A Swedish soldier with the Wartofta Tank Company, Skaraborg Regiment carries a round during the Strong Europe Tank Challenge, June 5, 2018. U.S. Army Europe and the German Army co-host the third Strong Europe Tank Challenge at Grafenwoehr Training Area, June 3 – 8, 2018. The Strong Europe Tank Challenge is an annual training event designed to give participating nations a dynamic, productive and fun environment in which to foster military partnerships, form Soldier-level relationships, and share tactics, techniques and procedures. (U.S. Army photo by Gertrud Zach)

Verhindert die Koranverbrennung Schwedens NATO-Beitritt?

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Das Internet tobt, denn am Wochenende wurde in Stockholm auf offener Straße ein Koran verbrannt. Der dänische Politiker Rasmus Paludan hielt am Samstag vor der türkischen Botschaft eine Kundgebung ab, bei welcher er auch ein Exemplar der heiligen Schrift des Islams anzündete. Die Protestaktion hatte eine ganz besondere Note. Schweden und Finnland befinden sich gerade inmitten der Verhandlungen zum NATO-Beitritt. Aufgrund des Krieges in der Ukraine hatten beide Länder diesen Schritt vorgenommen. Aktuell scheitert das Vorhaben jedoch noch an der mangelnden Zustimmung zweier Staaten: Nur die Stimmen von Ungarn und der Türkei fehlen noch.

Die Aktion zielte also gekonnt auf Provokation ab und war nicht die einzige Protestaktion gegen den geplanten NATO-Beitritt Schwedens. Auch pro-kurdische Aktivisten zeigten ihre Ablehnung. Sie demonstrierten am Samstagmorgen mit Fahnen der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und hängten am Stockholmer Rathaus eine Erdoğan-Puppe auf. 

Wenig Zeit strich ins Land und schon folgte die Empörungswelle. Der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Erdoğan bezeichnete die öffentliche Koranverbrennung als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu bezeichnete diesen Vorfall als „rassistisches Hassverbrechen“. Beide Protestaktionen wurden seitens der türkischen Regierung stark kritisiert und verschlechtern das ohnehin schon angespannte Verhältnis zwischen der Türkei und Schweden. Denn schon kurz zuvor hatte die Regierung in Ankara den Besuch eines schwedischen Ministers aufgrund antitürkischer Proteste abgesagt. Nun kündigten türkische Regierungssprecher an, die Ratifizierung des NATO-Beitritts Schwedens vom Umgang mit kurdischen Rebellen sowie mit anderen Gruppen, die die nationale Sicherheit aus Sicht Ankaras bedrohen, abhängig zu machen. Erdoğan erhöht den Druck auf den Westen.



Doch nicht nur die Regierung, sondern auch die türkische Bevölkerung tat ihre Verachtung gegenüber der Aktion in Stockholm kund. Am Samstag und am Sonntag kam es zu Demonstrationen vor der schwedischen Botschaft in Ankara. Am Sonntag trafen sich 250 Moslems vor dem schwedischen Konsulat in Istanbul und zündeten ein Bild von Rasmus Paludan an. Auch in etlichen anderen Staaten mit muslimischer Mehrheit, wie Saudi-Arabien, Kuwait, Marokko, Jordanien sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigten sich die Regierungskräfte „empört“. Die Politik der Doppelstandards und der Nutzung des westlich geprägten Rassismusbegriffs ist dort schon längst angekommen.

Wenn Menschen in Europa durch islamistische Kräfte ermordet werden, bleibt es aus dieser Ecke sehr still. Enthauptungen in der Kirche oder auf offener Straße oder Anschläge auf Satiremagazine vergehen ohne nennenswerte Erwähnung. Wenn sich jedoch in Europa jemand islamkritisch zeigt, stellen vermeintliche „rassistische Hassverbrechen“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ auf einmal ein Problem dar. Und prompt lässt sich der Westen mit seinen eigenen Waffen schlagen. Die Entschuldigungswelle folgt sodann. Gerade in den sozialen Netzwerken überschlagen sich die Distanzierungen, Empörungen und Kampfesansagen gegen Rassismus und Diskriminierung. Die eher konservative Regierung Schwedens unter Ministerpräsident Ulf Kristersson befindet sich nun in der Zwickmühle.

Erdoğan und Konsorten, die westlich-globalistische Begrifflichkeiten sonst zutiefst verachten, instrumentalisieren diese gekonnt. Der Druck auf den Westen steigt. Die kulturellen Konflikte in Europa nehmen zu.

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