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Warum Biden 2020 funktioniert hat – und jetzt nicht mehr

5. Juli 2024

Wie jeder mitbekommen haben wird, der nicht unter einem Stein lebt, hat Joe Biden in der ersten Debatte gegen Trump eine derart beängstigende Figur abgegeben, dass überraschenderweise sogar der politmediale Komplex begonnen hat, an seinem Stuhl zu sägen. Es ging schon nicht sonderlich gut los, als er sich in seiner ersten Antwort damit rühmte, im Zuge der Rücknahme aller Corona-Beschränkungen „15.000 Jobs“ geschaffen zu haben – er meinte vermutlich 15 Millionen. Neun Minuten später folgte dann das unumstrittene Highlight seiner Demenz-Ausfälle an dem Abend:

„Wir müssen sicherstellen, dass wir unser Gesundheitssystem weiter stärken. Wir müssen sicherstellen, dass wir jede einzelne Person dazu berechtigen, alles, was ich machen konnte mit – dem äh – mit, mit dem Covid – Entschuldigung, wir müssen uns kümmern um – alles, was wir tun müssen – schaut… wenn… wir haben endlich die Krankenversicherungen besiegt.“

Trump entgegnete:

Er hat recht, er hat die Krankenversicherungen besiegt, er hat sie umgebracht und zerstört.“

Mainstream-Medien titeln nun von einem „Desaster“ („Tagesschau“), einem „miserablen Auftritt“ („Frankfurter Rundschau“) und „Panik“ bei den Demokraten (ZDF) und stellen pausenlos in den Raum, es wäre klüger, wenn er so kurz vor der Wahl doch noch auf seine Kandidatur verzichten würde. All das natürlich in einem Tenor, als sei Bidens geistiger Verfall nicht seit vielen Jahren vor der Weltöffentlichkeit dokumentiert worden, sondern letzten Donnerstag schlagartig deutlich geworden. Wenige Tage zuvor handelte es sich dabei laut „ARD-Faktenfinder“ ja auch noch um eine durch Deepfakes und irreführend geschnittene Videos befeuerte Verschwörungstheorie.

Die Frage, die ich heute beantworten möchte, ist die, warum ein auch damals schon sichtbar gemüsifizierter Biden vor vier Jahren in den Augen des Establishments noch ein solides Pferd in ihrem Stall war. Warum man nicht einfach einen weiteren aalglatten, charismatischen Soziopathen ins Rennen geschickt hat, der seine Murmeln noch alle beisammen hat, was im Fall von Obama ja acht Jahre lang gut funktionierte.

Spätestens seit Corona und dem Black-Lives-Matter-Sommer 2020, vermutlich aber eher schon seit den frühen 2010ern, befindet sich der Westen, allen anderen Ländern voran die Vereinigten Staaten, in einer neuen Brennphase des linken Projekts. Bildlich gesprochen ist man nicht mehr damit beschäftigt, den Leuten mit der Vision von einem leckeren Regenbogen-Omelett den Mund wässrig zu machen, sondern hat begonnen, die nötigen Eier aufzuschlagen. Das Omelett ist ein von jeder bedeutsamen Identität befreiter Einheitsbrei, und vor allem die indigenen Bewohner westlicher Länder stellen rapide fest, dass sie die ersten Eier sind, die dafür aus ihrer Schale befreit und rabiat durch den Mixer gejagt werden.

Die linken Stammwähler wollen daher in erster Linie gar nicht mehr von diesem Projekt überzeugt werden, sondern eher dahingehend beruhigt werden, dass es überhaupt keine derartige Agenda gibt und sie einfach auf die fähigen, vernünftigen Leute vertrauen können, die Medien, Unis, NGOs und Thinktanks bevölkern – die Wissenschaft. Sie wollen gar keinen Kandidaten oder eine Partei wählen, die offen eigene politische Ideen verfolgt, sondern die Vernunft, das Normale – und gegen das Böse, Gefährliche, das ihnen ansonsten droht.

Eine tatsächliche Person antreten zu lassen, ist daher ohnehin nur ein Ärgernis, das man hinnehmen muss, weil man ja nicht einfach offiziell die gesammelte linke Intelligenzija zur Wahl stellen kann, die tatsächlich die Geschicke leiten wird. Insofern gibt man ihnen einen normalen, harm- und farblosen Typen, den sie gesichtswahrend als Stand-In wählen und darauf bauen können, dass er sich so eng an der gewünschten Linie besagter Intelligenzija orientieren wird, dass es faktisch keinen Unterschied macht, dass er überhaupt als Puffer zwischen ihr und den Hebeln der Macht existiert. Und dafür ist es nicht mal nötig, dass regelmäßig graue Männer in sein Büro treten und ihm Anweisungen geben, denn was dieses politmediale Kartell gerade will, erfährt man einfach, wenn man die Zeitung aufschlägt.

Diese Farblosigkeit, die in einem senilen Greis, gegen den die Staatsanwaltschaft Ermittlungsverfahren einstellt, weil er „ein älterer Mann mit schlechtem Gedächtnis“ sei, der kaum zu boshaften Handlungen fähig sei, ihren Höhepunkt findet, aber ebenso jemanden wie Scholz auszeichnet, dient auch dazu, zu vermeiden, den rasch mehr und immer wütender werdenden Gegnern des progressiven Kurses ein griffiges personalisiertes Feindbild vorzuenthalten, wie sie es 2016 etwa in Clinton hatten, gegen die sie sich kraftvoll zusammentun konnten.

Grotesk werden darf die Abwesenheit eines Fahrers hinterm mentalen Steuer dieses farblosen Stellvertreters aber offenbar auch nicht. Der Otto Normal-Linke will einen Normalo an der Macht haben, der die „New York Times“ liest und dann macht, was da so drinsteht, weil er an die Menschlichkeit und die Wissenschaft glaubt. Wenn sichtbar wird, dass diese Person gar nicht dazu imstande wäre, den Pop-Wissenschafts-Artikel darüber, warum Fleischkonsum und Autobesitz bis 2040 nur noch Millionären vorbehalten sein sollten, eigenständig zu lesen, wird es ein wenig gruselig. Dann kommen auch bei ihnen Fragen hoch, die schon vorher angebracht gewesen wären, etwa: „Wer lenkt eigentlich wirklich die Geschicke in diesem Land?“

3 Comments

  1. Genau, „Wer lenkt eigentlich wirklich die Geschicke in diesem Land?“, das frage ich mich schon sehr lange. Das es „Sleepy Joe“ nicht sein kann, dürfte jedem einleuchten.

  2. „Spätestens seit Corona und dem Black-Lives-Matter-Sommer 2020, vermutlich aber eher schon seit den frühen 2010ern, befindet sich der Westen, allen anderen Ländern voran die Vereinigten Staaten, in einer neuen Brennphase des linken Projekts.“ Die Beschreibung trifft sicher zu. Aber was geschah um 2010 eigentlich genau? Wer stand dahinter? Und warum?

  3. Sehr gute Analyse und danke für das einbinden der Quellen. Man vergisst doch zu schnell.

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Autor

Shlomo Finkelstein

Shlomo Finkelstein wollte immer schon irgendwas mit Hass machen. Seit 2015 erstellt er als "Die vulgäre Analyse" Videos, und seit 2019 zusammen mit Idiotenwatch den Podcast "Honigwabe".

Belltower News schreibt über ihn: "Da er vorgibt, sein Hass sei rational begründet, sind besonders junge Menschen der Gefahr ausgesetzt, die Thesen für bare Münze zu nehmen und sich so zu radikalisieren."


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