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Vereitelter Terroranschlag – Wieso immer Giftgas?

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In Castrop-Rauxel, nordwestlich von Dortmund, wurden zwei Iraner in einem Mehrfamilienhaus hochgenommen, die nach Behördeninformationen einen islamistischen Biowaffen-Anschlag mit Rizin und Arsen geplant haben. Auf Bildern sieht man SEK-Beamte in Panzermontur samt ABC-Anzug. Der Helm eines Beamten sieht aus wie ein überdimensionaler Joghurtbecher, ein anderer sieht aus, als hätte er sich die Schläuche seines Beatmungssystems mit tonnenweise Panzertape um den Schädel gebunden. In der Feuerwache der Stadt wurde eine ganze Dekontaminationsstraße aufgebaut, wo sich die Elitepolizisten anschließend reinigten.

Mir kommt bei solchen Fällen immer die Frage in den Sinn: Warum genau greift jemand zu Biowaffen als Mittel der Wahl bei einem Terroranschlag? Punkt eins: Das Zeug ist auch für dich selber saugefährlich, und du brauchst wesentlich mehr Fachkenntnis als dafür, wie 2015 in Paris mit einer Kalaschnikow 100 Leute alleine im Bataclan niederzumetzeln.



Mir ist nur ein Fall bekannt, in dem ein solcher Anschlag mit Giftgas einigermaßen erfolgreich durchgeführt wurde, das war 1995 in der U-Bahn in Tokio, wo man 16 Leute tötete. Mit konventionellen Bomben töteten Al-Qaida-Islamisten in Madrid im Jahr 2000 193 Menschen. 2016 überfuhr ein ISIS-Terrorist in Nizza 86 Personen. Ein dummer Penner mit ’ner Knarre, einem Laster oder Feld-Wald-und-Wiesen-Sprengstoff outperformt also regelmäßig den einen von Vollprofis tatsächlich mal erfolgreich durchgeführten Giftgasanschlag. Der Grund ist recht simpel: Finde mal Orte, an denen die Luft nirgendwohin entweichen kann und an denen trotzdem viele Menschen zusammenkommen. Das Nächste daran war offenbar eine U-Bahn und hat gerade mal für die Todesopferzahl eines gemobbten Teenagers mit der Knarre seines Vaters gereicht. Was wollen die also immer mit dem Zeug?

Ist es der Coolness-Faktor? Will man sich als richtig krasse Typ in Szene setzen? Welchen rationalen Grund gäbe es, einen der ineffizientesten, aufwendigsten und für einen selber gefährlichsten Wege zu wählen? Dasselbe frage ich mich im Übrigen auch, wenn (meist dem Westen unliebsame) nahöstliche Herrscher angeblich „Bio-Waffen gegen ihr eigenes Volk einsetzen“: Warum zum Teufel sollten sie eigentlich? Klar, bei einem organisierten Militär fällt der Punkt mangelnder Praktikabilität weg. Dafür kommt aber ein weiterer dazu, der für Terroristen weniger eine Rolle spielt: ihr Ruf.

Westliche Politiker haben leichtes Spiel dabei, ein stärkeres Einmischen via Sanktionen oder sogar auf militärischem Wege vor ihren Bürgern zu rechtfertigen. Und auch hier: Wo spezifisch liegt der Vorteil gegenüber konventionellen Bomben? Wo liegt überhaupt der Unterschied im Resultat? Also abgesehen davon, dass dann die NATO bei dir reinmeddlt.

1 Comment

  1. “Wo liegt der Vorteil?” Dort wo er auch bei biologischen Waffen liegt: Im Potential der psychologischen Kriegsführung daß die konkrete Gefahr bei weitem übersteigt.

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