Tausend Jahre sind ein Tag

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Empfinde nur ich so oder rennt die Zeit grad wie verrückt? Ich ging den halben Mittwoch davon aus, dass es doch erst Dienstag wäre und erschrak, als ich das Gegenteil feststellen musste. Was aber weniger daran lag, dass ich den ganzen Tag nichts zu tun hatte, sondern eher daran, dass ich tausende Projekte vor und nach der Arbeit erledigte.

Naiv, wie man mit Anfang 20 so ist, bilde ich mir ein, noch einen Haufen Zeit im Leben zu haben. Aber heute ist schon wieder Vizefreitag und morgen Nachmittag startet das Wochenende. Und wir haben beinahe Mitte Juli – habe ich da irgendwas verpasst?!

Oder um es mit Udo zu sagen…

Außerdem schwirrt mir „… tausend Jahre sind ein Tag“ im Kopf umher.

Der Udo wusste schon damals, wie es mir heute ergehen würde. Das geht mir hier alles zu schnell. Aber wie wird das erst mit 40 oder 50? Wird man da ruhiger oder hat „mehr“ Zeit? Hatten die Menschen früher mehr Zeit? Nein! Niemand ging, wie die heutige Schicki-Micki-Gesellschaft, von 9-5 arbeiten, sondern man fuhr früh halb sechs zu seiner Arbeit und kam frühestens zwölf Stunden später wieder heim.

Trotzdem nahm man sich die Zeit am Abend, nachdem sich um Haus und Hof gekümmert wurde und ließ sich auf einer Bank nieder, die vorne an der Straße stand. Man unterhielt sich über das Wetter oder schwieg sich einfach nur an. Gelegentlich fuhr ein Moped vorbei und Oma Inge kam mit dem Fahrrad an, um den neusten Klatsch zu erzählen. Herrlich.

Herrlich entspannt

Die Zeit war nicht mehr als heute, die Leute setzten einfach nur andere Prioritäten – auch wenn sie sich dessen vielleicht nicht bewusst waren. Ein weiterer Vorteil war, dass man nicht den ganzen Tag erreichbar war. Wer was wollte, der musste schon zu einem auf den Hof kommen und sein Anliegen kundtun. Und wenn Feierabend war, war Feierabend. Kein „Kollegin XY hat dich in die Gruppe Steffis Geburtstagsgeschenk hinzugefügt“.

Aber was reg ich mich auf. Ich könnte mein Telefon genauso gut in den gelben Sack hauen und mir einen ruhigen Abend machen, wie Opa vor fünfzig Jahren – mach ich aber nicht. Selber Schuld. Glücklicherweise beginnt bald der Sommerurlaub. Eeeeendliiiich genug Zeit, um in drei Wochen alles zu erledigen, was ich sonst nicht schaffe.

Vielleicht bekomm ich dann endlich auf die Ketten, was mir sonst zu missglücken scheint. Fokus setzen auf das, was wichtig ist. Also Helm auf und ab an See.

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