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Systemfrage oder altlinke Selbstgefälligkeit?

14. Januar 2022

Was tun? Die Frage, die den seinerzeitigen Erfinder der Berufsrevolution, Wladimir Uljanow, zum Füller greifen ließ – die richtige Arbeit ließ er selbstredend andere erledigen –, diese Frage jedenfalls beendete noch vor ein paar Jahren jede hochgeschaukelte Diskussion unter Gleichgesinnten. Was tun? Keine Ahnung.

Das Gefühl, nichts oder nichts Richtiges tun zu können, war ein beschissenes Gefühl. Der ein oder andere wurde in den letzten Jahren kreativ und konnte seine Widerborstigkeit gegen den schleimigen linken Sermon in irgendeiner Art ausleben. Man hat sich ausprobiert und dabei zusammengefunden. Man hat neue Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen. Vor allem: Man hat Dinge mal weitergedacht.

Wie gesagt, so haben es einige gehandhabt. Andere hingegen haben sich isoliert und weltanschaulichen Fragen womöglich ganz den Rücken gekehrt oder sind verloren gegangen in den Weiten irgendwelcher Netzforen. Dann kam Corona, und die Karten wurden scheinbar neu gemischt. Erst mal wurden wir alle auf uns selbst zurückgeworfen, und dann – wer hätte das vor zwei, drei Jahren für möglich gehalten? – entstand eine neue, außerparlamentarische Protestbewegung. Und plötzlich ist sie wieder da, die Option der „Straße“.

Kamerad Vesargo war neulich spazieren, und das hat mich angespornt, es ihm gleichzutun. Überhaupt: Täusche ich mich, oder ist mittlerweile das halbe Land am Spazieren? Wo man auch hinkommt – verschwörerische Blicke. Hingeworfene Bemerkungen. Das pflichtbewusste Herumreichen irgendwelcher „total kritischen“ „Welt“-Artikel – na gut, mühsam erhebt sich der Deutsche.

Jedenfalls: Ein gesundes Misstrauen gegen den Staat, gegen die Medien, gegen die Parteienmafia, gegen die täglich aufgetischten Lügen. Das ist eine gute, gesunde Einstellung. Nicht ist verachtenswerter, als aus eigener Ohnmacht sein Schicksal in die Hände des Staates und seiner angeflanschten Institutionen zu geben. Wer #ImpfenstattSchimpfen propagiert, der hätte 1944 seine Hoffnung auch in die #Wunderwaffen gesetzt. Oder 1945 #Drückeberger aufgeknüpft.

Vielen Dank,an all die Medizinstudenten. Ein wunderschönes Zeichen, gegen die #Querterroristen. #DD1301 #ImpfenSchuetzt #ImpfenStattSchimpfen #QuerdenkerSindTerroristen #QuerdenkenStoppen https://t.co/MDyMBoDPbJ

— Rain Bow (@RainBow19970905) January 13, 2022

Wer seine Gesundheit über die der anderen stellt ist …

… nicht liberal sondern ein Arschloch#AllesInDenArm#ImpfenStattSchimpfen #ImpfenSchuetzt https://t.co/Ks6IMinjvc

— 🍀 Der vorerst fertig Geimpfte 💉💉💉 (@Ventzke_) January 13, 2022

Fünf Minuten Twitter oder fünf Minuten „Tagesschau“, es macht keinen Unterschied. Jeder, der auch nur einen Zentimeter außerhalb dieser Sekte steht, zuckt angewidert zurück. Und überall schnappt man dieses Unbehagen auf.

Ein guter Bekannter, ein Altlinker durch und durch, weihte mich vor einigen Tagen ein. Er habe sich das am Montag mal angesehen. „Ach, echt? Klasse! Wie war‘s?“ – „Du, da sind völlig normale Leute unterwegs. Keine Rechten oder so.“

Ohje. Wie gesagt, nächsten Montag schaue ich mir das (Elend?) mal an. Die Erwartungen stecke ich in der Zwischenzeit nicht allzu hoch.

Autor

Friedrich Fechter

Fechter studiert im Herzen Deutschlands und muss sich an seiner linksversifften Universität den typischen Gängelungen aussetzen. Er interessiert sich für Kunst, Geschichte und ist Meister der Halbsätze. Als Fechter das erste Mal ein Cover der Krautzone sah, hielt er das pixelige Layout für eine durchtriebene Werbestrategie. "Bestimmt", dachte er sich beim Durchblättern, "hier sind verschlagene Profis am Werk."


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