und auch bei sämtlichen Wahrzeichen wird am Abend die Außenbeleuchtung abgeschaltet. Neben dem Schloss Drachenburg in Königswinter trifft diese Maßnahme auch den Kölner Dom. 

Seit dem 8. August wird dieser ab 23 Uhr nicht mehr beleuchtet. Ein Vorhaben, das vielerorts auf heftige Kritik stieß. Gerade die Kölner Domplatte gilt spätestens seit der Silvesternacht von 2015/16 als Ort der Unsicherheit, der Gefahr und des Schreckens, insbesondere für Frauen. Mit Präventionsmaßnahmen wie der „Armlänge Abstand“ oder Bauzäunen an Silvester und Karneval wurde in den vergangenen Jahren versucht, das Geschehene aufzuarbeiten. Jetzt schalten die gleichen Politiker, die für die sexuellen Übergriffe an Frauen mitverantwortlich sind, einfach ganz die Lichter aus. Für alle Frauen, die abends beruflich oder privat im öffentlichen Raum unterwegs sind, wird der Heimweg jetzt womöglich noch unangenehmer, gerade in den dunklen Ecken der Republik. Um zwielichtige Gestalten von sich fernzuhalten, hilft es vielleicht, auf weitere Sparmaßnahmen der hiesigen Politiker einzugehen und sich künftig nicht mehr zu waschen. Alternativ ist Zuhausebleiben angesagt. Womöglich erwarten uns im Winter eh wieder Lockdowns. An der Energieknappheit ist selbstverständlich nur der Krieg in der Ukraine schuld. Dass bis Ende des Jahres der endgültige Ausstieg aus der Kernenergie bevorsteht, wurde bis dato höchstens beiläufig erwähnt.

Neben den städtischen Heizungen und Klimaanlagen läuft dieser Tage offensichtlich auch das Gedächtnis unseres Bundeskanzlers Olaf Scholz auf Sparmodus. Am vergangenen Freitag war er erneut vor den Cum-Ex-Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft Hamburg geladen. Wieder einmal beteuerte er, sich an keines der mindestens drei Treffen mit dem Warburg-Chef Christian Olearius zu erinnern. Auch auf das Steuerverfahren, welches der Warburg-Bank zu Unrecht 47 Millionen Euro eingespielt hatte, will er nach wie vor keinen Einfluss genommen haben. Auch wenn Scholz aktuell juristisch auf der sicheren Seite steht, werden ihn der Cum-Ex-Skandal und der ominöse Bargeldfund in Höhe von 200.000 Euro im Schließfach seines ehemaligen Kollegen Johannes Kahrs sicher noch länger verfolgen. 

Autor

Reinhild Boßdorf

Reinhild ist bei der Fraueninitiative "Lukreta" aktiv und betreibt einen eigenen YouTube-Kanal. Ihre Themen sind moderner Feminismus, importierte sexuelle Gewalt und Weiblichkeit. Sie bewegt sich meist in heteronormativ-sexistischen Kreisen, backt gerne Kuchen und wird von linken Steuergeldprofiteuren als “unauffällig, aber zentral für das rechte Netzwerk” beschrieben.


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