Als sich im Herbst 2013 die Unruhen in der ukrainischen Hauptstadt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und der Staatsmacht verdichteten, da waren es, neben der CDU und ihrem EU-Ableger, die deutschen Grรผnen, die aus der Bundestagsopposition und dem EU-Apparat heraus den Ofen ordentlich anheizten.
Der Argumentationskleister, zu dessen Hauptzutat selbstverstรคndlich โunsere historische Verantwortungโ gehรถrt, wurde vor neun Jahren maรgeblich von jenen angemischt, die jetzt in ihrem Koalitionsvertrag ankรผndigen: โWir werden die Ukraine weiter bei der Wiederherstellung voller territorialer Integritรคt und Souverรคnitรคt unterstรผtzen.โ
In einer sehr sehenswerten Debatte rund um die Prรคventivkriegsthese beschrieb Dr. Maximilian Krah den Konflikt treffend: โDie Ukraine ist das Kondom, mit dem die Amerikaner die Russen ficken.โ Etwas deftig, aber im Kern stimmt diese Aussage. Wie genau lรคsst sich Deutschlands Rolle bei diesem unappetitlichen Akt beschreiben? Unsouverรคn, wie dieses Land nun mal ist, befolgt es treudoof die meisten Anweisungen seines groรen Bruders โ seit 2014 beschlieรt die Bundesrepublik fleiรig Sanktionen gegen โPutins Russlandโ und glaubt ernsthaft, damit irgendetwas bewirken zu kรถnnen.
Wie halbgar dieses Spiel wirklich ist, zeigt sich am Bau und der Inbetriebnahme von Nord Stream 2. Man hat sich also von dem Land, das man seit fast einem Jahrzehnt zum ideologischen Todfeind aufbaut (Russland ist nicht bunt, nicht weltoffen und nicht tolerant), wirtschaftlich noch abhรคngiger gemacht. Das muss man erst mal hinbekommen.
Und ausgerechnet jetzt, im kalten Januar, wรคhrend des vorlรคufigen Hรถhepunkts der diplomatischen Auseinandersetzung, fรคllt plรถtzlich auf: Die deutschen Gasvorrรคte sind so knapp wie nie. Strategische Reserven, die eine unendlich intelligentere Regierung vor langer, langer Zeit fรผr รl und Nahrungsmittel eingerichtet hat, existieren fรผr Gas schlicht und ergreifend nicht. Da Gas nicht nur zum Heizen, sondern auch zur Stromerzeugung genutzt wird, war die Abschaltung weiterer AKWs zum Jahresanfang natรผrlich ein besonderer Ausweis fรผr die Weitsichtigkeit unserer Regierung. Wann hat dieser Staat eigentlich das letzte Mal im Interesse seines Volkes gehandelt?
Jedenfalls: Man hat jetzt also รผber Jahre hinweg und unter Inkaufnahme von รผber 10.000 Kriegstoten die Ukraine, einen nach wie vor korrupten โFailed Stateโ, aus der russischen Einflusszone gelรถst. Mal ganz ehrlich: Natรผrlich ist es aus Sicht der Ukrainer nicht hinnehmbar, dass die Krim annektiert und die Ostgebiete besetzt sind. Versetzen wir uns mal eine Sekunde in die Lage ukrainischer Mรคnner, die fรผr Hungerlรถhne in irgendeiner Drecksfabrik schuften, alle Jubeljahre irgendeinen korrupten Oligarchenpolitiker wรคhlen โdรผrfenโ, nur um sich zwischendurch โ Wehrpflicht und Armeereserve sei Dank โ im Osten verheizen zu lassen. Ich weiร, die deutschen Rechten bewundern Putin, wir haben das bereits letzte Woche durchgekaut, aber mir tut die ukrainische Bevรถlkerung bei alldem einfach nur leid.
Wir haben diesem Land die Mรถhre vor die Nase gehalten, und jetzt, wo eine direkte militรคrische Konfrontation mit Russland droht, jetzt auf einmal fรคllt der grรผn-linken Regierung in Berlin ein, dass wir als Deutsche wegen unserer โhistorischen Verantwortungโ der Ukraine keine Waffen liefern kรถnnen. Wohlgemerkt: Bei der Aufrรผstung von Tรผrken, Kurden und Saudis spielte โunsere historische Verantwortungโ keine Rolle.
Jetzt stellte die neue Verteidigungsministerin, in ihrer Eigenschaft als nunmehr dritte ungediente Frau an der Spitze der Bundeswehr, der Ukraine 5.000 Helme zur Verfรผgung. 5.000 Helme, wow! Mal davon abgesehen, dass die Bereitstellung der Helme den Verwaltungsapparat unserer Armee vor eine titanische Aufgabe stellen dรผrfte โ Stichwort: Soldatenbingo โ, frage ich mich: Wieso nicht 5.000 Klappspaten? Irgendwie mรผssen die armen Kerle im Osten ja ihre Grรคber schaufeln, wenn โder Russeโ anrรผckt.
Aber vielleicht kommt es ja gar nicht so weit. Neben vielen weiteren Regierungsblรคttern versicherte uns ja kรผrzlich erst der โTagesspiegelโ, was fรผr einen guten Job unsere Annalena in Moskau gemacht hat.
Mich hat der โTagesspiegelโ jedenfalls restlos รผberzeugt, und wenn ich mir die Pressekonferenz noch mal ansehe, komme ich zu keinem anderen Eindruck. Wenn sich also die geopolitischen Verspannungen durch das Handauflegen der Auรenministerin in ein paar Wochen wie von allein lรถsen, bleibt nur noch die Frage: Kรถnnen wir unsere Helme bitte zurรผckbekommen?

