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Liebe Verträglichkeitsjunkies…

15. Dezember 2021

Nein, wir müssen nicht jeden hundertsten Beitrag der Öffis positiv hervorheben, weil er mal etwas ausgeglichener ist, um zu zeigen, wie unglaublich offen wir trotz allem geblieben sind (was umgekehrt Hochverrat an der Journo-Mafia wäre). Nein, wir sollten nicht jedem dahergelaufenen 20-Abonnenten-YouTuber bei uns eine Diskussionsplattform bieten, der linkspolitisch eingestellt ist, weil Diskurs und Dialog und so (während uns umgekehrt nicht einmal linke Plattformen einer vergleichbaren oder etwas kleineren Reichweite als der unseren offenstehen).
Nein, wir müssen nicht bei jeder kleinen Grenzüberschreitung von jemandem aus unseren Reihen ein riesiges Fass aufmachen, um zu zeigen, dass wir doch echt voll total nicht so böse sind, wie die Linken uns darstellen (während die Gegenseite ihresgleichen selbst dann noch verteidigt, wenn sie durch die Blume unsere physische Vernichtung fordern, so wie Sarah Bosetti).
Ich weiß, ihr wollt doch nur, dass sich alle wieder lieb haben oder sich zumindest nicht auf den Tod verachten. Doch daraus wird nichts. Dieses deplatzierte Verlangen ist nur noch ein Instrument zur Spaltung und Schwächung der Opposition. Versteht Folgendes: Unsere Gegner wollen nicht, dass wir überhaupt da sind. Sie wollen uns vielleicht nicht alle umbringen, aber sie wollen den Effekt von Vernichtungs- oder Umerziehungslagern, nur ohne die unschönen Bilder. Wir hocken hier ja schon in einer Art Freiluft-Umerziehungslager, betrieben von Bildungssystem, Medien und sozialer Einschüchterung im Alltag. Was hier abgeht, ist Krieg, und der politische Gegner betrachtet uns schon lange nicht mehr als solchen, sondern als Feind. Ich weiß, dass ihr das nicht wahrhaben wollt. Ihr klammert euch an eine heilere Welt, in der euer Harmoniebedürfnis noch einen Platz außerhalb des Bauches der Bestie hat und überbordende Kompromissbereitschaft nicht der kleine Bruder der Feigheit ist. Aber ihr seid das Problem. Ihr seid der Grund, aus dem wir stehen, wo wir stehen.
Wenn du anfängst, Kompromisse mit einer kompromisslosen Politsekte einzugehen oder zu versuchen, diese in irgendeinem Maße zufriedenzustellen, so dass sie dich nicht zu den Allerbösesten zählt, hast du schon verloren. In jeder nicht geradeheraus feindlichen Interaktion fordern unsere Gegner mehr von uns ein, als sie zu geben bereit sind, und wenn du ihnen das nicht gibst, macht es aua, du Nazi. Und so haben sich die Verträglichkeitsjunkies aus unseren Reihen, die, die nicht begreifen wollen, dass wir es hier mit einem Monstrum mit einem unstillbaren Appetit zu tun haben, in Trippelschritten an die Wand drängen lassen, vor der wir nun stehen. Nein, keine Kompromisse mehr, keine unbedingte Offenheit, und auch kein Dialog nur um des Dialoges willen. Betrachten wir sie endlich als das, was sie sind und als was sie uns schon ewig betrachten: Feinde, die uns vernichten wollen. Denn wenn du aus (pseudo‑) moralischen Gründen nicht anerkennen willst, dass du dich in einem Kampf befindest, dann änderst du damit nichts daran, dass du es tust, sondern gibst ihn kampflos auf. Aus Feigheit, getarnt als Vernunft, Besonnenheit und Moral.
An dieser Stelle wird vielen der Angesprochenen schon ein Zerrbild dessen, was ich damit fordere, im Kopf herumspuken: Gewalt, Militanz, Extremismus. All das halte ich für völlig kontraproduktiv. Was ich fordere, ist eine realistische Betrachtung des Gegners und eine daraus geborene Kompromisslosigkeit. Dass ihr versteht, dass sie eben nicht doch auch nur das Beste wollen, nur auf eine andere Art. In ihrem Besten seid ihr nicht mehr da. Genauso wenig wie Nationalstaaten, westliche Kultur, Geschlechter oder Weihnachtsmärkte. Vor allem die Weihnachtsmärkte, am Ende sind die irgendwie immer die Gearschten, ob nun mit Merkel-Pollern oder Maschendrahtzäunen gegen Sozialschädlinge.
Öffentliche Interaktionen mit diesen Leuten sind strategisch zu betrachten: „Was gibt es für uns hieraus mitzunehmen und was wollen sie?“, diese Frage sollte man sich stellen, bevor man sich mit ihnen einlässt. Und wenn die Antwort ist „wir bekommen, dass es endlich mal wieder Dialog mit einem Linken gibt und dass sie mir vielleicht das Gefühl geben, es gäbe ein Auskommen mit ihnen und ich sei keiner von den RICHTIGEN bösen Nazis; und sie bekommen dafür eine gigantische Plattform und Honig ums Maul schon alleine dafür, dass sie sich dazu herablassen, mit mir Arschloch zu reden“, warum dann überhaupt reden? Wenn Gespräche nur möglich sind, wenn für die Gegenseite mehr dabei herausspringt, dann sollte es vielleicht einfach keine mehr geben. Denn Dialog ist kein Selbstzweck, vor allem nicht in der derzeitigen Situation. Und die Befriedigung eines deplatzierten Harmonie- und Verständigungsbedürfnisses ist kein Zweck, der es wert wäre, ihm Rechnung zu tragen.

Shlomo Finkelstein

Shlomo Finkelstein wollte immer schon irgendwas mit Hass machen. Seit 2015 erstellt er als "Die vulgäre Analyse" Videos, und seit 2019 zusammen mit Idiotenwatch den Podcast "Honigwabe".

Belltower News schreibt über ihn: "Da er vorgibt, sein Hass sei rational begründet, sind besonders junge Menschen der Gefahr ausgesetzt, die Thesen für bare Münze zu nehmen und sich so zu radikalisieren."


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